Tragflächen-Segeln: Nacra17-Klasse befürwortet Umbau zum Olympia Foiler

Flügel-Flitzer

Die Nacra17-Klassenmitglieder haben sich bei einem Online-Voting für die Umrüstung des olympischen Katamarans zum Tragflächen-Boot ausgesprochen. Der Schritt ist nicht gerade günstig.

Der Nacra17-Katamaran ist das Produkt eines mit heißer Nadel gestrickten Evaluations-Programms. Vor vier Jahren schrieb der Weltseglerverband die Anforderungen an eine neue Multihull-Mixed Klasse aus, und die Segler-Tester favorisierten den neu konstruierten Katamaran der französischen Werft.

Nacra 17 Foiling

Die Nacra17 wollen nun auf Tragflächen segeln. © Laurens Morel

Unglücklicherweise befand sich der Segelsport damals erst am Anfang der Foiling-Entwicklung. Erst beim America’s Cup 2013 wurde deutlich, wie viel Revolutions-Potenzial in der neuen Technik liegt.

Zu spät für den kleinen Strandkat. Er wurde nicht mit den L-förmigen Tragflächen ausgerüstet, von denen sich die 72-Fußer in San Francisco über die Wellen heben ließen, sondern bekam Profile verpasst, die wie ein C geformt waren.

Auch diese Schwerter entwickeln Auftrieb, aber die Kräfte waren noch so unkontrolliert zu berechnen, dass die Schwertkästen brachen, wie auch zahlreiche Riggs. Die Werft bekam die Probleme schließlich einigermaßen unter Kontrolle, und die Spitzenteams hatten selbst mit dieser Konfiguration ihre Foiling-Momente.

Nacra 17 Foiler

Die erwarteten Speed-Kurven zweier Versionen im Vergleich zum bisherigen C-Foil

Aber für Tokio 2020 macht alles andere als ein echter Foiler wenig Sinn, wenn sich drumherum die modernen Katamarane auf Tragflächen heben. Dazu kommt der Wunsch des IOC, der in diese Richtung des spektakulären Segelns geht.

Zehn Knoten schneller

Die Designer des Bootes Morelli & Melvin haben daraufhin die Umbau-Möglichkeiten erforscht. Ergebnis ist eine Verschiebung des Schwertkastens nach vorne, ein kürzerer Bugspriet, flacherer Gennaker, zwei T-Foils an den Rudern und zwei Z-Foil für die Hauptschwerter.

Im Unterschied zu den Cuppern, oder GC32 die jeweils das Luvschwert hochziehen, wollen die Nacras auf vier Foils segeln. Das Luvschwert verbleibt im Wasser. Aber auch diese Konfiguration soll vor dem Wind einen VMG- Speed-Zuwachs der ohnehin schon schnellsten Olympia-Klasse von teilweise zehn Knoten bringen. Auch am Wind sollen die Nacra 17 auf die Foils kommen.

Dagegen stehen die hohen Kosten für den Umbau, den nicht alle Nacra17-Segler tragen wollen. Nacra beziffert den Preis für eine Neuanschaffung mit 24,250 Euro, den Austausch alleine der Plattform mit Trampolin und Rümpfen mit 14.500 Euro und das Umbau-Paket für ein bestehendes Boot mit 7900 Euro.

Die Vorschläge bei einem Online-Klassen-Treffen diskutiert. Bei der abschließenden Abstimmung sprach sich schließlich eine Mehrheit von knappen 59 Prozent für den Umbau zum echten Flügel-Flitzer aus. Das Ergebnis wird nun dem Verband World Sailing zugeführt, der es bei der nächsten wichtigen Sitzung in Barcelona diskutiert und möglicherweise umsetzt.

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Carsten Kemmling

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