Top drei im 49erFX und Nacra 17 nach starkem Leichtwindtag in Japan

Lutz und Beucke greifen nach Edelmetall

Tina Lutz und Susann Beucke stehen dicht vor der Erfüllung ihres Olympia-Traums. Die 49erFX-Frauen gehen als Gesamtdritte mit ausgezeichneten Medaillenchancen ins Finale und könnten sogar Gold holen. Erik Heil und Thomas Plößel müssen sich dagegen im 49er noch strecken. Kohlhoff/Stuhlemmer behaupten Nacra-17-Podium.

Den Blick voraus voller Vorfreude auf das olympische Medal Race: Tina Lutz und Susann Beucke im 49erFX greifen nach Edelmetall. © Sailing Energy / World Sailing

Mittags um 12 Uhr Ortszeit in Japan war noch nicht dran zu denken, dass dies ein großer Segeltag vor allem für die deutsche Mannschaft in Enoshima werden sollte. Das Olympiarevier, die Sagami-Bucht, ein Ententeich. Geduldig warteten Tina Lutz und Susann Beucke bei brütender Hitze von erneut 30 Grad auf dem Hafenvorfeld auf die vorhergesagte Seebrise. Als diese aus Westsüdwest endlich einsetzte, war das Team wieder top fokussiert. Ohne allzu großes Risiko an der Linie starteten die beiden die drei Leichtwindrennen.

Trimmen hieß wie am Vortag erneut anhocken am Wind, weil bei rund sieben Knoten Brise gar nicht genug Druck vorhanden war, um sich voll rauszuhängen. Vor dem Wind saßen viele Vorschoterinnen im Boot am Mast, damit die Steuerfrau sich aus dem gestreckten Trapez aufs Steuern konzentrieren konnte. Auch das Zusammenspiel der Steuerfrau vom Chiemsee und ihrer Crew aus der Strander Bucht war eine Augenweide. Der Speed stimmte, die Taktik ging auf. Mit den Einzelplätzen sieben und zweimal drei machte das Duo als Tagesbeste vor dem Finale den erhofften Sprung nach vorn. „Nach 20 Punkten Rückstand auf die Medaillenrängen haben wir uns eine Medaillenchance erarbeitet“, sagt Tina Lutz, „das macht uns sehr glücklich!“

Die deutschen Farben weit vorne. Es könnte am Montag im 49erFX die erste Segelmedaille der Frauen seit Amelie Lux 2000 in Sydney geben, die “Silber” im Surfen gewann. © Sailing Energy / World Sailing

Während die in der ersten Regattahälfte bei frischeren Winden klar überlegenen Charlotte Dobson und Saskia Tidey aus Großbritannien erneut patzten und elf Punkte zurück nur noch Fünfte sind, übernahmen die Brasilianerinnen Martine Grael und Kahena Kunze mit 70 Punkten die Gesamtführung. Annemiek Bekkering und Annette Duetz (Niederlande) blieben ihnen aber trotz eines Streichers zum Abschluss der zwölf Rennen einen Zähler zurück auf den Fersen. Lutz/Beucke stehen bei 73. Die Vorschoterin zurück an Land: „Wir mussten heute noch einmal sehr aggressiv rangehen und alles gegeben, weil wir ein bisschen zu konservativ in die Regatta gestartet waren.“

Da jeder Platz im Medal Race doppelt zählt und bei Punktgleichheit der Finalrang den Ausschlag gibt, ist sogar die Goldmedaille möglich. Deutschland vor Holland und Brasilien zum Beispiel wäre so eine Konstellation – wenn nicht gerade am Ende des Felds. Denn Tamara Echegoyen und Paula Barcelo aus Spanien liegen als Vierte nur fünf Punkte entsprechend drei Finalplätzen hinter der DSV-Crew. „Es muss sich jeder auf seine eigene Wettfahrt konzentrieren. Die Punkte sind zu eng, als dass sich da jemand eine Attacke leisten könnte“, glauben Lutz und Beucke, die am Sonnabend eine härtere Gangart der Konkurrenz erwartet hatten, weil es für einige um alles oder nichts ging.

Für die Skiffmänner Erik Heil und Thomas Plößel muss dagegen am Montag schon mehr zusammenlaufen, wenn sie nach Rio de Janeiro vor fünf Jahren (Bronze) wieder eine Medaille nach Hause bringen wollen. Als Vierte (66 Punkte) beträgt ihr Rückstand auf das Podium zehn Punkte. Dort müssen Peter Burling und Blair Tuke (Neuseeland/52) jedoch gleich zwei Verfolger in Schach halten. Die Briten Dylan Fletcher/Stuart Bithell haben genau wie Diego Botin und Iago Lopez aus Spanien 56 auf dem Konto. „Das wird richtig eng übermorgen“, prophezeit Plößel, „es gehört auch eine Menge Glück dazu. Wir können Erster, aber auch Sechster werden.“ Denn auch die Dänen Jonas Warrer und Jakob Jensen haben Edelmetall noch nicht abgeschrieben. Mit ebenfalls 66 Zählern sind sie Fünfte.

