Tragischer Unfall: Don Nordqvist kenterte mit Trainerboot vor Alicante

Schwedischer Profi-Coach ertrunken

Der schwedische Segel-Coach Don Nordqvist starb nach der Kenterung seines Trainerbootes. © Troels Lykke/minbaad.dks

Der schwedische Segelcoach Don Nordqvist (52) ist am Mittwoch bei einem tragischen Unfall vor dem spanischen Dénia bei Alicante gestorben. Er ertrank, nachdem sein Trainerboot im Sturm gekentert war.

Nordqvist ist seit zwanzig Jahren im Geschäft und gilt als einer der erfolgreichsten schwedischen Trainer in den Olympiaklassen. Er hatte mit der Kollegin Karin Almquist (28) die Bedingungen auf dem Wasser begutachten wollen, um über den Trainingstag einer Gruppe von 21 Jollenseglern des schwedischen Segelgymnasiums in Motala zu entscheiden.

Er stand der Schule sehr nahe, nachdem er die Segelabteilung 1993 selber aufgebaut hatte. Auf der Website sind Bilder vom Training bei Alicante zu sehen. Das Lager fand für Europes, Laser und 29er statt.

Nachdem das Schlauchboot von einer großen Welle umgeworfen worden war, hatte sich die 30-Jährige Trainerin schwimmend ans Ufer retten können. Nordquist schaffte es nicht. Er wurde von Rettungsschwimmern per Helikopter leblos aus dem kalten Wasser geborgen.

Der Tod des Trainers wurde besonders auch in Dänemark bedauert, wo er eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung der Nationalmannschaft auf die kommenden Olympischen Regatten spielen sollte.

Wie sich der Unfall genau ereignete ist noch nicht geklärt. Offenbar ist es dem Schweden nicht gelungen, sich auf das gekenterte Motorboot zu retten. Die Strömung im Gebiet der Südmole von Dénia gilt als besonders tückisch.

In einem Bericht aus Dénia heißt es, dass sich das Umschlagen des Bootes nur 50 Meter vor dem Leuchtturm des Yachthafens La Marina ereignet haben soll. Die Rettungsaktion des Helikopters der Küstenwache sei nur 20 Meter vor der Mole entfernt erfolgt.

Unfälle ereignen sich beim Jollentraining Gott sei Dank sehr selten. Wettsegeln ist ein sehr sicherer Sport. Aber dieses Unglück wie auch der Trainingsunfall der dänischen Match Race Crew im November vergangenen Jahres zeigen, dass die Risiken nicht unterschätzt werden dürfen.

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „Tragischer Unfall: Don Nordqvist kenterte mit Trainerboot vor Alicante“

  1. avatar Karla sagt:

    Vor ein paar Jahren konnten wir bei richtigem Hack auch eine Kenterung eines Schlauchbootes in der Einfahrt von Warnemünde beobachten. Ein Trainer war mit einigen Seglern mal eben um die Ecke gucken gefahren und schlug in einer Welle um. Andere Segler, die auf der Mole standen, benachrichtigten die dort stationierte DGzRS. Die Männer zogen dann die jugendlichen Segler und den Trainer unverletzt aus dem Wasser. Gott sei Dank!

    PS.: Alle anderen waren an Land geblieben und die Regatta war schon wegen des Sturmes abgesagt worden.

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  2. avatar Christian sagt:

    das ist ein tragisches Unglück. Es zeigt, dass auch Segelsport seine Gefahren birgt.

    Sailing Anarchy (nicht die seriöseste Quelle, ich weiß) berichtete, der Trainer habe keine Schwimmweste getragen und Warnungen der Locals wegen der Strömung in der Hafeneinfahrt nicht beachtet.

    In jedem Fall gilt: Safety first!!! Die ISAF ist gefragt, ihr Regelwerk diesbezüglich zu verschärfen. Schwimmwestenzwang muss jederzeit uneingeschränkt gelten, auch für Trainer. Wie oft sieht man Segler, Trainer usw. ohne Schwimmweste. Die sind lebensmüde.

