“Hugo Boss”-Havarie: Kiel abgesägt – Thomson beschreibt den Crash

Unten ohne

Alex Thomson und der Co-Skipper Neal McDonald treiben nach der Kollision immer noch hilflos im Atlantik. Sie haben den Kiel abgeschnitten.

+++ Update:

“Hugo Boss” treibt nach wie vor etwa 380 Meilen westlich der Kanarischen Inseln und bewegt sich auf der Stelle. Inzwischen wurde vom Team hat vermeldet, dass die Versuche, den Kiel zu retten, gescheitert seien. Offenbar hat der bewegliche Schaft mit der Bombe ein großes Risiko für die Struktur des Schiffes dargestellt, da er nun noch am Hydraulikzylinder befestigt war. Bei starker Wellenbewegung hätte eine Leckage am Rumpf drohen können.

Deshalb machten sich Alex und Neal unter Anleitung des Teams an Land daran, den Hydraulikzylinder abzuschneiden, um den Kiel vom Boot zu befreien. Die Sägearbeiten haben vielen Stunden gedauert, aber schließlich waren die Bemühungen erfolgreich. Der Kiel liegt auf dem Meeresgrund.

Die Crew hat nun die Ballasttanks an Bord gefüllt und die Tragflächen zu beiden Seiten maximal ausgefahren, um das Boot so stabil wie möglich zu halten. Der Wind weht immer noch leicht, aber aus der falschen Richtung – von dort, wo sich auf den Kanaren die nächsten Häfen befinden.

Die Situation mag nicht so dramatisch sein, wie es sich auf den ersten Blick anhört. Die meisten Yachten kippen ohne Kiel sofort um. Ein IMOCA kann aber auch ohne Kiel noch relativ stabil segeln. So absolvierte Jean Pierre Dick bei der Vendée Globe 2012 sogar die letzten 2000 Meilen unten ohne. Er war damit nur unwesentlich langsamer als Thomson damals, der ihm aber schließlich den Bronze-Platz abjagte.

Allerdings war das noch vor der Zeit der Foiler. Die damalige Neigekiel-Konfiguration beinhaltete ein seitliches Steckschwert, das auch gegen die Abdrift half. Und die 60-Fußer wiesen eine höhere Formstabilität auf.

Die aktuelle “Hugo Boss” ist mehr noch auf den Einsatz der Tragflächen zugeschnitten und deshalb schmaler. Allzuviele Querkräfte sollten nicht auftreten. Kreuzen dürfte schwierig werden. Es wird viel von der Wetterentwicklung abhängen, welchen Rettungsplan sich das Team überlegt.

+++

Der Crash war für Alex Thomson und Neal McDonald ein Schock. Sie haben viele Stunden versucht, den Kiel zu sichern, und entschieden dann – völlig erschöpft – den Schaden, erst am Morgen weiter zu begutachten. Vom Team heißt es, die Situation sei relativ  stabil und es bestehe für die beiden Segler keine unmittelbare Gefahr.

Neal Mac Donald und Alex Thomson erleben eine frustrierende Generalprobe mit dem neuen Schiff. © Hugo Boss

Thomson hat nun auch beschrieben, was am Sonntag Morgen passiert ist: “Wir waren beide wach und segelten mit einem Speed von etwa 25 Knoten, als wir etwas im Wasser trafen. Ich stand im Cockpit direkt hinter dem Grinder. Neal befand sich direkt hinter der Cockpittür.

Wir sind uns nicht sicher, was wir getroffen haben, aber es muss etwas Großes gewesen sein, das unter Wasser trieb. Der Kiel erlitt schwere Schäden und ist nur noch mit dem Hydraulikzylinder am Schiff befestigt.

Neal und ich sind beide körperlich in Ordnung. Keine größeren Verletzungen, nur ein paar blaue Flecken. Wir hatten großes Glück. Man muss sich vorstellen, in ein Auto zu steigen, die Augen zu schließen und dann mit etwa 65 Km/h gegen eine Wand zu fahren… so fühlte es sich an!”

