AC Nachklapp

Teil 4: Spithill düpiert Bertarelli beim zweiten Start und liegt dann doch hinten

Nach dem verspäteten Eintauchen bleibt Alinghi kaum noch Zeit, sich vernünftig für den Start zu positionieren. BMW Oracle segelt einen weiten Bogen und rauscht mit Fullspeed und Wegerecht auf einem Schwimmer heran. Wenn Bertarelli auf der linken Seite hätte starten wollen, wäre er chanclos.

Die Startphase. Alinghi (gelb) ist spät dran, muss blau ausweichen und startet mehr als 100 Meter hinter dem Gegner

Die entscheidende Phase in Nahaufnahme

Er legt sich vor den Gegner, weicht mit einer Wende aus (Position 7), segelt tief um zu beschleunigen (8) und startet mit Wind von Backbord am Startschiff. So kommt ein so genannter Split-Tack-Start zustande.

Das ist prinzipiell nicht schlecht. Zumal Alinghi möglicherweise bewusst auf die rechte Seite wollte. Aber Bertarelli ist einfach zu spät dran. Spithill rast mit maximaler Geschwindigkeit an der Starttonne los. Alinghi liegt genau 112 Meter zurück als es losgeht. Und er ist deutlich langsamer.

Alinghi startet am Startschiff mit einem Rückstand von 112 Metern.

Bild 1. Die blaue Vorteil-Linie ist nach links gekippt...

Nachdem BMW Oracle gewendet hat beträgt der Vorsprung laut Virtual eye fast 600 Meter. Allerdings ist der Messung nicht unbedingt zu trauen. Die Techniker hatten in Valencia Schwierigkeiten, genaue Daten über die Windrichtung zu liefern. So erklärt sich,

Bild 2. Die Vorteil-Linie, jetzt gelb, kippt fast 20 Grad nach rechts und deutet eine Rechtsdrehung an...

dass die Vorteil-Linie, die den Abstand zwischen den Booten anzeigt, urplötzlich nach 600 Metern Rückstand einen für Alinghi einen 3 Meter Vorsprung berechnet. Und das, obwohl Bertarelli rechts viel Weg durch eine Wende verloren hat.

Die Vorteil-Linie kippt fast 20 Grad nach rechts. So stark dreht der Wind aber nicht nach rechts. Tatsächlich liegt BMW Oracle links nie so weit in Führung, wie Virtual Eye Glauben macht.

Alinghi ist auf der rechten Seite einfach sehr flott unterwegs. Der Wellengang soll zwar zu hoch

sein für den Katamaran. Und die Alarmsysteme deuten ständig auf Belastungsspitzen hin. Aber der Wind ist so leicht, dass BMW Oracle nicht wie im ersten Rennen das Vorsegel wegrollen kann. Der Tri benötigt den Druck, um auf eine Kufe zu kommen.

Dann unterläuft den Amerikanern allerdings der erste taktische Fehler. Als Alinghi von rechts auf sie zukommt haben sie noch einen Vorsprung, der die Passage vor Alinghis Bug möglich macht. Taktiker John Kostecki besteht aber auf eine klassische Leewende.

Er mag noch das erste Rennen im Kopf haben, als sich sein Boot deutlich höher steuern ließ. Oder er dachte, dass sich die Boote schon auf der rechten Anliegelinie zur Luvmarke befinden. Diese Layline ist auf die große Entfernung des Mega-Kurses sehr schwierig zu bestimmen.

Bild 3. ...Die fast geraden Kurslinien der Boote bestätigen die extreme Rechts-Drehung aber nicht. BMW Oracle (blau) unterwendet Alinghi.

Wie auch immer. Erstaunlicherweise segelt Alinghi auf dem Kurs mit Wind von Steuerbord deutlich höher. Brad Butterworth begründet das später mit dem von rechts einsetzenden stärkeren Wind, den Alinghi immer einen Tick früher als der Gegner erwischt.

Zusammen mit einer leichten Rechtsdrehung des Windes gerät BMW Oracle plötzlich unter enormen Druck. Irgendwann ist es klar, dass Spithill nicht mehr vor dem Bug von Alinghi durchkommt.

Das Spiel hat sich gedreht. Alinghi hat wieder alle Chancen. Und es besteht sogar die Möglichkeit, den ausstehenden Penalty loszuwerden.

Im letzten Teil: Wie ein erneuter Taktik-Fehler von Alinghi das Cup-Match entscheidet

Carsten Kemmling

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