Transat Jacques Vabre: Thomson erklärt Extremschlag von “Hugo Boss” – Spannender Split

Fünfzig Fünfzig

Das Transat Jacques Vabre Rennen befindet sich bei den IMOCAs in einer spannenden Phase. Das Feld ist weit aufgefächert. Thomsons West-Option war wohl nicht geplant.

Die neue “Hugo Boss” scheint nach ihrer Demonstration der Stärke am ersten Tag der Atlantik-Regatta Transat Jacques Vabre viel von ihrer Herrlichkeit eingebüßt zu haben. Anstatt mit dem Feld zu segeln und mit dem kaum erprobten Boot Daten im Vergleich zur Konkurrenz zu sammeln, ist der Brite mit seinem erfahrenen Landsmann Mac Donald auf einen Extremkurs geraten, dem die härtesten Gegner bei der nächsten Vendée Globe nicht gefolgt sind.

Der extreme Split in der IMOCA Flotte. Hugo Boss und Malizia segeln nach Westen.

Im jüngsten Onboard-Video erklärt Thomson, dass dieser erstaunliche Extremschlag so  nicht geplant gewesen sei. Nach dem beeindruckenden Speed-Boost aus dem Kanal habe es einen Segelschaden gegeben. Offenbar sind Ösen aus dem Raumwind-Vorsegel gerissen. Dabei habe man viele Meilen verloren und sei so weit auf die westliche Route geraten.

Die könne aber durchaus funktionieren, glaubt Thomson. Wenn sich das Wetter entwickelt wie erwartet, erhofft er ab Samstag mit einem sehr guten, schnellen Winkel auf den Äquator zusteuern zu können.

 

Ross Daniel, der technische Direktor von Alex Thomson Racing, bestätigt, dass die Wettermodelle den Booten im Süden in den nächsten zwei bis drei Tagen leichte Gegenwinde bescheren, die es ihnen schwer machen werden zu den Passatwinden vorzustoßen. Alex und Neal peilen dagegen ein neues Wettersystem an, das sich gerade entwickelt. Er glaubt, dass sie damit auf dem Weg nach Süden sehr schnell voran kommen werden.

West oder Ost?

Der professionelle Wetter-Router Christian Dumard erklärt für die Klassenorganisation, dass es zurzeit 50:50 steht. Die West-Route an den Azoren vorbei aber auch die Ost-Route nahe der portugiesischen Küste könnte sich jeweils als die schnellere erweisen.

Thomson segelt Seite an Seite mit “Bureau Vallée”, dem Sieger der vergangenen Vendée Globe (ex “Banque Populaire”),  dem Schwesterschiff “Maître Coq”, und Boris Herrmann nach Westen. Das sind nicht gerade die Favoriten bei dieser Regatta, aber gemeinsam könnten sie am Donnerstag in der Nähe eines Tiefdrucksystems den Kurs ändern, um Richtung Doldrums zu steuern. Aber Dumard glaubt zu erkennen, dass die vorteilhafte Winddrehung auf Nordwest gerade länger auf sich warten lässt, als zuvor prognostiziert.

Die Süd-Gruppe dagegen steuert östlich der Azoren auf einen engen Korridor zu, in dem sie das Hoch möglicherweise einfacher umgehen kann als vorhergesagt. Die Boote sollten die Passatwinde früher erreichen, haben dann allerdings den Wind direkt von achtern und müssen einen tiefen, langsamen Kurs mit vielen Halsen in Kauf nehmen.

PRB hat mit einem mutigen Schlag am Kap Finisterre die Führung übernommen.

Dort haben sich Kevin Escoffier und Nicolas Lunven (“PRB”) mit einem spannenden Schlag am Kap Finisterre direkt unter Land innen an der Verkehr-Verbotszone vorbei an die Spitze gesetzt. Der lange führende Favorit “Charal” hielt sich taktisch souverän in der Mitte und deckte schließlich die linke Kreuzseite.

Le Cleac’h weiß wie es geht

Bei den leichten Am-Wind-Bedingungen haben die Foiler der neuesten Generation keine Vorteile gegenüber dem Rest der Flotte, und so ist es nicht erstaunlich, dass sich Armel Le Cleac’h mit seiner Partnerin Clarisse Cremer ganz vorne halten kann. Die beiden segeln mit “Banque Populaire” auf dem ehemaligen Vendée-Siegerschiff “Macif” von 2012-13. Dass es noch lange nicht zum alten Eisen gehört, zeigte Paul Meilhat mit seinem Route du Rhum-Sieg im vergangenen Jahr, als das Schiff noch “SMA” hieß.

“Hugo Boss” kreuzt weit auf die rechte Seite der Rennstrecke. © ATR

Wenn aber wieder schnelle Raumwind-Bedingungen gefragt sind, sollten die neuen Foiler in ihrem Element sein. Dafür ist besonders “Apivia” bestens positioniert, die mit Charlie Dahlin und Yann Elies bei alles andere als optimalen Foiler-Bedingungen beeindruckend stark an der Spitze segelt.

Der von Team New Zealand Designer Guillaume Verdier gezeichnete Neubau weist einen im Vergleich weit hinten stehenden Mast auf, der insbesondere in der Gleitphase Vorteile bringt. Aber offenbar funktioniert das Boot auch am Wind.

Transat Jacques Vabre Tracker

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Transat Jacques Vabre: Thomson erklärt Extremschlag von “Hugo Boss” – Spannender Split“

  1. avatar PL_paddy sagt:

    Das ist wohl nicht ganz ehrlich was Thomson da sagt. “pretty happy” sollte wohl eher heissen, **** we screwed up. Frage mich warum Boris dahinter her gegangen ist, das war ein Riesen Gamble und sah von Anfang an nicht gut aus, auch wenn wir bescheidenere Wetterdaten haben als die Jungs. Hoffe das gleicht sich mit dem Leading Pack irgendwann wie an…. wobei ich das pessimistisch sehe.

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  2. avatar Till sagt:

    Die Westroute schaut momentan wirklich absolut bescheiden aus, dass Alex sie aufgrund eines defekten Segels gewählt hat, welches immernoch nicht repariert ist, kann ich es ja noch verstehen aber warum Boris, Burton und Bestaven sie gewählt haben verstehe ich nicht. Grade für Thomson ging es wohl ohnehin nie um einen Sieg, das Ziel ist ja ganz klar Vendee und nach dem beinahe Verlust des Boots beim letzten mal wird man jetzt deutlich vorsichtiger sein. Möglicherweise möchte man auch einfach nicht zu viel von der Leistungsfähigkeit zeigen?

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