Sydney – Hobart: Schnellste Monos der Welt – Fällt das Duell “Wild Oats XI” “Comanche” aus?

"Schwerer Schlag"

Der 1oo-Fußer “Wild Oats XI”, achtmalige Sieger beim Hochsee-Klassiker Sydney Hobart, ist kurz vor dem dritten Duell mit “Comanche” von einem Blitz getroffen worden. Vier Mono-Riesen gehen an den Start.

Wild Oats XI

“Wild Oats XI” unterschneidet. © Rolex Sydney Hobart

Weihnachten tritt wieder der Hochsee-Klassiker Sydney – Hobart in den Fokus der Segel-Gemeinde. 103 Yachten starten am zweiten Weihnachtstag in Sydney bei dem berüchtigten 628 Meilen langen Hochsee-Klassiker.

Achtmal ging der 100 Fußer “Wild Oats XI” als Sieger über die Ziellinie. Der 12 Jahre alte Racer von Sandy Oatley wurde immer wieder extrem modifiziert, um sich an der Spitze zu behaupten. Er galt damit als schnellste Yacht der Welt, bis der US-Neubau “Comanche” an der Startlinie erschien. Das erste Duell 2014 gewann die australische Kult-Yacht, das nächste ging dann verloren. “Wild Oats XI” kam mit gerissenem Großsegel nicht einmal ins Ziel.

Im vergangenen Jahr war der Weg frei für den neunten Sieg, da “Comanche” nicht an den Start ging. Aber diesmal zickte der Hydraulik-Kolben für den Neigekiel und der ebenfalls betagte 100 Fußer “Perpetual LOYAL” kam nach 2011 zu seinem zweiten Sieg.

Vom Blitz getroffen

Diese Pechsträhne sollte 2017 ein Ende haben, und aber nun steht sogar schon die Vorbereitung auf die in fünf Tagen beginnende Regatta unter keinem guten Stern. Das Schiff ist vom Blitz getroffen worden.

Wild Oats XI"

Der Reichel Pugh 100-Fußer “Wild Oats XI”. © Rolex/Daniel Forster

“Wild Oats” stand auf einem Bock im Hafen von Sydney, als in einem Gewitter der Energiestoß den 45 Meter hohen Mast traf. Mehr als zehn Millionen Volt strömten durch das Rigg in den Rumpf und ein Großteil der Elektronik an Bord wurde zerstört. Haupt-Konkurrent “Comanche”, die in unmittelbarer Nachbarschaft an Land stand, wurde nicht beschädigt.

Eigner Oatley bezeichnete den Vorfall als “schweren Schlag so kurz vor dem großen Rennen”. Denn es ist nicht sicher, ob das stehende Gut aus Karbon in Mitleidenschaft gezogen wurde.  Es war eine Zeitlang unklar, ob “Wild Oats” starten kann. 

Glück im Unglück

Aber inzwischen hat das Team fieberhaft an der Beseitigung der Schäden gearbeitet, und ein Test auf dem Wasser hat ergeben, dass das Rigg wohl nicht beschädigt wurde. Offenbar hatten die Australier Glück im Unglück. Der Stromschlag führte zwar bis in den elektrischen Verteilerkasten im Schiff, konnte dann aber über eine Hebebühne abfließen, die noch am Schiff plaziert war.

Skipper Mark Richards dürfte auf dem Weg nach Hobart dennoch hin und wieder grübelnd ins Rigg sehen, wenn der Sturm durch die Takelage heult. Aber er will das Rennen nicht aufgeben. Schließlich könnte der Kampf an der Spitze so spannend werden, wie schon lange nicht mehr.

Oatley hat dafür noch einmal zehn Tage vor dem Start die Winkel der Schwerter im Rumpf von “Wild Oats” verändert, nachdem er sich dem 100-Fußer-Kollegen “Black Jack” bei der Big Boat Challenge vor Sydney geschlagen hat geben müssen. 

“Esimit Europa” wieder aufgemöbelt

Peter Harburg kaufte im April die ehemalige “Alfa Romeo” von 2005, die später fünf Jahre mit Jochen Schümann als “Esimit Europa” überwiegend im Mittelmeer segelte. Er ließ sie modifizieren und scheint besonders bei Leichtwind schnell zu sein.

Superyacht, Sydney-Hobart, Esimit europa

Die frühere “Esimit Europa” und jetzige “Black Jack” © trombetta/rolex

Doch es dürfte erneut schwer sein, gegen “Comanche” zu bestehen, den aktuellen Transatlantik-Rekord-Halter. Überraschend erwarb der ehemalige Ragamuffin-Eigner Jim Cooney den jüngsten Spross der 100-Fußer Familie von Jim Clark erst Anfang Dezember, um damit das Sydney-Hobart-Race zu bestreiten. Damit ist der langjährige Projekt-Leiter und North Sails Boss Ken Read aus der Verantwortung, und es muss sich zeigen, ob die Glitsch-Rakete auch in neuer Crew-Konstellation ihrer Favoriten-Rolle gerecht werden kann.

100 Fußer

Das erste Aufeiandertreffen 2von WOXI und COMANCHE 2014 bei der Big Boat Challenge. © Andrea Francolini

Aber die 18-köpfige Mannschaft ist aus zahlreichen Profis zusammengesetzt, die schon mit dem Schiff gesegelt sind. Darunter befindet sich ex Oracle-Skipper James Spithill. Die Comanche-Leistung wird sehr von den Bedingungen abhängen. Bei Kreuzkursen und leichtem Wind hat das breite Design Schwächen im Vergleich zur Konkurrenz.

Der vierte 100-Fußer im Bunde ist Vorjahressieger und Strecken-Rekord-Halter “Perpetual Loyal” der inzwischen vom australischen Softwarehaus-Gründer Christian Beck, dem aktuellen australischen “Unternehmer des Jahres”, gekauft wurde. Die ehemalige “Speedboat” und “Rambler” heißt jetzt “Infotrack” und geht mit einer 23-köpfigen Mannschaft an den Start, zu der unter anderem Oracle-Taktiker Tom Slingsby und Artemis-Trimmer Ian Jensen gehören. Beide stehen im Zentrum der Bemühungen, ein australisches America’s Cup Team zu formen.

Sydney Hobart

“Perpetual Lloyal” überholt im vergangenen Jahr überraschend “Wild Oats” vor der Luvtonne im Sydney Harbour. © Michael Chittenden

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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Ein Kommentar „Sydney – Hobart: Schnellste Monos der Welt – Fällt das Duell “Wild Oats XI” “Comanche” aus?“

  1. avatar Lars Hückstädt sagt:

    Fairer Sport: nach dem Facebook Post habe sich der Shore Manager der Black Jack bereits ins Flugzeug gesetzt um zu prüfen, welche Ersatzteile im Lager der Black Jack liegen, um den Konkurenten an doe Startlinie zu bringen. Daumen hoch 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

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