Transat Jacques Vabre IMOCA: Simon Fisher erklärt den Mastbruch – Apivia nur noch Dritter

"Harter Nosedive"

Bei der Transat Jacques Vabre hat sich ein Führungswechsel ergeben. Erstmals liegt LinkedOut vor Apivia. 11th Hour Skipper Simon Fisher berichtet, wie der Mast gebrochen ist.

Ein bitter enttäuschter Simon Fisher und die Schweizer Co-Skipperin Justine Mettraux verbrachten die vergangene Nacht nicht auf See, sondern in einem Hotel in A Coruña. Das war anders geplant, aber am Mittwoch mussten sie mit ihrer 11th Hour-Racing-IMOCA “Alaka’i” die 5.800 Seemeilen lange Transat Jacques Vabre von Le Havre nach Martinique aufgeben.

Die Reste des Riggs von 11th Hour beim Sonnenaufgang vor A Corunha. © Simon Fisher / 11th Hour Racing

Der 43-jährige Fisher, fünfmaliger Volvo Ocean Race Teilnehmer und Sieger 2014/15 als Navigator, beschreibt den Moment, als der Mast nach einem “harten Nosedive” – einem “Stecker”, bei dem der Bug in ein Wellental sticht und das Schiff stark abbremst – ins Wasser fiel:

“Ich hörte einen lauten Knall und es war offensichtlich, was passierte. Der Mast war über den vorderen Teil des Bootes gekippt und dadurch trieb das Boot über die Spitze des Riggs. Es war ein langer Kampf, das Rigg wieder an Bord zu bekommen. Wir wollten so viel wie möglich vom Mast, den Segeln und der Takelage retten.

Land in Sicht. © Simon Fisher / 11th Hour Racing

Da aber alles unter das Boot trieb, war es fast unmöglich. Wir arbeiteten hart, das Boot zu drehen. Aber dann begann das ganze Rigg ziemlich schnell zu sinken. Wir schafften es nicht, zu zweit den Mast wieder an Deck zu bringen. Dabei riskierten wir auch weitere Schäden am Rumpf und den Foils. Wir mussten die schwierige Entscheidung treffen, alles abzuschneiden. Wir haben so viel gerettet, wie wir konnten und den Schaden am Boot hoffentlich minimiert.”

Die Landcrew des 11th Hour Racing Teams reiste über Nacht vom französischen Stützpunkt des Teams in Port-La-Forêt nach A Corunha, um die Havaristen in Empfang zu nehmen.

“Dies ist natürlich eine große Enttäuschung für die Segler und das gesamte Team”, sagte Teamchef Mark Towill. “Aber das Wichtigste ist, dass Simon und Justine sicher an Land sind. Wir nehmen eine umfassende Bewertung des Schadens vor und arbeiten an einem Plan, um das Boot sicher nach Frankreich zurückzubringen.”

Damian Foxall, Leiter des Nachhaltigkeitsprogramms beim 11th Hour Racing Team und 10-facher Weltumsegler, kommentierte den Verlust der Ausrüstung über Bord. “Simon und Justine sind zwei der besten Hochseesegler, und wir sind davon überzeugt, dass sie zu diesem Zeitpunkt die richtige Entscheidung für das Boot und sich selbst getroffen haben. Es ist natürlich das Beste für die Umwelt, wenn nichts über Bord geht. Wir werden die Umweltaspekte als Teil unseres Fußabdrucks in der Kampagne berücksichtigen.”

Führungswechsel

Derweil geht das Rennen der IMOCA in großer Intensität weiter. Dabei ist es an der Spitze zu einem überraschenden Führungswechsel gekommen. Zum ersten Mal seit dem Start führt Apivia die IMOCA-Flotte nicht an. LinkedOut wurde um 07:00 Uhr am Morgen erstmalig von Charlie Dalin und Paul Meilhat geführt. Und inzwischen ist auch Charal vorbeigezogen. Apivias Ost-Schlenker hat viele Meilen gekostet.

IMOCA Führungsgruppe um 12 Uhr. LinkedOut und Charal sind an Apivia (gelb) vorbeigezogen.

Sam Davies musste Charal ziehen lassen, hält auf Rang vier aber immer noch bestens mit in der Führungsgruppe vermeldet am Morgen über Funk, dass der Wind zwischen 10 und 25 Knoten Stärke schwankt und dabei oft die Segel gewechselt werden müssen.

Sam Davies in voller Fahrt. © Davies

Thomas Ruyant und Morgan Lagravière geben bei diesen Bedingungen Vollgas und sind aktuell immer noch schneller als Apivia. Sie müssen aber auch nach hinten sehen. Charlie Enright und Pascal Bidégorry fahren ihren neuen 11th Hour Boliden voll aus und segeln aktuell sechs bis acht Knoten schneller als die Spitze.

Vor einem Tag waren sie noch Seite an Seite mit Arkea Paprec positioniert, nun liegen sie gut 30 Meilen voraus. Zur Spitze fehlen bei der Ansteuerung von Madeira aber noch mehr als 60 Meilen.

Thomas Ruyant in voller Fahrt. © J.M. Liot / LinkedOut

Erstaunlich schwierig gestaltet sich nach wie vor das Rennen für die Deutsch-Französin Isabelle Joschke. Während sie zu Beginn noch in den Top Ten auf Augenhöhe mit Sam Davies segelte, parkte sie mit Fabien Delahaye in zahlreichen Flautenlöchern. An der Nordwestspitze von Frankreich schoben sich sogar die Class40 vorbei und MACSF fiel auf den vorletzten Platz zurück. Bei stärkerem Wind konnte sie inzwischen die Class40-Spitze um acht Meilen distanzieren, aber der Rückstand zu den besten IMOCA ist auf 340 Meilen gewachsen.

Transat Jacques Vabre Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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