    Seitdem ich mal auf einer Regatta war, bei der ein Segler ohne Schwimmweste und unterbekleidet starb, kann ich die verbreitete Laxheit in Sachen Sicherheit nicht mehr verstehen. Jeder Tote ist einer zu viel.

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    • avatar Christian sagt:

      in der aktuellen Yacht (8/ 2011) ist übrigens ein sehr informativer Beitrag zum Thema Hypothermie , Ertrinken, lebensrettetnde Rettung, usw. erschienen. Wichtigste Erkenntnisse: Bekleidung und Schwimmwestentragen sind an der Wassertemperatur auszurichten, nicht an der Luftttmperatur (wie es allgemein gehandhabt wird). Alles unter 21 Grad gilt als Kaltwasser, das bei unangepasster Kleidung mehr oder minder schnell zum Tode führen kann. Die meiset Tote durch Hypothermie/ Ertrinken gibt es im Nahbereich, nur wenge Meter weg von Hafen bzw. Boot.

      So, jetzt können die, denen das aus welchen Gründen auch immer nicht gefällt, wieder disliken.

      Ich dislike unnötige Todesfälle.

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      • avatar Wilfried sagt:

        Hallo Christian,

        was in diesem Fall die dislike votings sollen kann ich auch nicht nachvollziehen. In userem Klub ist auch vor zwei Jahren ein Segler ertrunken der keine Weste trug und nach der Kenterung seines Bootes ertrunken ist. Trotz mahnender Worte waren dann bei der Clubregtta wieder alle “alten Hasen” ohne Schwimmweste da. Auf meine Ankündigung, dass der Schwimmwestenzwang ernstgenommen wird, gab es Gemurre und eine Abmeldung von der Wettfahrt weil gar keine Westen am Club wären.

        Gruß Wilfried

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        • avatar Christian sagt:

          Moin Wilfried,
          Schwimmwesten sind in Sachen Sicherheitsgewinn vergleichbar mit dem Sicherheitsgurt im Auto. Sie gehören angelegt, basta, jede Diskussion überflüssig. Leider ist ein echter Schwimmwestenzwang bei Regatten nur bei Flagge Y und nur während der Wettfahrten gegeben. Diese ISAF-Regelung ist nicht nachvollziehbar. Der Schwimmwestenzwang sollte universell gelten. Wenn es freiwillig nicht geht, dann halt per ISAF-Regelung mit entsprechenden Ahndungsmöglichkeiten. In allen anderen Bereichen außerhalb der Sicherheit bin ich auch dafür, die Regelungsdichte im Segelsport eher runterzufahren. Aber hier muss sie hochgesetzt werden.

          Wir hatten mal den Fall, dass ein 135kg-Mann in einer entsprechenden Heavy Weight Dinghy Klasse bei strahlendem Sonnenschein sich weigerte, die Schwimmweste zu tragen. Was tun, wenn er einen Hitzschlag hat und ins Wasser fällt? Wie soll man den ohne Schwimmweste abbergen? Er hat es bis zum Schluss nicht eingesehen und wurde immer rotgesichtiger…

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  3. avatar Gone4Speed sagt:

    gibt auch klassen bei denen schwimmwesten ein problem sind… gerade im bereich der skiffs ist es ein umstrittenes thema, was sein pro und contra argumente hat. am ende bleibt es eine abwägungssache jedes einzelnen. obwohl ich das risiko mit der weste unter dem gekenterten boot oder segel eingeklemmt zu werden gut kenne, trage ich das ding trotzdem immer wieder… aber ich kann auch jeden anderen verstehen, der in dem bereich auf die weste verzichtet… problematisch finde ich dabei allerdings die vorbildfunktion für jüngere…

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    • avatar Christian sagt:

      @gone4speed: Meines Wissens tragen lediglich bei den 18-Footern manche Segler keine Schwimmwesten. Ihre nachvollziehbare Begründung: Sie müssen tauchen können, um dem sich gegebenfalls von dem riesigen Gennaker befreien zu könen, wenn sie beim Kentern unter den geraten sind. Dazu muss man allerdings auch wissen, dass die von Skiffseglern fast ausschließlich verwendeten Neoprenanzüge etwas Auftrieb haben.

