The Ocean Race: Österreicher starten im Europa-Rennen – Altersdurchschnitt 24 Jahre

Erstes Kräftemessen

Im August 2019 überraschte eine österreichische Initiative mit dem Kauf eines VO65 Ocean Racers. Nun geht das junge Team tatsächlich an den Start der Vorregatta von The Ocean Race – gegen stärkste Konkurrenz.

49er-Seglerin Anna Luschan (r.) in Aktion. © The Austrian Ocean Race Project / Stefan Leitner

Über das Wochenende starten vier VO65 Onedesign Racer ihren Prolog zum Ocean Race Europe. Die Nordflotte will sich damit auf das Ocean Race Europe vorbereiten, das am 28. Mai vor Lorient beginnt und sieben der acht gebauten Einheitsyachten auf den Kurs ins Mittelmeer schickt. Neben den VO65 gehen dann parallel auch fünf IMOCAs segeln, darunter das Offshore Team Germany.

Die ehemalige “Alvimedica” und „Vestas“ segelt jetzt für Österreich. © The Austrian Ocean Race Project / Eike Schurr

In der VO65 Flotte, mit der die vergangenen beiden Volvo Ocean Races bestritten wurden, ist erstmals eine österreichische Yacht am Start. Das Austrian Race Projekt kaufte im August 2019 die ehemalige “Vestas” segelte damit schon bis in die Karibik und – unter Schwierigkeiten – wieder zurück. Nun beginnt in Klaipeda/Litauen der erste gemeinsame Test auf dem Weg von der Ostsee nach Lorient.

Ein Team um die Brüder Konstantin und Oliver Kobale, Julian Kircher und den Niederländer Gerwin Jansen hat sich mit dem Kauf des Monohulls einen Startplatz bei The Ocean Race gesichert, dem härtesten Crewrennen um die Welt. Es war unter anderem wegen der problematischen wirtschaftlichen Lage und schließlich wegen der Pandemie von 2021 auf 22 verschoben worden.

Bouwe Bekking siegt für Polen

Zum ersten ernsthaften Test beim Europe Race sagt Konstantin Kobale, Geschäftsführer des Österreichischen Teams: „Wir haben uns in der vergangen Regatta-Saison mit einigen der anderen Teams gematched. Da war es immer sehr knapp.“ Allerdings ist das Leistungsvermögen der sieben verschiedenen Crews sehr unterschiedlich einzuschätzen. Und die Österreicher gelten nicht gerade als Favoriten.

Das junge Austria-Team (v.l.):
Francesca Bergamo
Michiel Goegeboer
Lara Poljzak
Oliver Kobale
Gerwin Jansen (Skipper)
Konstantin Kobale (Geschäftsführer)
Catherine Hunt
Jolbert van Dijk
Anna Luschan
Daniel Gaw
Annika Möslein
Santiago Alegre © The Austrian Ocean Race Project / Stefan Leitner

Dafür sind einige der gegnerischen Teams zu stark aufgestellt auch wenn der offizielle Ocean Race Sieg diesmal in der IMOCA-Klasse ausgesegelt wird. Volvo Ocean Race Veteran Bouwe Bekking etwa führt nun das Zepter bei Sailing Poland und hat prompt den ersten Prolog-Abschnitt gewonnen. Die Entwicklung scheint gut voran zu gehen. Noch im Oktober hatte die ex Mapfre unter der neuen Führung mit einem erstaunlichen Crash für Aufsehen gesorgt.

Ergebnisse:
#1 Sailing Poland (POL) 15:51:03
#2 Ambersail 2 (LIT) 15:53:20
#3 Team Childhood (NED) 1 15:56:03
#4 The Austrian Ocean Race Project (AUT) 16:00:45

Favorisiert ist das Mirpuri unter dem französischen Star-Skipper Yoann Richomme, das sich schon seit einiger Zeit akribisch auf The Ocean Race vorbereitet. Mit dem niederländischen AkzoNobel Team unter der Leitung des australischen Skippers Chris Nicholson ist nun eine weitere Crew dazu gekommen, der ein Sieg zugetraut werden kann.

Pro Etappe zwei Frauen an Bord

Für das Team um die vier Eigentümer der “Sisi” geht es mehr darum, eine stabile Struktur im österreichischen Hochseesegeln aufzubauen. Bei der European Tour wird das Team unter der Führung des erfahrenen niederländischen Skipper Gerwin Jansen mit einer sehr jungen, diversen und internationalen Crew antreten. Das Durchschnittsalter liegt bei ca. 24 Jahren. Bei jeder Etappe sind auch mindestens zwei weibliche Segler an Bord. Skipper Jansen sagt zu den Zielen der Europa-Regatta: “Danach wollen wir erste Segler für das große Ocean Race 2022 in den engeren Kandidatenpool aufnehmen. Wir haben die Chance, unsere Fähigkeiten und Kenntnisse auszubauen und das Boot unter wochenlanger Belastung noch besser kennen zu lernen”.

Der Holländer Gerwin Jansen ist eine der Schlüsselfiguren des Teams. © The Austrian Ocean Race Project / Stefan Leitner

Der Prolog ist in Klaipeda (Litauen) gestartet und führt unter anderem über Danzig (Polen) und Stockholm (Schweden) nach Göteborg (Schweden). In den jeweiligen Stop-Over-Häfen werden tageweise Pro-Am-Races stattfinden, die es Gästen und Sponsoren ermöglichen, das Renngeschehen hautnah auf den Yachten miterleben zu können. Danach wird das Boot über Den Haag (Niederlande) nach Lorient (Frankreich) überstellt, wo ab Juni der Hauptteil des European Race folgt.

Trimmen an Bord von “Sisi” © The Austrian Ocean Race Project / Stefan Leitner

Von Frankreich führt die Route dann nach Cascais (Portugal). In Cascais werden die Yachten an der Mirpuri Foundation Sailing Trophy teilnehmen, bevor der nächste Offshore-Leg nach Alicante (Spanien) folgt. Zum Abschluss geht es nach Genua (Italien), dem Zielhafen der European Tour.

© The Austrian Ocean Race Project / Stefan Leitner

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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