Sydney Hobart: “Wild Oats XI” gewinnt in Rekordzeit, muss aber vor der Jury zittern

Entscheidung am grünen Tisch

Auf den letzten Meilen vor dem Ziel hat “Wild Oats XI” noch “LDV Comanche” überholt und möglicherweise das Rolex Sydney Hobart Race gewonnen. Aber es muss noch der Protest verhandelt werden.

Sydney Hobart Race

“Wild Oats XI” absolviert das Sydney Hobart Race in Bestzeit. © Studio Borlenghi/Rolex

Es könnte so eine ausgelassene Feier sein, solch ein grandioser Sieg. “Wild Oats XI” hat die deutlich favorisierte “LDV Comanche” beim Rolex Sydney Hobart 7,8 Meilen vor der Ziellinie in Tasmanien überholt und gleich um 27 Minuten distanziert. Aber Skipper Mark Richards dürfte sich mächtig ärgern, dass er kurz nach dem Start im Zweikampf der 100-Fußer eine falsche Entscheidung getroffen hat.

Er wendete vermutlich zu spät bei einem Ausweichmanöver und entschied sich dann auch dagegen, sich mit zwei Strafkreisen zu entlasten. Diese hätten deutlich weniger Zeit gekostet als die 27 Minuten, die WOXI nun vor dem Gegner lag. Die Jury soll in den nächsten zwei Tagen über den Protest entscheiden.

“Wir hätten ihr Backstag erwischt”

Comanche-Eigner Jim Cooney erklärt nach dem Ziel seine Sicht des Vorfalls: “Wir riefen ‘Raum’, sie mussten ausweichen und wendeten viel zu spät direkt in unseren Weg. Wir mussten im letzten Moment ausweichen, sonst wären wir wohl beide aus dem Rennen gewesen. Wir hätten ihr Backstag erwischt und das wäre wohl das Ende unseres Bugspriets gewesen.”

Wild Oats kommt von hinten… © Crosbie Lorimer

…und segelt mühelos zwei Knoten schneller in Luv an Comanche vorbei. © Crosbie Lorimer

Die Sitzung vmit den Schiedsrichtern könnte sehr tragisch für die 21 Australier ausgehen, die zum neunten Mal die Strecke nach Hobart als Sieger absolvierten. Bei der Protestverhandlung haben sie wohl schlechte Karten.

Schwierig ist allerdings die Bestimmung des Strafmaßes. Eine Zeitstrafe länger als  fünf Minuten ist für so einen Falle vorgesehen, aber wie sollte sie bemessen sein? Musste “Comanche” möglicherweise eine taktische Position aufgeben, die in der Folge dazu geführt hätte, dass der Vorsprung größer gewesen wäre? Kann es sein, dass WOXI dann vielleicht gar nicht vorbei gesegelt wäre?

Es ist eine wahrlich schwierige Entscheidung, und wie auch immer ausfallen mag, die Diskussionen werden nicht aufhören.

Bei 30 Knoten dran geblieben

Das ist schade für dieses Rennen, wie auch die “Wild Oats”-Crew, die etwas geschafft hat, was kaum jemand für möglich gehalten hatte: Ein Sieg über den nachweislich schnellsten Monohull der Welt.

Wild Oats liegt am Ende klar voraus. © Studio Borlenghi/Rolex

Die Bedingungen kurz vor dem Ziel spielten dem schmalen Dauer-Sieger in die Karten. Bei Flaute klebte die gut doppelt so breite “Comanche” mit ihrer großen benetzten Fläche geradezu im Wasser fest und parkte in einer Flaute.

WOXI war bei dem schnellen Rennen mit bis zu 30 Knoten Wind von hinten erstaunlich nahe an dem Reach-Spezialisten dran geblieben und segelte schließlich mühelos gut zwei Knoten schneller vorbei. Damit wurde der Vorjahresrekord deutlich um 4:42 Stunden unterboten. Aber nun fällt die Entscheidung am grünen Tisch.

 
Die letzen Meilen vor dem Ziel:

WOXI hat Comanche passiert:

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

9 Kommentare zu „Sydney Hobart: “Wild Oats XI” gewinnt in Rekordzeit, muss aber vor der Jury zittern“

  1. avatar kuehlwein@highlight-boats.de sagt:

    Jahre später gebaut und bei wenig Wind und Kreuzkursen ein Kompromiss.. dieser Flugzeugträger saugt sich fest.
    Weshalb fahren die den Kiel nicht nach Lee, damit die Schüssel krängt und sich die benetzte Fläche verringert…
    Toll wie sich WO gehalten hat, da haben sich die ganzen schönheits OPs ausgezahlt.
    Es hat das schönere Boot gewonnen, mit dem Fehler schlecht unterwendet zu haben..

