Tag 6 in Japan brachte Leichtwind und auch Ernüchterung fürs DSV-Team

Zwei Tagessiege wahren Medaillenchancen

Nervenstarker Philipp Buhl muss im Finale für Edelmetall auf Hilfe der Konkurrenz hoffen. 49er-Crews bleiben in Lauerstellung hinter den Podiumsplätzen. Wanser/Winkel bleiben disqualifiziert und 14. Svenja Weger verpasst Medal Race im Laser Radial.

Mit einem Tagessieg im zehnten und letzten Rennen vorm Finale wahrte sich Philipp Buhl zumindest rechnerisch noch Medaillenchancen auf “Silber” oder “Bronze”. © Sailing Energy / World Sailing

Warum nicht gleich oder häufiger so, fragten die deutschen Segelfans zum Abschluss der Laser-Wettfahrten im japanischen Enoshima. Im zehnten und letzten Rennen haute Weltmeister Philipp Buhl mit einem genialen Start-Ziel-Sieg nochmal richtig einen raus. Das war auch bitternötig, denn als 32., also Viertletzter, hatte der 31-Jährige zuvor einen desolaten Streicher abgeliefert und musste als Gesamtelfter sogar um den Einzug ins Finale der besten Zehn fürchten.

Aber der Buhl 2021 ist gereifter als 2016 bei seinem ersten Olympiastart. Er behielt die Nerven, wusste genau, was für den Mitfavoriten auf dem Spiel stand. Allein bei den teils richtig flauen, südlichen Winden auf der Sagami-Bucht den Schlüssel zum Erfolg zu finden, das war zu großen Teilen auch ein Vabanquespiel. Was gab den Ausschlag für die Taktik? „Nach der Wettfahrt habe ich noch einmal analysiert und mich wieder für die linke Seite entschieden. Es war eine 50:50-Entscheidung, ich habe mich auf mein Gefühl verlassen“, sagte der Sportsoldat, wie er die Grundlage für den Tagessieg legte.

GER am Start des Laser-Felds ganz vorne – das war an den olympischen Wettfahrttagen zu selten zu sehen. © Sailing Energy / World Sailing

Rechnerisch wahrte er dadurch Medaillenchancen, wobei Edelmetall nicht mehr aus eigener Kraft möglich ist. Als Gesamtfünfter im Medalrace muss er sechs Plätze vor dem elf Punkte vor ihm platzierten Kroaten Tonci Stipanovic (3.) landen, um Bronze holen zu können. Auf den Vierten Pavlos Kontides aus Zypern sind es zwei Punkte weniger, also „nur“ fünf Plätze. Theoretisch ist sogar noch „Silber“ drin, wenn sein Sparringspartner Hermann Tomasgaard aus Norwegen das Finale vermasselt. Allein der Australier Matt Wearn gewann schon vorzeitig die Goldmedaille, so groß ist sein Vorsprung schon jetzt. Genauso vage sind die Chancen für den zweimaligen Olympiasieger Robert Scheidt aus Brasilien einen Punkt und Platz hinter dem Deutschen. Beide müssen fast schon gewinnen und hinter sich den Rechenschieber rausholen, um noch Edelmetall zu holen.

Trotz eines Tagessiegs zu Beginn konnten Erik Heil und Thomas Plößel (Berlin/Kiel) im 49er auch nicht zufrieden sein. „So wenig Wind ist eigentlich okay für uns“, meinte der Steuermann, „wir waren schnell.“ An der Luvtonne wieder in Führung liegend, verloren sie jedoch den zweiten Triumpf im weiteren Verlauf. Und der hätte die zwischenzeitige Gesamtführung bedeutet. Sie wurden aber nur Siebter.

Am Vortag kämpften Erik Heil – hier in der Vollgussdusche – und Thomas Plößel mit den rauen Bedingungen, am Freitag dann in lauer Brise. © Sailing Energy / World Sailing

Noch arger verlief das dritte und letzte Tagesrennen für die Bronzemedaillengewinner von Rio de Janeiro. Dazu Erik Heil: „Den letzten Start hätten wir eigentlich abbrechen müssen, weil wir bei zwei Minuten sehr nah an Dylan (Fletcher/GBR, d. Red.) waren. Da musst du eigentlich rausgehen. Wir sind dringeblieben, dann war der Start zu spät. Wir sind gewendet, mussten ums Startschiff gefahren, haben ein bisschen zu viel gepumpt, eine Flagge bekommen, gekringelt… dann ging es im Rennen nur noch darum, freie Lanes zu erwischen und wieder nach vorne zu kommen.“ Es reichte aber nur zum zwölften Platz.

