The Ocean Race 2021: Verschiebung rückt immer näher – Zeit für IMOCA-Neubau abgelaufen

Auf der Kippe

Zwar soll das Ocean Race erst im Herbst 2021 starten, aber trotzdem deutet nun immer mehr darauf hin, dass dieser Termin nicht gehalten werden kann.

Johan Salén, der neue Miteigentümer von The Ocean Race (ex VOR) hat in einem Interview mit den Newletter-Betreibern von Tip & Shaft die aktuellen Schwierigkeiten der Etappenregatta um die Welt dargestellt. Dabei stellt er die Verschiebung des Regatta-Starts um ein Jahr auf 2022 in Aussicht.

Johan Salén, Miteigentümer des Ocean Races. © Ainhoa Sanchez / The Ocean Race

Aus Sicht der Organisatoren könne man das Rennen zwar problemlos planmäßig im Herbst 2021 starten lassen, aber viele potenzielle Teams hätten nun auch durch die Corona-Krise große Probleme. Die Sponsoren-Suche sei im Moment nahezu unmöglich.

Die Entscheidung, einen anderen Termin zu suchen, werde in den nächsten Wochen fallen müssen. “Es ist alles noch ein bisschen offen”, sagt der Schwede. “Wenn das Rennen 2021 nicht stattfindet, wäre die wahrscheinlichste Wahl eine Verschiebung um ein Jahr. Wir haben auch über andere Optionen nachgedacht, wie zum Beispiel die Teilung in zwei Hälften. Aber diese Lösung bringt einige Nachteile mit sich.”

Weniger Etappen zum Sparen?

Auch eine Reduktion der neun Etappen sei gefordert worden, um die Logistik für die Teams günstiger zu gestalten. Aber Salén sieht das nicht als Problem. Ohnehin seien es schon zwei Etappen weniger als bei der vergangenen Auflage. Die Etappen und die Internationalität seien das Fundament der Regatta.

Die geplante Route des Ocean Race 2021-22. © ocean race

Bedenklich ist der Status der Teams. Zwanzig hätten sich angemeldet, aber schon jetzt sei klar, dass es einige nicht schaffen werden, die Finanzierung zu sichern. Zwar gebe es ebenso auch interessierte Teams, die noch nicht angemeldet hätten, “aber auch für sie das Timing wegen des Covid-19-Ausbruchs in Bezug auf die Sponsorensuche nicht gut”.

In der 65-Fuß-Onedesign-Klasse gebe es acht Gruppen, die auf einen Start hinarbeiten. Beim vergangenen Rennen waren sieben der verfügbaren acht Boote am Start. Nun sind aber nur zwei dieser Teams zu 100 Prozent finanziert. Das achte Boot (ex Mapfre) ist an eine Gruppe in Polen verkauft worden, die nie wirklich den Ehrgeiz hatte, am Ocean Race teilzunehmen. Es stehe jetzt zum Verkauf.

Wenig Interesse von Vendée-Skippern

In der IMOCA-Klasse sehe es noch schlechter aus. “Ich bin ein wenig überrascht, dass es uns nicht gelungen ist, mehr Schwung in die Sache zu bekommen”, sagt Salén. Besonders von den aktuellen überwiegend französischen Vendée Globe Skippern gebe es wenig Engagement.

Volvo Ocean Race Inport

Die VO65-Flotte beim Inport Race in Göteborg. © Jesus Renedo / Volvo Ocean Race

“Ansonsten haben wir aus vielen Ländern Interessensbekundungen von Teams, die heute nicht in der IMOCA-Klasse segeln: Frankreich, Italien, Holland, China, Spanien, Neuseeland, Vereinigte Staaten, England und Deutschland. Das sind alles Projekte, die sich zwar noch um eine Finanzierung bemühen, aber entschlossen sind, an die Startlinie zu kommen.”

Wegen der Corona-Krise sei nun allerdings schon die Zeit abgelaufen, wenn man für den Start 2021 ein neues Boot bauen wolle. Man müsse gebrauchte Boote nutzen. Experten gehen aber davon aus, dass man für den IMOCA-Sieg beim Ocean Race nicht mit einem für die Vendée Globe spezialisierten 60 Fußer in Frage kommt. Die Route bedarf ein mehr für Kreuz- und Leichtwindkurse optimiertes Design, das eben auch eine Crew von fünf Seglern aufnehmen kann.

Das Ocean Race hatte nach der spannenden Auflage 2017-18 schon vor der Corona-Krise Probleme, auf Kurs zu bleiben. Längst stand es auf der Kippe. Der Ausstieg von Volvo schmerzte, das Konzept mit zwei Bootsklassen deutete auf ein Verzetteln hin, nachdem sich selbst ein Altmeister wie Bouwe Bekking mit der IMOCA-Klasse wenig anfangen kann. Nun kommt auch noch die Virus-Krise dazu.

Die Zukunft des Rennens sieht alles andere als rosig aus. Und das ist umso ärgerlicher, weil mit dem Offshore Team Germany und Boris Herrmann erstmals gleich zwei deutsche Initiativen in den Startlöchern stehen.

Registrierten Teams für das Ocean Race

VO65 Klasse:
W Ocean Racing (NED)
NZ Ocean Racing 22 (NZL)
Ocean Racing (AUT)
Sailing Poland (POL)
Swedish Team (SWE)
Team Baltic (LIT)
Mirpuri Foundation Racing Team (POR)
Team Mexico (MEX)

IMOCA:
Offshore Team Germany (GER)
11th Hour Racing Team (USA)
Spanish Team (ESP)
TR Racing (FRA)
Paul Meilhat (FRA)
Team Malizia Ocean Challenge (GER)
French Campaign (FRA)
Tigress Racing (GBR)
China Sports (CHN)
Asian Team

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

4 Kommentare zu „The Ocean Race 2021: Verschiebung rückt immer näher – Zeit für IMOCA-Neubau abgelaufen“

  1. avatar Pet sagt:

    Nichts genaues wissen – einfach einen Artikel übersetzen und los gehts – eine Prise eigene Ideen – und schon hat man einen günstigen “eigenen” Artikel. Ich glaube die BILD arbeitet genauso. Wie wäre es wenn ihr mal zur Abwechslung persönlich in Alicante anruft und ein Interview führt um aktuelle und Infos aus 1. Hand zu haben?

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  2. avatar Pat sagt:

    Nichts genaues wissen – einfach einen Artikel übersetzen und los gehts – eine Prise eigene Ideen – und schon hat man einen günstigen “eigenen” Artikel. Ich glaube die BILD arbeitet genauso. Wie wäre es wenn ihr mal zur Abwechslung persönlich in Alicante anruft und ein Interview führt um aktuelle und Infos aus 1. Hand zu haben?

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