TF10 Trimaran: Die Rennyacht der Zukunft – 36 Fuß Onedesign-Foiler aus Holland

Schickes Trailerboot

Foiler mögen vom normalen Segler noch weit entfernt sein. Aber der TF10 Trimaran rückt ziemlich nahe ran. Die Zielgruppe definiert sich nicht durch besonderes Können sondern das nötige Kleingeld – wie üblich.

TF10 Trimaran

TF10 bei Tests in Barcelona. © DNA

Könnte das die Ablösung der Standard-Racer-Kielyacht sein, auf der die Crew am Relingsdraht hängend die Kreuzkurse abreitet? Der Trimaran TF10 ist bei den Foiler-Spezialisten von Holland Composites / DNA entstanden und gilt als Spinoff vom eingekauften Gunboat-Know How – dem fliegenden Katamaran, der durch seine Kenterung traurige Berühmtheit erlangt hat.

Der 36 Fuß-Trimaran ist als strikte Einheitsklasse konzipiert, und soll Owner Driver ansprechen, die mit drei bis vier Freunden schnelle Wettfahrten absolvieren wollen. Die Initiative kommt aus den USA. Dorthin wurden die ersten Boote geliefert, und dort hat sich auch die Klassenvereinigung gebildet. Fünf Freunde aus Newport, RI stellen sicher, dass das Rahmen-Regelwerk erfüllt wird. 2019 soll eine Rennserie in Florida stattfinden, möglicherweise aber auch in Europa.

TF10 Trimaran

TF10 Trimaran in Holland. © DNA

Wie viele Eigner es schon gibt, wird genauso wenig kommuniziert wie die Höhe des Preises. Aber das ist eine übliche Unart, wenn die Erwerbskosten nicht als besonderes Verkaufsaurgument gelten. In der Szene wird über eine Zahl von 800.000 Euro  spekuliert. Besonders die elektronisch geregelte Rake-Kontrolle der Tragflächen dürfte ihren Preis haben. Der Anstellwinkel der Foils kann per Knopfdruck vom Cockpit aus verändert werden.

Die Designer Morrelli & Melvin, die seit der Entwicklung des AC72 für Team New Zealand zu den Foiler Pionieren gehören, bauen insbesondere auf die spezielle Tragflächen-Technik, die bei den A-Cats und den neuen Nacra17 – im wahrsten Sinne des Wortes -zum Tragen kommt.

TF10 Trimaran

Die Z-Foils am Schwert und T-Foils am Ruder. © DNA

Das Luvschwert wird nicht mehr hochgezogen, die Z-Profile verbleiben im Wasser. Das erhöht zwar den Widerstand, vergrößert aber die Stabilität und Kontrolle. Nur die Winkel der Foils im Wasser können hydraulisch variiert werden.

Der Clou ist das geringe Gewicht der Kohlefaser-Konstruktion von nur 1200 Kilogramm. Damit hebt sich die Konstruktion schnell aus dem Wasser, kann sogar mit angeklappten Rümpfen getrailert und auf einer Standard-Slipbahn gewassert werden.

Die Werft ruft nun nach der Foling-Revolution die Foiling Evolution aus. Es ist auch an Langstreckenregatten gedacht. Für diesen Fall sind zwei Schlafplätze sind vorgesehen, um der Crew auch über Nacht Erholung zu ermöglichen. Das Design soll auch eine einfache Verschiffung im 40 Fuß-Container erlauben.

Als maximaler Downwind-Speed werden hohe Werte um die 30 Knoten angegeben, Highspeed sei aber nicht das Ziel dieser Konstruktion, sondern ein hoher Durchschnitt, heißt es bei der Werft.

TF10 Trimaran

Tests früh im Jahr auf dem kalten Markermeer vor Lelystad. © DNA

Die Konstrukteure bei DNA scheinen davon überzeugt, dass sie die Herausforderung des sicheren Foilens gemeistert haben. Es sollen nicht mehr allein Spezialisten in der Lage sein, den Flumodus zu beherrschen. Die Kontrollsysteme sind verlässlich. Und so legten sie schon früh im Jahr in Lelystad ab zu neuen Tests auf dem Markermeer.

Ein Reputationsboost könnte für DNA auch aus der niederländischen America’s Cup Kampagne entstehen. Die Technologieschmiede ist schließlich im Windschatten des San Francisco Cups entstanden, als Multihulls auf Foils Einzug hielten. Das DNA-Know How speist sich aus den in der Cup-Welt gewonnenen Erfahrungen.

TF10 Trimaran

Kleine Schlupfkajüte für den Langstreckeneinsatz. © DNA

 TF10 Datenblatt

TF10 Website

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „TF10 Trimaran: Die Rennyacht der Zukunft – 36 Fuß Onedesign-Foiler aus Holland“

  1. avatar Christof Becker sagt:

    Was macht es für einen Unterschied, wenn man als Surfer/Kiter im Wasser liegend von einer Motoryacht mit 20 Kn
    oder einem anderen Raser auf Foils verletzt wird? Wir haben vom Unglück vor Neustadt mit einem verletzten Surfer lernen können, dass die Ausguckmöglichkeiten vom Steuerstand ein Problem gewesen sein könnten. Was sehen wir nun: Hinter einem Genaker eines mit über 20 Knoten herumflitzenden Foil-Bootes kann sich viel verbergen. Wohin geht die Reise in Bezug auf Sicherheit Dritter?

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