Als Fünfte liegen sie zwölf Punkte hinter der Spitze. Bei drei noch ausstehenden Wettfahrten vor dem Medal Race ist indes noch alles drin. Das Top-Trio bilden Dylan Fletcher/Stuart Bithell aus Großbritannien zusammen mit den punktgleichen neuseeländischen Titelverteidigern Peter Burling und Blair Tuke und den Spaniern Diego Botin/Iago Lopez einen Zähler zurück.

Gute Laune bei Tina Lutz (links) und Susann Beucke.
© Sailing Energy / World Sailing

Ähnlich ist die Ausgangslage für Tina Lutz und Susann Beucke (Holzhausen/Strande) im 49erFX. Durch einen starken dritten Platz zum Tagesschluss nach 11 und 13 behalten sie das Podium ebenfalls als Fünfte 14 Punkte hinter Rang drei zurück zumindest in Reichweite. „Es war superschwer. Wir hatten drei gute Starts, und damit ist man bei so leichten Bedingungen eigentlich vorne, aber man konnte auf dem Kurs wirklich nichts vorhersagen“, sagte die Steuerfrau an Land. Der Tracker mit statistischer Feinanalyse zeigte jedoch, dass bei den Starts durchaus noch der eine oder andere Meter Luft zur Linie bot, was mittig vor der Startlinie jedoch an Bord schwer einzuschätzen ist. Geackert hat die Süd-Nord-Kombination auf der Bahn jedoch wie die Löwinnen. „Es war ein Kampf um jeden Meter. Mir lief der Schweiß in Strömen über das Gesicht“, so Lutz. Die Lufttemperatur vor der japanischen Küste betrug einmal mehr 29 Grad Celsius.

Die Hamburger 470er-Frauen Luise Wanser und Anastasiya Winkel (16. und 8.) verharren durch eine endgültige Doppeldisqualifikation am ersten Tag auf dem 14. Platz und „gehen enttäuscht aus dem Tag.“ Die internationale Jury lehnte eine Wiedereröffnung des Falls mit Anhörung nach anderthalbstündiger Sitzung ab, weil keine neuen Fakten vorlägen. Am ersten Tag war die Trapezweste der Vorschoterin nach den Rennen beim Kontrollwiegen 260 Gramm zu schwer. „Wir haben für unsere Athletinnen alles versucht“, sagte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, „und ganz so eindeutig war es wohl nicht, wenn die Diskussion so lange gedauert hat.“ Luise Wanser erklärte ihr Defizit: „Wir haben zur Vorbereitung meistens bei mehr Wind und Welle trainiert. Und wahrscheinlich haben wir zu wenig Erfahrung und Gefühl bei dem wenigen Wind. Wir segeln ja erst ein Jahr zusammen.“

Glücklos verpasste Svenja Weger als 16. den Finaleinzug im Laser Radial klar. Als Spitzenreiterin mit Tagessieg hatte die Kielerin am ersten Olympiatag für eine kleine Sensation gesorgt. „Top Ten wäre schon schön gewesen“, meinte die Kielerin, „aber mit dem Endergebnis muss ich mich nicht verstecken.“ Am Sonnabend werden die Finalplätze in den Skiffs verteilt. Und Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (ebenfalls Kiel) wollen ihren Podiumsplatz drei im Nacra 17 behaupten.

3 Kommentare zu „Tag 6 in Japan brachte Leichtwind und auch Ernüchterung fürs DSV-Team“

  1. avatar Hans im Glück sagt:

    So klar war das verpasste Medalrace von Svenja Weger nicht. Wenn man sich die Punkte anschaut hätte sie im letzten Lauf nur 15. werden müssen um ins Medalrace zu kommen. Und wenn ich mir das Replay so ansehe, dann war. das mal ein richtiges Schweinerennen. Sie hat auf jeden Fall wieder Ihr Potential gezeigt und wenn sie dabei bleibt wird sie bei den nächsten Spielen sicherlich ganz vorne mitmischen können.

    Mich würde mal noch interessieren, was mit der führemden Anne-Marie Rindom im letzten Rennen los war. Sie hat ja in der Vorstart Phase versucht Marit Bouwmeester in eine Protestsituation zu bringen, ist dann weinend zu Ihrem Coach gesegelt, der ihr aber nicht geholfen hat. Nach langem zögern hat sie die erste Kreuz dann auch begonnen aber nach ein paar Metern wieder beendet.
    Warum dachte sie, dass sie für das Rennen gesperrt sei? Das wäre schön, wenn man das noch herausfinden könnte. Sie hatte doch nach dem neunten Rennen noch einen klaren Punktevorsprung.

    • avatar Stine sagt:

      Anne-Marie Rindom wurde in der Vorstartphase von der Jury geflaggt, und da das ihre zweite gelbe Flagge war musste Sie das Rennen beenden. Allerdings war das dann ein Generell recall. Sie hätte das nächste Rennen wieder starten können, war sich aber anscheinend nicht sicher und ihr coach durfte ihr nicht helfen zwischen den Startrversuchen.

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