AC Nachklapp

Teil 2 Wie Alinghi deutlich den ersten Start gewann - und trotzdem verlor

Der 33. America´s Cup, zwei Rennen für die Ewigkeit. Auch zwei Wochen danach sind sie noch Thema am Club-Tresen. Unglaublich, was beim ersten Start passierte. Statt einer langen Lauerphase aus sicherer Entfernung, rasen beide Multihulls aufeinander zu, Alinghi erhält eine Strafe Teil 1, kann sich aber wie durch ein Wunder lösen. Und das ging so:

In einem normalen Match Race befänden sich die Schweizer (blau) in einer schwierigen Blockade-Position. Aber plötzlich verliert „USA“-Steuermann James Spithill die Kontrolle über sein Boot. Er hat es zu nah an das Leeboot gesteuert und muss durch Luven ausweichen. Bei der Langsamfahrt reißt die Strömung am Flügel ab, der Trimaran treibt rückwärts.

Das ist beim Match Race nicht ungewöhnlich. Aber diese riesigen Multihulls sind nicht für eine kontrollierte Rückwärtsfahrt konstruiert. BMW Oracle treibt minutenlang manövrierunfähig durch das Wasser.

Alinghi ist an der Startlinie (weiße Linie). BMW Oracle treibt noch rückwärts.

Alinghi schafft das Abfallen noch im letzten Moment bevor die Strömung abreißt, nimmt Fahrt auf, halst um die Starttonne und startet das Rennen mit einem riesigen Vorsprung.

Nahaufnahme. In Position 4 stoppt Alinghi (blau) kurz, um „USA“ zu behindern, segelt aber dann doch mit großem Vorsprung weiter.

Währenddessen treiben die Amerikaner immer noch rückwärts. Als Alinghi von Lee auf den Gegner zukommt, überlegt Taktiker Brad Butterworth wohl kurz, den Gegner abzuschießen und den Penalty zu egalisieren. Die Segel werden kurz aufgemacht, der Luvschwimmer klatscht ins Wasser.

Aber dann besieht man sich anders. Es ist kaum möglich, einem manövrierunfähigen Gegner eine Strafe aufzubrummen. Die Regeln besagen, dass man ihm Raum und Zeit zum Ausweichen geben muss. Also Segel wieder dicht holen, Luv-Bein hoch und mit Fullspeed Richtung Luvtonne.

BMW Oracle hat immer noch Probleme, wieder in Fahrt zu kommen. Der Vorschiffsmann versucht sogar, das riesige Vorsegel back zu halten, um den Bug aus dem Wind zu bekommen. Lustig, wie das Männchen an dem Unterliek des Segels hängt.

Aber schließlich gelingt das Abklappen nach Steuerbord. Der Tri fällt hinter die Linie ab und startet schließlich mit Verspätung. Alinghi hätte Zeit, seinen 270-Grad-Strafkreis mit einer Halse zu erledigen, entscheidet sich aber weiter zu segeln. Vermutlich will Butterworth bis zur Anliegelinie warten.

Aber so weit kommt es nicht. „USA“ nimmt Speed auf, segelt bei zunehmendem Wind mehr Höhe als der Gegner, rollt das Vorsegel weg, um den Widerstand zu vermindern und ist deutlich schneller als Alinghi.

Die gelbe Linie zeigt den Kurs von „USA“ nach dem schlechten Start. Der Tri segelt deutlich höher bei stärkerem Wind und überholt Alinghi.

Bald danach steht es 1:0. Denn selbst auf dem Vorwindkurs hat Alinghi keine Chance. Die Amerikaner rauschen mit einer Böe nach Lee ins Ziel.

Carsten Kemmling

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