Hier kein Sparring wie sonst, sonst Kampf um jeden Meter: Heil/Plößel und Botin/Lopez, die mit besseren Chancen ins Medal Race gehen. © Sailing Energy / World Sailing

Eine bessere Ausgangsposition verpassten Heil und Plößel im elften und vorletzten Rennen. Neben sauberen Starts vorher und nachher, die zum zweiten und fünften Platz führten, ging einer in die Hose. 16 Sekunden oder 18 Meter zu spät waren sie laut Rennanalyse vom GPS-Tracker beim Startsignal noch von der Linie entfernt. Der Vorschoter erklärt die Situation: „Wir sind vor dem Start noch eine Halse in einem taktischen Startlinien-Battle mit dem japanischen Team gefahren. Durch den starken Luvstrom brauchten wir dann ewig zur Linie. Auf der zweiten Kreuz hätten wir mehr riskieren und auch nach links rausfahren müssen. Das war sehr ärgerlich.“ Sie kamen nämlich immerhin noch als Neunte an der ersten Luvtonne an, verloren jedoch auf der zweiten Runde und wurden nur 14.

Dass Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer auch bei Leichtwind richtig schnell unterwegs sind, bewiesen die Schleswig-Holsteiner an ihrem dritten Wettfahrttag. Ein Start direkt am Startschiff zum Auftakt, als erste gewendet, rechts raus und taktisch sauber, Rang drei war der verdiente Lohn. Noch besser kamen der Sportsoldat und seine Kameradin anschließend aus der Mitte über die Bahn und wurde Zweite. „Wir haben über Winter daran gearbeitet, dass es Lieblingsbedingungen für uns nicht mehr so richtig gibt“, so Stuhlemmer, „aber natürlich macht es mehr Spaß, wenn doch ein bisschen mehr Wind ist und das Boot schneller fährt.“ So richtig ins Foilen kamen die Kats nur im zweiten und dritten Tagesrennen.

Jeder Meter zählt, wenn die fliegenden Nacra 17 auf die Ziellinie zukommen. 2021.
© Sailing Energy / World Sailing

Ein bisschen zu spät entschied sich der 26-jährige Steuermann dann am Ende für Mitte links der Startlinie, und nahm zwar mit viel Speed aber hinter den sehr starken Ruggero Tita und Caterina Banti das Rennen auf. Am Ende blieb Platz acht. Das italienische Duo führt das Klassement drei weitere Wettfahrten vor dem Finale mit 18 Punkten vor John Gimbson/Anna Burnett aus Großbritannien (24) an. Kohlhoff/Stuhlemmer haben 32. „Wir machen einfach das weiter, was in den vergangenen Tagen auch schon gut funktioniert hat“, so Kohlhoff, „ich bin zuversichtlich, dass das wird dann am Ende auch ungefähr da landen, wo wir jetzt schon sind.“

Der überragende Niederländer Kiran Badloe feierte den Sieg auf dem RS:X-Board quasi schon vor dem Rennen. Dahinter gab es Dramatik pur: Der Franzose Thomas Goyard gewann „Silber“ trotz einer Frühstartdisqualifikation. Mattia Camboni (Italien) und Piotr Myszka (Polen) waren ebenfalls zu früh über der Linie und verloren „Bronze“ an den Chinesen Kun Bi, der einen Punkt besser als der Medal-Race-Sieger Yoav Cohen aus Israel blieb. Das Surf-Gold der Frauen ging an Yunxio Lu aus China knapp vor der Französin Charline Picon, die im Medal Race direkt am Heck der Britin Emma Wilson blieb und diese so punktgleich auf „Bronze“ verwies.

Gespannt blickt die Regattafangemeinde am Sonntagmorgen ab halb acht deutscher Zeit auf das Medaillenrennen der Laserklasse. Kann Philipp Buhl noch einmal brillieren und das theoretisch erreichbare Treppchen besteigen? Dazu ist der amtierende Weltmeister jedoch auf fremde Hilfe angewiesen. Der Kieler Wetterberater der DSV-Equipe, Meeno Schrader, rechnet auch in den kommenden Tagen ganz überwiegend mit leichten Winden.

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