SuperFoiler: Schleudersturz aus vollem Flug – Kampf gegen die Fliehkräfte

"Am Rande des Kontrollverlusts"

Am Freitag startet der SuperFoiler Grand Prix in Adelaide als Nachfolger der spektakulären 18-Footer. Ein aktueller Sturz beim Training zeigt, wie gefährlich das werden kann.

Stecker aus voller Fahrt sind besonders Katamaranseglern bekannt. Sie stechen mit dem Leerumpf in die nächste Welle, stoppen abrupt ab, und besonders der Vorschoter kann sich kaum halten. Er fliegt nach vorne und ohne sein Gewicht in Luv kentert der Multihull. Auch Skiff-Segler haben auf Gennaker-Kursen damit zu kämpfen, besonders wenn die Welle zu hoch ist und die Bugspitze nicht hoch genug galten werden kann.

Bei den neuen Foilern erreicht diese Gefahr noch eine andere Dimension. Denn durch die extrem hohe Geschwindigkeit fällt das Abstoppen noch extremer aus. Das Ergebnis kann wohl am Wochenende im australischen Adelaide verfolgt werden. Denn der jüngste Abflug eines SuperFoilers, der in der Lage sein soll, bis zu 40 Knoten zu erreichen, zeigt, wie wenig die Crew der Fliehkraft entgegenwirken kann: Der Vorschoter wird am Trapezdraht weit um das Vorstag katapultiert.

SuperFoiler

Olympia-Silber-Gewinnerin Olivia Price steuert Kleenmaid beim SuperFoiler Grand Prix © SuperFoiler

Das Problem scheint dabei ein Balance-Verlust auf den Foils zu sein. Der Auftrieb reicht nicht mehr aus – vielleicht ist die Tragfläche nicht richtig angestellt – und die Bugspitze des Hauptrumpfes sticht ins Wasser.

Am Freitag beginnt die erste Regatta von fünf Regatten des SuperFoiler Grand Prix im outer harbour von Port Adelaide. Sechs Onedesign Trimarane gehen an den Start mit einigen der besten Segler der Welt an Bord.

Comeback des 18-Foot-Grand-Prix-Gründers

Es soll die Neuauflage des 18-foot skiff Grand Prix aus den 90er Jahren sein, und hinter dem Comeback steht erneut Bill Macartney, der schon damals eines der größten Segel-Spektakel kreiert und auf die TV-Bildschirme gebracht hatte. Diesmal wurde er vom America’s Cup inspiriert und nun seinen Sohn an der Seite.

Er verkaufte die Rechte an Seven Network einen der fünf großen australischen Privatsender. 32 Stunden Segeln mit den SuperFoilern sind garantiert. Vier Jahre entwickelten die Macartneys ihr neues Segel-Produkt, und schließlich gingen auch die australischen Segelhelden Glenn Ashby und Nathan Outteridge mit Ian Jensen an Bord.

Luke Parkinson nutzt die Pause beim Volvo Ocean Race, bei dem er mit Scallywag gerade den überraschenden Etappensieg feierte, um das Steuer des tech2 SuperFoilers zu übernehmen und erlebte gleich den heiftigen Absturz oben. Er sagt: “Ich freue mich darauf zu lernen wie es ist, am Rande des Kontrollverlusts zu segeln.”

Diese spezielle Erwartungshaltung hat er gemein mit den Piloten-Kollegen. Darunter befindet sich Phil Robertson, der 2017 erster M32-Katamaran-Match-Race-Weltmeister den Millionen Jackpot knackte, aber auch der Brite Paul Campbell James, einer der wichtigsten Team-Kollegen von Ben Ainslie beim Land Rover BAR Team, wie auch Ed Powys.

Organisator Macartney erinnert sich, dass in Adelaide beim 18-Footer Grand Prix jeweils mehr als 9000 Menschen die Rennen vor Ort von Land aus verfolgt haben, und er hofft, daran anknüpfen zu können.

Die Crews

Kleenmaid (Olivia Price, Josh Mcknight, Harry Morton)

Euroflex (Iain Jensen, Nathan Outteridge, Glenn Ashby)

Pavement (Steve Thomas, Rhys Mara, Dan Morris)

Id Intranet (Paul Campbell-James, Ed Powys, Jasper Warren)

tech2 (Luke Parkinson, Sam Newton, Ayden Menzies)

Record Point (Guy Endean, Phil Robertson, James Wierzbowski)

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

10 Kommentare zu „SuperFoiler: Schleudersturz aus vollem Flug – Kampf gegen die Fliehkräfte“

  1. avatar waterman2000 sagt:

    Sehr geile Action auf sehr spektakulären Booten. Ich hoffe wir kriegen von den Events auch was in Europa zu sehen. Um solche Abgänge für die Trapezmänner sicherer zu gestalten würde wohl ein Quik Release, wie wir es beim Kiten in Gefahrensituationen gebrauchen, ausreichen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 1

    • avatar Pady95 sagt:

      Naja bei einem Stecker wirst du das Quik Release nicht mehr greifen können. Geht leider zu schnell

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

      • avatar waterman 2000 sagt:

        Doch, das geht in Sekundenbruchteilen. Die Systeme sind beim Kitesurfen zur Perfektion entwickelt. Seitdem gibt es dort fast keine schweren Unfälle mehr.

        Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  2. avatar oh nass is sagt:

    Na, in diesem Fall ging das doch ganz gut. Nicht so wie ich damals beim ersten Stecker mit dem Hobie 16, als ich mit gespreizten Beinen das Want mittig mitnahm… Aaaaauuuh!!!

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar Manfred sagt:

    Nach den schlimmen, tödlichen Unfällen mit, nach Drehung, fest umwickeltem Trapezhaken der nicht zu lösen war, hatte Julian Bethwaite doch diese Dinger mit der Kugel entwickelt. Sind die jetzt nicht Standard bei Trapezkünstlern? Ich bin leider zu lange raus und habe das nicht verfolgt. In Australien wird das mit Sicherheit verwendet werden.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

    • avatar Backe sagt:

      Die Bethwaite-Kugel hat sich (zum Glück) nicht durchgesetzt, auch nicht in Australien. Ist halt auch zu doof, wenn so ein Trapez am Gummi durch das Schiff flitscht und die Kugel auf den Zähnen von Steuermann oder Vorschoter landet.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 4

      • avatar Andreas Borrink sagt:

        Dann lieber ertrinken!?

        Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 2

        • avatar Backe sagt:

          Lieber Ertrinken! (… als ernsthaft auf Deinen Kommentar antworten – zehntausende Trapeztodesopfer weltweit sprechen ja auch für sich.)

          Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 3

        • avatar Peter sagt:

          Das ganze ist relativ unproblematisch, da man für das Trapez keinen Drat mehr verwendet sondern Dyneema, das kann man im Notfall durchschneiden. Diese Sicherheitsmesser mit denen man sich nicht verletzen kann sind dafür ideal.

          Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  4. avatar Müller sagt:

    So, Schluss jetzt mit Ertrinken, jetzt wird gesegelt:

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *