Test-Fazit Frauen-Skiff Olympia Trials: Meike Schomäker über Kats und Skiffs

"Alles Schlag auf Schlag"

Arup ist ein Design aus Dänemark. Das Skiff hat einen äußerst schmalen Rumpf mit Racks. Es wiegt nur 65kg segelfertig und hat ein Ruder mit verstellbarem T-Foil. Eine nette Option, um mit dem Längstrimm zu spielen, aber vielleicht zu viel des Guten.

Arup konnte vom Speed und von der Höhe her meist nicht mithalten. Es ist sehr kippelig und generell sah man viele Kenterungen des Bootes. Als größeres, schwereres Team hat man es sehr schwer. Meiner Meinung nach gibt es bessere Optionen für 2016.

Aura ist ein spektakuläres Neu-Design vom englischen Hersteller Ovington mit futuristischem Look („high performance“). Persönlich fände ich es positiv, wenn die neue High Performance-Klasse für Frauen auch den technisch neuesten Stand wiederspiegelt und das wäre bei Aura der Fall.

Negativer Bug als Hingucker

Die Verarbeitung und technischen Details sehen überzeugend aus. Der Rumpf ist zwar schmal, hat jedoch durch sein besonderes Design trotzdem viel Volumen. Absoluter Hingucker ist der negative Bug, wodurch der Längstrimm sehr entscheidend wird.

Es ist eine neue Art des Skiffsegelns, die man glaube ich erst erlernen muss. Meiner Meinung nach sehr anspruchsvoll , aber richtig gesegelt auch sehr schnell und spannend. Persönlich war ich sehr begeistert davon und es hat mir viel Spaß gemacht. Leider hatten alle Teams Probleme mit dem Aufrichten, da das High Aspect-Schwert sehr schmal ist und es wenig Halt am Rumpf gibt. Möglicherweise ist dies aber nur eine Frage der Technik.

Den Hartley Rebel bin ich selber leider nicht gesegelt, da ich entweder im Multihull unterwegs war oder das Segeln windbedingt ausfiel. Trotzdem meine ich, sagen zu können, dass der Rebel die positive Überraschung dieser Skiff Trials war.

Racks statt Wings

Er sieht aus wie ein kleiner 18-Footer. Er hat keine Wings, sondern Racks, jedoch ist die Lücke mit Netz bespannt. Der Ausbau ist recht simpel und einfach, funktioniert aber. Die Mastkrümmung ist auf dem Wasser verstellbar, also hat man Reaktionsmöglichkeit auf veränderte Windbedingungen. Auffällig sind das große Rigg und der sehr großer Gennaker. Dieses Skiff ist aus meiner Sicht für Frauencrews anspruchsvoll und sehr herausfordernd. Der Rebel war immer schnell unterwegs!

Der 29erXX besteht aus dem Rumpf des Jugendbootes 29er mit einem vergrößerten Rigg. Im Vergleich mit den anderen Skiffs hat der 29erXX in meinen Augen keine gute Figur gemacht. Ich finde den Rumpf zu klein und er hat mir zu wenig Auftrieb. Die Schotlasten sind groß und das Schiff verhältnismäßig langsam.

Mir haben die anderen Skiffs deutlich mehr Spaß gemacht! Der 29er (ohne XX) ist ein tolles Jugendboot. Man sollte meiner Meinung nach nicht versuchen, mit einem anderen Rigg eine olympische Klasse daraus zu machen, denn dafür gibt es deutlich interessantere, schönere und schnellere Optionen.

Fokus liegt auf Bootshandling

Beide neuen Disziplinen zeigen meiner Meinung nach klar an, wohin die Reise im Segelsport nun schon seit längerem geht. Es handelt sich um eine moderne Form des Regattasegelns mit schnellen, kurzen Rennen und einem Fokus auf Bootshandling, Manövern und schnellen Entscheidungen. Im Gegensatz zu einer klassischen Jolle wie dem 470er sind es kurzweiligere, dynamischere Rennen mit weniger Zeit zum Nachdenken. Alles geht Schlag auf Schlag!

Die Entscheidung liegt beim Council der ISAF. Als Segler hatten wir die tolle Gelegenheit die Boote zu testen und aus seglerischer Sicht zu bewerten. An der Entscheidung wirken wir nicht direkt mit. Unser in Santander abgegebenes Feedback stellt die Grundlage für eine Empfehlung des Evaluation Panels dar. Die Wahl der beiden neuen olympischen Bootstypen liegt in den Händen des Councils, der frühestens im Mai abstimmt.

Mit diesem Bericht versuche ich zumindest einen kleinen Teil meiner persönlichen Eindrücke mit allen anderen Seglern zu teilen, ohne Gewähr auf Vollständigkeit oder Vorwegnahme einer Entscheidung. Es handelt sich nur um meine persönliche Meinung.

3 Kommentare zu „Test-Fazit Frauen-Skiff Olympia Trials: Meike Schomäker über Kats und Skiffs“

  1. avatar Christian sagt:

    Schöner Bericht aus Santander. Erstaunlich (oder auch nicht), wie ähnlich die Urteile der diversen Test-Segler/innen ausfallen.

    Jetzt können wir gespannt sein, was die ISAF daraus macht. Leider muss man erfahrungsgemäß mit haarsträubenden Überraschungen rechnen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar Berit sagt:

    Was ist den der Unterschied zwischen einem Rack und einem Wing bei den Skiffs.?

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    • avatar Christian sagt:

      Wing ist ein seitlicher “Festflügel” wie beim 49er. Entweder ausziehbar (49er vor 2010) oder gesteckt/ verschraubt (49er seit 2010)

      Rack ist ein Gestell, wie beim Mustoskiff. Der Zwischenraum zwischen äußerer Stange und Rumpf ist entweder leer (wie bei Aura) oder mit einem Netz bespannt (Rebel oder 18-Footer).

      Beides hat spezifische Vor- und Nachteile, wie Meike ja schon schreibt. Kein System ist eindeutig überlegen, sonst hätte sich eines von beiden längst durchgesetzt.

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