Sydney-Hobart: Ehemaliges Unglücksboot siegt in Rekordzeit – Was die Zeit wert ist

"Wir hätten gerne weiter mit ihnen gespielt"

 

Der 100-Fuß-Maxi “Perpetual Loyal” hat die 628 Meilen von Sydney nach Hobart mit einem Schnitt von 23 Knoten absolviert und die Rekordzeit auf einen Tag, 13 Stunden und 31 Minuten festgesetzt. Das ist eine um 4:52 Stunden schnellere Zeit als 2012.

Rekordzeiten bei einem Langstreckenrennen sagen nicht immer viel über die tatsächliche Leistung einer Crew aus. Und so ist auch der Fabelrekord von “Perpetual Loyal” beim Rolex Sydney-Hobart-Race erst einmal auf ein außergewöhnliches Wetterfenster zurückzuführen.

Perpetual Lloyal

“Perpetual Lloyal” beim Zieleinlauf im Dunkeln. © Rolex/ Kurt Arrigo http://www.regattanews.com

Normalerweise wird das prestigereiche Rennen oft von harten Am-Wind-Bedingungen geprägt. Aber diesmal beschleunigt außergewöhnlich stabiler Rückenwind die Flotte. Dafür hat sie der argentinische Star-Designer Juan Kouyoumdjian vor acht Jahren als “Speedboat” entworfen. Sie sollte Atlantik-Rekorde purzeln lassen, scheiterte aber bei den Versuchen 2008 und 2009.

Danach trat sie als “Rambler” in Erscheinung und erlangte unrühmlich Aufmerksamkeit als Unglücksboot, als sie beim Fastnet Race 2011 direkt nach der Rundung des Felsens den Kiel verlor. Anthony Bell, der beim Sydney-Hobart-Race 2011 mit “Investec Loyal”  “Wild Oats XI” um drei Minuten besiegt hatte,  machte “Rambler” wieder flott und entwickelte sie weiter. So kann sie inzwischen 8000 Liter Wasserballast in den hinteren Tanks aufnehmen.

Ausfall von “Wild Oats XI”

Aber gegen “Wild Oats XI” hat sie eigentlich keine Chance. Und so kam der Sieg beim aktuellen Sydney-Hobart-Race auch nur durch den Ausfall des achtmaligen Siegerbootes zustande.

"Giacomo" der ehemalige Volvo 70 "Groupama" raste auf Platz zwei. © Rolex/ Kurt Arrigo http://www.regattanews.com

“Giacomo” der ehemalige Volvo 70 “Groupama” raste auf Platz zwei. © Rolex/ Kurt Arrigo http://www.regattanews.com

Doch bei Wettrennen gilt die alte Regel: To finish first, you have to finish first. Man muss eben ins Ziel kommen, um gewinnen zu können. Es geht um die gewissenhafte Vorbereitung eines solchen Rennens, und da hat Anthony Bell “Perpetual Lloyal” in diesem Jahr besonders investiert.

Mit Co-Skipper Tom Slingsby engagierte er einen der besten Segler der Welt, und weitere erfahrene Profis, die schon auf “Wild Oats” den Rekord gebrochen oder im vergangenen Jahr mit “Comanche” das Rennen gewonnen haben.

Besonders die Startphase zeigte, wie gut sich das Team vorbereitet war. Die spektakuläre Kreuz aus der Bucht von Sydney gewann das “Perpetual Lloyal”-Team klar und zeigte, was aus dem alten 100 Fußer noch herauszuholen ist.

Schaden an der Kiel-Mechanik

Es dauerte seine Zeit, bis “Wild Oats” gleichziehen konnte. Nach 21 Stunden lagen beide Yachten gleichauf an der Spitze. Dann kam es zu dem Schaden an der Kiel-Mechanik. “Für uns war es traurig”, sagt Eigner Bell. “Wir hätten gerne weiter mit ihnen gespielt. Aber so ist das beim Regattasegeln.”

Navigator Tom Addis erklärt, dass besonders die harten Raumschots-Bedingungen der alten “Rambler” entgegen gekommen sind. Man habe mit dem 20-köpfigen Team vorher die Verluste so gering wie möglich halten müssen im Vergleich zu “Scallywag” und “Wild Oats” und andere Winkel gesteuert, weil das Schiff genau vor dem Wind nicht besonders stark sei. Aber die Positionierung habe gut funktioniert.

Varuna und "Ichi Ban" im Zweikampf bei Flaute vor dem Ziel. © Rolex/ Kurt Arrigo http://www.regattanews.com

Varuna und “Ichi Ban” im Zweikampf bei Flaute vor dem Ziel. © Rolex/ Kurt Arrigo http://www.regattanews.com

Der Rekord werde schwer zu brechen sein, sagt Tom Slingsby. Die Bedingungen waren so gut, dass selbst der Volvo 70 “Giacomo” (ex “Groupama”) vom Neuseeländer Jim Delegat zwei Stunden schneller war. Er verwies den 100 Fußer “Scallywag” auf Rang drei, und das ist vielleicht eine der größten Leistungen dieses Rennens. Er hat damit beste Chancen, die Gesamtwertung nach berechneter Zeit zu gewinnen, den prestigereichen Tattersall’s Cup.
In dieser Wertung liegt die deutsche “Varuna” zurzeit auf Rang 14.

Mit großem Interesse war der Auftritt der stark modifizierten “CQS” verfolgt worden. Der 100 Fußer kam schließlich hinter den Erwartungen auf Rang sieben ins Ziel. Früh im Rennen sind die Enden der DSS-Foils gebrochen, die dem alten Schiff zu hohem Speed verhelfen sollten.

Das Prinzip habe auch funktioniert. Skipper Ludde Ingvall zeigte sich begeistert. Aber nach dem Bruch sei das Schiff unter dem ehemaligen BMW Oracle Skipper Chris Dickson durch die Foils nur noch gebremst worden. Es sei bis zu 15 Prozent unter seinem Potenzial gesegelt.

"CQS" wurde durch angeknackste Foils ausgebremst. © Rolex/ Kurt Arrigo http://www.regattanews.com

“CQS” wurde durch angeknackste Foils ausgebremst. © Rolex/ Kurt Arrigo http://www.regattanews.com

Handicap-Wertung

Line Honours Wertung

Tracker Sydney Hobart

Start-Rückblick aus der Drohnen-Perspektive:

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Sydney-Hobart: Ehemaliges Unglücksboot siegt in Rekordzeit – Was die Zeit wert ist“

  1. avatar Firstler sagt:

    Vielleicht ne blöde Frage, aber wieso war eigentlich Comanche dieses Jahr nicht dabei?

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  2. avatar Ben sagt:

    “Rekordzeiten bei einem Langstreckenrennen sagen nicht immer viel über die tatsächliche Leistung einer Crew aus.”

    Was für ein blöder Satz.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 4

  3. avatar Ulli Jäger sagt:

    Ein echtes Luxusproblem, nehme ich heute Comanche, oder meine J Class 🙂
    ungefähr so, wie fahre ich heute mit meinem Folge Junior auf dem Steinhuder Meer,
    oder mache ich mich auf den Weg nach Dyvig zu meinem IF Boot Aglaia 😉

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