Technik: Artemis stellt fortschrittlichsten Segelsimulator vor – „unglaubliche Realitätsnähe“

Rock den Simulator

Simulatoren sparen Traininingszeit und somit Geld, verringern Bruch durch Steuerfehler und testen neue Technologien unter realistischen Bedingungen – im Trockenen!

Man ist ja so einiges gewohnt von Think Tanks wie Artemis Technologies. Sie entwickeln tatsächlich bahnbrechende Technologien und wenn es denn sein muss, erfinden sie den Segelsport mal eben schnell neu. Sie tüfteln akribisch an vermeintlichen Kleinigkeiten, um den halben Knoten mehr Speed aus den Booten zu kitzeln. Geld spielt dabei (vermeintlich) eine eher untergeordnete Rolle… 

So erstaunt es nahezu, dass nun von Artemis Technologies eine Maschine in Betrieb genommen wurde, die in erster Linie Geld und Zeit sparen soll. Mit ihr können Trainingszeit auf dem Wasser reduziert, Bruch aufgrund von Steuerfehlern deutlich verringert und neu entwickelte Technologien zunächst einmal „trocken“ getestet werden. 

Vorhang auf für – den Artemis-Segelsimulator

Okay, so ganz neu ist die Idee nicht. Flugkapitäne werden schon seit Jahrzehnten an ähnlichen Simulatoren ausgebildet, ebenso Formel1-Piloten oder Hubschrauber-Kampfpiloten. Doch was den „Artemis“-Simulator so besonders macht, ist seine konsequente Ausrichtung auf die Anforderungen von Teams, die auf Hochleistungsfoilern wie etwa den F50 oder GP 50, aber auch den zukünftigen America’s Cup-Katamaranen unterwegs sind und sein werden.

Das Gerät steht bei Artemis Technologies in der Nähe des britischen Flughafen Heathrow. Es wurde in den vergangenen 12 Monaten weiter entwickelt, nachdem Artemis bereits für den letzten America’s Cup einen (eher rudimentären) Segelsimulator eingesetzt hat.

Im Mittelpunkt des Simulators steht (im doppelten Wortsinne) die technische und physikalische Plattform. Auf ihr sitzen die Crewmitglieder in authentischen Cockpits, die über hydraulische, computergesteuerte Systeme die „Boote“ offenbar 100 Prozent realistisch bewegen. Für die rundum perfekte Simulation sorgt eine 4,5 Meter hohe Leinwand, die in einem 210 Grad-Bogen um die Maschine aufgebaut wurde. 

Der Simulationseffekt scheint perfekt zu sein. Mehrere Teams , die bereits auf dem Artemis-Simulator trainiert haben, zeigten sich begeistert (siehe auch Video). Dabei scheint es oft ausgesprochen “ruppig” zuzugehen – manche Teams haben das Gefühl auf der Maschine bereits mit Bull-Riding verglichen. 

Einige Stimmen aus den Reihen der Techniker und Teams, die zum Teil auch in den Videos zitiert werden: 

Iain Percy, Artemis Technologies CEO:

„Technische Sportarten sind eine Art Verbindung zwischen Mensch und Maschine, und ein Simulator ist der Punkt, an dem all das zusammenkommt. Artemis Racing hat im letzten America’s Cup mit dynamischer Modellierung und technischer Entwicklung großartige Arbeit geleistet. Aber was wir verpasst haben, war die Integration menschlicher Interaktion“.

Jonathan Nicols, Lead Systems Engineer:

“Historisch gesehen war die Simulation im America’s Cup ziemlich isoliert und konzentrierte sich auf bestimmte Arbeitsbereiche. Es gab keinen ganzheitlichen Ansatz. Gegen Ende des letzten America’s Cup hatte Artemis Racing damit begonnen, diese Simulationen in ein zentrales Paket zu integrieren – dieser Simulator ist eine Fortsetzung und wird es uns ermöglichen, wichtige Designentscheidungen viel früher zu treffen. Bisher lernten wir viel zu spät und entdecken erst, ob die Technik erfolgreich war, wenn wir das Boot im Wasser hatten. Das ist jetzt anders.

Simulator, GP50, F50, Artemis

Der Simulator hat zwei Schlüsselfunktionen – Crew-Training und Bootsentwicklung und ist derzeit für SailGP mit einem identischen Cockpit wie die neuen Hochleistungskatamarane F50 optimiert.

Der Realismus des Simulators ist unerlässlich für das Crew-Training, das aus der Einarbeitung in die neuesten Systeme des Bootes, Reaktionsübungen auf Notfall- und Ausfallmodi sowie dem Aufbau von Muskelgedächtnis und Rhythmus für Manöver besteht.

Die neuen SailGP-Teams haben jeweils drei Tage Zeit, um zu lernen, wie man die neuen Foilerkatamarane in “Echtzeit” vor der Anfang nächsten Jahres beginnenden Rennstrecke fährt.

Billy Besson, Steuermann France Sail GP-Team

“Es ist unglaublich! Das gibt uns die Möglichkeit, ein Gefühl für ein neues Boot zu bekommen, wie es bisher nicht möglich war”.

Simulator, GP50, F50, Artemis

Und so sieht es dann in “echt” aus © sander van der borch/artemis

Dr. Alex Reid, Systemingenieur bei Artemis Technologies, der für die letzten F50-Seeversuche in Neuseeland war:

“Selbst auf seiner grundlegendsten Ebene spart der Simulator eine Menge Zeit für Teams, die lernen, diese extremen Maschinen zu segeln. Aber für uns Konstrukteure und Ingenieure, die in Neuseeland waren, hat sich die Fähigkeit, Systeme auf dem Simulator über Nacht (während des britischen Tages) zu betreiben und zu testen, als Schlüssel zur effizienten Entwicklung des F50 erwiesen”.

Die Plattform oder das Cockpit können für jede Art maritimer Anwendung ungebaut und adaptiert werden.

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