      In allen anderen Skiffklassen außer 18s werden Schwimmwesten getragen. Der Sicherheitsgewinn überwiegt die Nachteile bei weitem.

      By the way: Trockenanzüge sind nicht sehr sicher. Wenn z.B. eine Manschette reißt und man ins Wasser fällt, hat man ein echtes Problem. Neopren, eventuell mit Unterzeug und Windbreaker kombiniert, ist zusammen mit einer Schwimmweste und einem Messer am Mann (z.B. in der Brusttasche der Schwimmweste) das Nonplusultra. Alle erfahrenen Skiffsegler sind sich darin einig.

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      • avatar Gone4Speed sagt:

        muss ich dich leider enttäuschen, ich kenne persönlich genügend teams im 49er, int14 und mps, die drauf verzichten. Die Begründung ist auch weniger der Geni, als das Großsegel und der Rumpf. Ich erinnere nur an der Vorfall von Tobi Schadewaldt auf Mallorca. Auch wenn der wenig mit einer Schwimmweste und mehr mit vertsrickten Leinen zu tun hatte. Dafür zeigt er aber die Risiken und die Vorteile von mehr oder weniger Bewegungsfreiheit.

        Bei uns an Bord ist es so, dass wir im Gegensatz zu anderen Teams unsere Schwimmwesten oberhalb des Lycras und der Trapezhose tragen um im Falle des Falles die Weste abzustreifen. Ob es allerdings so einfach klappen würde weiß ich nicht. Dafür nehmen wir auch in Kauf, dass wir uns mit den Dingern ständig vertüddeln und in irgendwas hängen bleiben.

        Der Auftrieb eines Neos ist im übrigen ABSOLUT ungenügend. Der Neo verhindert nur, dass du in Ermangelung durchnässter Normalkleidung noch mehr Abtrieb hast. Wie gesagt das Thema lässt sich leider nicht in schwarz und weiß unterteilen und ist leider auch ziemlich komplex.

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        • avatar Christian sagt:

          mit letzterem hast du vollkommen recht. Die Komplexität ist aber kein Grund, das Sicherheitsthema zu missachten. Es ist nicht sexy, aber notwendig. In den letzten zehn Jahren gab es international mindestens zehn Todesfälle im Regattajollen/ -Skiff/ -Katbereich, von denen zumindest einige verhinderbar gewesen wären.

          Unter Großsegel und Rumpf eines 14s oder 49er kommt man auch mit Schwimmweste einwandfrei weg, habe das schon des öfteren selbst ausprobieren müssen. Hier ist das Verhaken die große Gefahr (wie z.B. bei Tobias Schadewaldt) Ein 18-Gennaker ist was anderes, die sind ungleich größer und man kann sich an ihnen nicht an den Rand ziehen, sondern nur wegtauschen.

          Schwimmwesten über allem zu tragen macht Sinn. Die Industrie ist gefordert, Modelle zu entwickeln, die eben nicht zum Vertüdeln führen und die sich so einfach wie möglich ausziehen lassen. Da eine solche Modellentwicklung leider nicht von selbst geschieht, sollte das ISAF-Regelwerk für entsprechende Nachfrage sorgen… Da gilt ähnliches wie bei Quick-Release-Trapezhosen. Ist doch der Hammer, dass im Jahr 2011 noch kein einziger Hersteller ein ausgereiftes Modell anbietet, das wirklich einwandfrei den Haken auslöst.

          Es geht bei allem nicht um Überregulierung, sondern um die Schärfung des Sicherheitsbewusstseins auf allen Ebenen.

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