    Begeisterte Grüsse Christian

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

    • avatar oh nass is sagt:

      Zur Info: Die Server IP-Adresse von http://www.highlight-boats.de/ oder windkraftboote.de ‘wurde nicht gefunden’.

      WOXI muss für das Manöver bestraft werden, da gibt es leider kein Wenn und Aber. Sowas geht definitiv nicht.

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

      • avatar Martin sagt:

        Zur Info. Eine Domain-Name muß nicht zwangsläufig mit einem Webserver verbunden sein. Auch der Name ‘www’ ist willkürlich.

        Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. avatar Christian sagt:

    In jeder Ranglistenregatta, jeder Meisterschaft und jeder Olympischen Regatta gäb’s für den krassen Vorfall völlig zu Recht ein DSQ. Angesichts der Tatsache, dass WOXI trotz klarem Verstoß gegen RRS 10 und 15 keine Strafdrehungen ausgeführt hat, bleibt eigentlich ebenfalls nichts anderes. Allerdings gibt es beim S2H seltsame Sonderregeln, mit unangemessenen Zeitstrafen von 5 Minuten.

    WOXIs Fehler ist nicht mal das Hauptproblem, das kann vorkommen, sondern das darauf folgende Missachten der Regeln, ohne die Segeln nunmal nicht möglich ist (wenn wir nicht Boxauto fahren wollen). Fairness first, ego second.

    Wie doof oder egoistisch oder beides muss man eigentlich sein, um auf solche Weise einen Sieg einfahren zu wollen? Die hatten immerhin 32 Stunden Zeit zum Nachdenken, und es waren über 20 Segler an Bord. Da gibt es keine mildernden Umstände mehr.

    Booooohhh WOXI!

    Schade, dass die Leistung der rund 100 fairen Mannschaften jetzt unterzugehen droht. Gratulation an Ichiban und all die anderen ohne zig Millionen-Budget.

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 3

  3. avatar andreas borrink sagt:

    Hey Christian, mit dem BULL wäre das OK gewesen, oder!?

    Aber mal zu diesem Vorfall: Strenggenommen war das doch OK, eben weil Comanche ausweichen konnte und – als Überholer – musste…..mal ganz abgesehen von dem enormen Schadenpotential und der schwachsinnigen Aktion an sich. Wende abgeschlossen, ganz unabhängig von der Fahrt im Schiff (hier wohl eher nahe Null….). Im Laser würde man als unterwendetes Boot wohl draufhalten, dann wäre alles eindeutig. Man sollte dann allerdings irgendwo an der Stb–Kante treffen und nicht am Heck.

    Bin gespannt auf die Entschidung!

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 2

  4. avatar Christian sagt:

    Zur Kollision kam es nur deshalb nicht weil Comanche noch während des Wendemanövers von Woxi auswich. Eine Stunde Zeitstrafe ist milde aber gerecht. Der Fall wird Gutes bewirken in der Segelwelt da nun allgemein mehr Bewusstsein geschaffen wurde für Regeln und alles was daraus folgt.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

    • avatar andreas borrink sagt:

      naja……ich hab’s mir noch mal angeschaut. Für mich startet das Ausweichmanöver nach Beendigung der Wende, zumindest zeitgleich. Knapp jedenfalls

      Die Aktion war natürlich völlig überflüssig und vermutlich Adrenalingesteuert. Und zweifellos gefährlich, bei den Massen, die da unterwegs sind. Aber ich fand es zumindest erstaunlich, wie schnell diese Riesennadel durch den Wind geht. Und dabei – klar – stehen bleibt.

      Aber die Jury hat es so entschieden, dann wird es wohl richtig sein. Vermutlich hatten die auch noch andere, bessere Perspektiven.

      Saublöd für Wild Oats! Das “schönere” Schiff, wie ich finde. “Comanche” ist doch nun echt hässlich mit diesen merkwürdigen Riggproportionen und dem Mosterar..h. Und so richtig überzeugt hat der vielgelobte downwindspeed ja nun am Ende auch nicht.

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  5. avatar kuehlwein@highlight-boats.de sagt:

    Hallo Andreas,

    schön von Dir zu hören.
    Mit der Bull hätten wir das bei einem Bier bereinigt.

    Allerdings– hätte ich so einen schlechten Start gehabt und dann die Möglichkeit bekommen den Flugzeugträger zu ärgern…voller Adrenalin…, ich weis nicht wie das ausgegangen wäre…

    Weshalb fischt man nach mir und will etwas erzählen?

    Grüsse Christian

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *