Transat Jacques Vabre: Crew abgewinscht – Bourgnon reißt Rumpfteil ab bei Container Crash

"Himmel auf den Kopf gefallen"

Lionel Lemoinchois und Roland Jourdain haben sich von ihrem gekenterten 80 Fuß Trimaran “Prince de Bretagne” retten lassen. Der Skipper erklärt, wie es zu dem Überschlag kam.

Prince de Bretagne Trimaran

Die beiden Segler warten auf ihre Abbergung.

Lemoinchois erklärt: “Ich habe nicht viel gesehen, weil ich mich im Boot befand. Wir segelten hoch am Wind mit dem gesetzten Stagsegel in 15 bis 17 Knoten Wind. Noch zehn Minuten zuvor hatten wir sogar diskutiert, ob wir die größere Solent Fock setzen sollten.

Dann weiß ich nicht, was passiert ist. Ich hatte gerade noch Zeit raus zu springen und Bilou aufzufangen, als er fiel. Schwer zu sagen, ob es eine Welle, Böe oder beides war… Es ist wirklich hart, denn eigentlich hatten wir das schlechte Wetter schon hinter uns.

Prince de Bretagne Trimaran

Die Körpersprache von Lionel Lemoinchois zeugt von seiner Niedergeschlagenheit.

Danach war es, als falle einem der Himmel auf den Kopf. Vor zwei Jahren habe ich das ja schon einmal erlebt. Es ist schrecklich, dass alle diese Anstrengungen, die uns hier her gebracht haben in zwei Sekunden umsonst waren. Man denkt sofort an die Auswirkungen.”

Sturm im Anmarsch

Nach der Kenterung hatte die Crew keinen Notruf ausgesendet und auf die Hilfe des Teams gewartet. So verbrachte Lemoinchois vor zwei Jahren zehn Tage in seinem umgedrehten Tri, bevor die eigene Rettungsaktion erfolgreich war. Auch diesmal wollte er das öffentliche Rettungsnetz nicht in Anspruch nehmen. Aber dann erhielt er die Nachricht, dass der Wind auf bis zu 40 Knoten zunehmen würde und die Wellenhöhe war schon auf sechs Meter angestiegen.

Vielleicht wollte Lemoinchois auch seinem Co Skipper Roland Jourdain die Tortour ersparen, noch länger im gekenterten Boot herumzukrabbeln. Der verdiente französische Offshore Promi ist schließlich auch in das IDEC Jules Verne Rekord Projekt eingebunden, für das auch Boris Herrmann segelt.

Prince de Bretagne Trimaran

Prince de Bretagne beim Start.

Lemoinchois leitete die Rettung mit einem offiziellen Notruf ein und schnitt dann das Rigg vom Multi, um das Boot im Wellengang zu entlasten. Dabei verbrachte er zwei Stunden im Wasser. Dann traf der vom Rettungszentrum in Madrid gesandte Hubschrauber ein.

“Er war viel schneller da, als wir dachten”, erzählt der Skipper. “Ein Mann kam herunter und zog uns nach oben. Erst Bilou, dann mich. Es dauerte kaum 20 Minuten.”

Nun will er mit dem Team versuchen, den Maxi80 Tri zu bergen. Ein Schlepper muss organisiert werden, der das Schiff zuerst im umgedrehten Zustand in die Nähe von La Corunha bringen soll. Dort könne der Multi dann aufgerichtet werden. Die Operation soll Donnerstag Abend nach dem Durchzug des Sturms beginnen.

Container getroffen

Nicht besonders gut ist es auch Yvan Bourgnon ergangen, der erst vor wenigen Monaten seine Strandkat-Weltumsegelung beendet hat. Der Abenteurer erlebte den Alptraum der Hochsee-Rennpiloten und knallte mit voller Fahrt auf einen Container.

Transat Jacques Vabre

Ein Container hat einen Teil des Schwimmers abgeissen.

Mit seinem Partner Gilles Lamire segelte er 15 Knoten schnell unter Autopilot und kam dann fast zum Stillstand bei der extrem harten Kollision. “Ich sah ein Stück unseres Rumpfes achteraus und dort auch den Container. Sechs Meter vom Backbord-Schwimmer fehlen und am anderen Rumpf ist der vordere Meter beschädigt.

Die Crew berichtet aber, dass die Situation jetzt unter Kontrolle sei und sie gut sechs Knoten schnell Richtung Brest ablaufen. In drei Tagen wollen sie dort eintreffen.

Race Tracker Transat Jacques Vabre

Event Website Transat Jacques Vabre

Transat Jacques Vabre

Der Bug des zweiten Schwimmers ist beschädigt und notdürftig repariert.

Transat Jacques Vabre

Der 50 Fuß Trimaran von Gilles Lamire und Yvan Bourgnon.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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7 Kommentare zu „Transat Jacques Vabre: Crew abgewinscht – Bourgnon reißt Rumpfteil ab bei Container Crash“

  1. liebe leute, das video von der bergung lässt sich nicht abspielen! kommt nur die oral-b werbung und dann geht nix mehr…

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  2. avatar Andreas sagt:

    Das ist aber auch der Grund, warum mich niemand auch nur dazu bekommen könnte auf einem Kat oder Tri eine Offshore Regatta zu bestreiten. Für mich ist es unabdingbar das ein seegängiges Schiff auch einen Kiel besitzt. Ohne Kiel – keine Seetüchtigkeit. So sehe ich das. Die Physik des aufrichtenden Momentes verleiht mir absolutes vertrauen in mein Schiff und dessen Seetauglichkeit. Auf einem Tri oder Kat muss man permanent mit Schiffbruch rechnen, kein wirklich gutes Gefühl. Ich fahre ja auch nicht mit ner Jolle über den Atlantik. Genauso bescheuert. Auch wenn man in einem gekenterten Tri sicher besser aufgehoben ist als in einem Einrümpfer, kommt man doch nur in absoluten Sonderfällen auf einem Kielboot in solche Situationen.
    Wenn ich mir dagegen anschaue wie oft in den letzten Jahren ein Hochsee Kat oder Tri auf den Kopf gefallen ist wird mir schlecht.

    In diesem Sinne

    Fair winds 🙂

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 10 Daumen runter 13

    • avatar OG sagt:

      Genauso oft haben aber auch diverse monohulls den Kiel verloren und sind daraufhin gekentert…

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 7

      • avatar Andreas sagt:

        Materialbruch sollte nicht mit Seeuntauglichkein verwechselt werden! Wenn ein Kiel abfällt hat das grundsätzlich ganz abndere Gründe als einfaches umkippen wegen einer Böe

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  3. avatar coist sagt:

    Bisher ziemlich viele Ausfälle, vor allem namhafte Teams bei den IMOCA60 …

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