Seit der Kollision arbeiten die Skipper mit ihrem Technik-Team an Land daran, den Kiel zu stabilisieren, damit sie sicher und ohne Hilfe zum nächsten Hafen segeln können.

“Hugo Boss” treibt manövrierunfähig auf dem Atlantik.

Ross Daniel, technischer Direktor von Alex Thomson Racing, sagt:

“Nach den vielen Stunden, die Alex und Neal versucht haben, den Kiel zu stabilisieren, waren sie sehr müde und so haben wir die Entscheidung getroffen, dass sie sich ausruhen sollten. Gemeinsam werden wir am Morgen die Situation neu bewerten.

Sobald der Kiel stabilisiert ist, scheint es unsere beste Option zu sein, langsam und sicher zu den Kanarischen Inseln zu segeln. Aber wir werden diese Entscheidung am Morgen treffen. Im Moment sind Alex und Neal nicht in unmittelbarer Gefahr, und wir stehen unter keinem Zeitdruck, da im Seegebiet derzeit leichte Winde und nur geringer Seegang vorherrscht. Und das wird sich im Bereich des Azoren-Hochs wahrscheinlich fortsetzen. “.

Der Vorfall ereignete sich am siebten Tag des Transat Jacques Vabre. “Hugo Boss” befindet sich etwa 380 Meilen nordwestlich der Kanarischen Inseln.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

9 Kommentare zu „“Hugo Boss”-Havarie: Kiel abgesägt – Thomson beschreibt den Crash“

  1. avatar erich sagt:

    25 knoten sind nicht 65kmh..

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 10 Daumen runter 15

    • avatar Longjohn diqqmax sagt:

      Ein Auto wiegt auch nicht 12,5 Tonnen. Und nachts ist es kälter als draußen

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  2. avatar pl_mnuessgen sagt:

    Nachdem nun offensichtlich klar ist, dass hier weder etwas gerne hingenommen, noch vorgetäuscht wurde, hätte ich es spätestens in diesem neuen Artikel für notwendig gehalten sich für die mehr oder weniger offenen Unterstellungen des letzten zu entschuldigen.
    Die Kommentare und Likes nach dem letzten Artikel belegen klar, dass ich nicht der einzige war, der sich über diese unsägliche Berichterstattung furchtbar geärgert hat.

    Für mich eine weitere Bestätigung, dass meine Abmeldung vom Abo genau die richtige Entscheidung war. Populismus jeglicher Art darf nicht unterstützt werden. Und genau das habt Ihr (und vor allem CK) hier zum wiederholten Male gemacht.
    Mit sauberem Journalismus hat das rein gar nichts zu tun, Ihr seid die Fox-News der deutschen Segelpresse!

    Viele Grüße,
    Matthias Nüßgen

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    • avatar Martin H. sagt:

      Dieser Meinung muss ich mich leider voll und ganz anschließen. Ebenfalls ist es seit meiner Kündigung des Abos, eher noch schlechter als besser geworden.

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  3. avatar Franz sagt:

    Vermutlich mal wieder einen Wal zerlegt … Ich finde man könnte mal eine Diskussion darüber führen, wie umweltfreundlich es ist mit bis zu 30kn und messerscharfen Anhängen (Foils, Kielbomben) durch den Lebensraum von Meeressäugetiern zu rasen. Immer wieder kommt es zu Kollissionen mit “UFOs”. Das sind bestimmt nicht immer Container o.ä. Treibgut.

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  4. avatar Till sagt:

    Mittlerweile ist klar dass sie nicht Richtung Kanaren Segeln, sondern stattdessen Richtung der Kapverden. Mit aktuell 7kt und etwas über 800sm schätzt das Team dass das ganze etwa 5 Tage dauert. Thomson scheint ja trotz des Schadens noch relativ gut gelaunt und hat ein Video von Board hochgeladen, das ganze macht ihn aber auch irgendwie aus…von jedem anderen Team hätte man nichts mehr gehört, hier ist man quasi Life dabei während sie das boot retten. Er und sein Team wissen einfach wie PR und Fankontakt funktioniert.

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