The Ocean Race: Österreicher kaufen Volvo-Racer “Vestas” – Liga-Segler um die Welt?

Königsklasse und Kojencharter

Das österreichische Syndikat „The Austrian Ocean Race Project“ hat eine VO65 gekauft. Sie segelte unter den Namen “Alvimedica” und „Vestas“ zweimal beim Volvo Ocean Race um die Welt und soll 2021 unter der rotweißen Flagge an den Start gehen.

Die neue Auflage des Ocean Races, das im Herbst 2021 in Alicante startet, wird mit zwei Klassen ausgesegelt. Um den Hauptpreis sollen fünfköpfige Crews auf fliegenden 60 Fuß IMOCAs kämpfen, aber auch die VO65 Racer, die nun schon zweimal im Onedesign-Modus um die Welt segelten, werden wieder losgelassen.

Bei ihnen soll allerdings der Fokus auf der Jugend liegen. Johan Salén, der neue Eigentümer des Ocean Races, ist überzeugt: „Hier werden die Stars von morgen geboren.“ Ob das wirklich klappen könnte, war nicht klar. Aber nun gibt es schon einige Initiativen, die in diese Richtung gehen.

Die ex “Alvimedica” (2015) und ex “Vestas 11th Hour” (2018) segelt jetzt für Österreich. © VOR

Bei der jüngsten offiziellen Ankündigung wurden zwei Jugend-Teams avisiert. Die Mirpuri Stiftung, die beim vergangenen Rennen hinter dem Team Turn the Tide on Plastic stand, will erneut ein Team um die Welt segeln lassen und möglicherweise auch mit einem IMOCA an den Start gehen. Außerdem stellt die junge Neuseeländerin Bianca Cook, die auf Turn the Tide segelte, zusammen mit dem erfahrenen Tony Rae ein Kiwi-Team für ein VO65-Projekt auf die Beine. Außerdem geben die Polen Gas und haben “Mapfre” gekauft.

VO65 Unglücksyacht

Nun haben auch die Österreicher bekannt gegeben, im Besitz eines VO65 zu sein. Es stand zweimal beim Volvo Ocean Race unter dem Kommando von US Skipper Charlie Enright. Als “Alvmidica” wurde es 2015 Fünfter. 2018 ging es als “Vestas” an den Start.

Diese Regatta war für die Crew von einem Unglück geprägt, das sich am 19. Januar 2018 kurz vor dem Ende der 4. Etappe von Melbourne nach Hongkong ereignete. “Vestas” kollidierte auf Platz zwei liegend mit einem chinesischen Fischereifahrzeug. Ein Fischer wurde dabei getötet und der VO65 so schwer beschädigt, dass insgesamt vier von elf Etappen nicht in die Wertung kamen. Mit den Plätzen 2/1 auf den letzten beiden Etappen gelang dem Team ein versöhnlicher Abschluss und insgesamt erneut Platz fünf.

Nun wird die Yacht in Lissabon auf den neuesten Stand gebracht. Ende August soll sie unter Führung der beiden Projektmanager Julian Kircher und Konstantin Kobale in die Obere Adria überführt werden. Sie gehen in der österreichischen Bundesliga für den Union Yacht Club Wörthersee an den Start und haben zwei weitere Segler ihrer Crew beim Offshore-Projekt involviert. Aber auch Christian Kargl ist mit dabei, der 2005 als erster Österreicher das Mini Transat bestritt und für 2021 eine weitere Teilnahme vorbereitet.

Ziel Barcolana

„Am 23. August absolvieren wir die letzten Tests. Und wenn alles passt, werden am nächsten Tag die Segel mit Kurs auf Oberitalien gesetzt“, sagt Konstantin Kobale. „Unser Ziel ist es, Österreich erfolgreich bei den Königsklassen des Hochseeregattasegelns zu vertreten“, ergänzt Julian Kircher.

Ziel ist die Barcolana (Triest, 11.–13. 10.), die größte Segelregatta der Welt. Es folgt das Rolex Middle Sea Race (19.–26. 10.). 2020 sollen zahlreiche Regatten (u.a. in der Karibik) folgen. „Wir werden in limitierter Zahl auch Kojencharter anbieten – für alle, die selbst einmal Regattaluft auf einer VO65 schnuppern oder bei einem Überführungstörn mit dabei sein möchten“, so Julian Kircher.

„The Austrian Ocean Race Project“ wird von Blue-2 The Sailing Academy und Candidate Sailing gesponsert. Während Blue2 unter anderem mit The Racing Academy professionelle Regattasegelausbildungen im Programm hat, fördert Candidate Sailing gezielt junge Nachwuchstalente, den österreichischen Olympiakader, sowie das Lago26 Projekt – den fliegenden Jollenkreuzer.

Candidate Sailing unterstützt auch Olympiasegler

„Julian und Konstantin sind ein hervorragendes Segler-Duo, das alles gibt – als Profisportler auf dem Wasser ebenso wie als Projektmanager von The Austrian Ocean Race Project“, sagt Michael Menard, Geschäftsführer von Blue-2 The Sailing Academy.

Für Dieter Schneider, Chef von Candidate Sailing, ist The Austrian Ocean Race Project nun das nächste große Projekt nach dem Red Bull Youth America´s Cup, das mit seiner Unterstützung auf dem internationalen Parkett kräftig mitmischen soll. Er ist einer größten Segelsport-Förderer im deutschsprachigen Raum.

Ob tatsächlich schon das nächsten The Ocean Race 2021/2022 auf dem Programm stehen kann Fall sein kann, wird von allen Seiten weder dementiert noch bestätigt. Wie das The Ocean Race-Reglement aber vorsieht, wird die nun österreichische VO65 aber sicher an der Hochseeregatta teilnehmen – entweder unter österreichischer Flagge oder als „Leihgabe“ für die Dauer der Regatta an ein anderes Konsortium.

Der neue Name ist noch nicht bekannt. Er soll bei der Taufe am 11. Oktober im Rahmen der Barcolana bekannt gegeben werden.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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