Transat Jacques Vabre: Warum Dalin so überlegen ist – Le Cleac’h greift voll daneben

Die neue Hackordnung

Actionreicher Start der Transat Jacques Vabre. 79 Boote in vier Klassen gingen in Le Havre bei starkem Wind über die Linie. Aber eine extreme Flaute hat schon zu Überraschungen geführt.

Bei starkem Wind und Sonne ist die Live-Übertragung des Starts zur Doublehanded Transatlantik Regatta Transat Jacques Vabre am Sonntagnachmittag sehr unterhaltsam über die Bühne gegangen. Nie zuvor hat man die neuen fliegenden Ultim-Boliden so eng und lange im Foil-Modus nebeneinander gesehen. Und auch die IMOCAs mussten gleich zu Beginn zeigen, zu was sie nach der Vendée Globe im neuen Zyklus vor 2024 fähig sind. Mit Spannung wird die Antwort auf die Frage erwartet: Wie gestaltet sich die neue Hackordnung?

Start der 79 Schiffe vor Le Havre. © Jean-Marie Liot / Alea

Mit einem perfekten Start setzten sich die Favoriten Charlie Dalin und Paul Meilhat gleich zu Beginn eindrucksvoll an die Spitze. Dabei wäre ein Nullstart gar nicht nötig gewesen. In der Folge bestätigten sie nach der beeindruckenden Fastnet-Race-Leistung, dass “Apivia” aktuell der mit Abstand schnellste 60-Fußer der Flotte ist. Auf dem spitzen Anlieger zur ersten Wendemarke konnte nur die inzwischen ausgeschiedene “Bureau Vallée” mithalten.

Auf dem folgenden Kreuzkurs bestätigte sich dieser Eindruck. Aber auch das zweite Verdier-Design LinkedOut mit Thomas Ruyant und Morgan Lagravière konnte den Speed mitgehen. Dabei beziffern Experten den aktuellen Amwind-Speed-Vorteil von Apivia im Vergleich zur Konkurrenz mit bis zu zwei Knoten.

Ultim Trimaran Actual (ex Macif) neben dem halb so großen 50 Fußer Leyton. © Vincent Curutchet / Alea

Das Team hat mit seinem Renstall MerConcept sehr früh nach der Vendée Globe das Potenzial der Konstruktion weiterentwickelt und einen Schritt nach vorne gemacht, den die Konkurrenz noch nicht gehen konnte. Der VG-Zweite Dalin profitiert von neuen großen Tragflächen, die noch vor der IMOCA-Regeländerung entworfen wurden.

Klassenpräsident Antoine Mermod stellt laut T&S aber auch fest, dass LinkedOut und die beiden 11th Hour Yachten mit ihren nach der neuen Regel entworfenen kleineren Foils “sehr schnell” sind.

Apivia hat sich bei den IMOCA schon einen Vorsprung von gut 20 Meilen erarbeitet.

Tatsächlich scheint der mit großem Interesse verfolgte erste und einzige Neubau der neuen Generation “Malama” mir Chalie Enright und Pascal Bidégorry immer besser in Fahrt und liegt nun schon auf Rang zwei.

11th Hour Racing Team mit seinem Neubau “Malama”. © Vincent Curutchet / Alea / 11th Hour Racing

Aber bei der extremen Flaute, die auch die IMOCA-Flotte einbremste, spielt das Design kaum eine Rolle. Stundenlang trieben die 60 Fußer zeitweise sogar rückwärts. Schließlich nahm Apivia an der Spitze zuerst wieder Fahrt auf.

Flaute bei Charal:

Die 79 Boote sind in vier Klassen gestartet, um nach Martinique zu segeln. Sie müssen drei unterschiedlich lange Kurse je nach Leistungsfähigkeit absolvieren und sollen im Idealfall gemeinsam im Ziel ankommen. 7.500 Meilen müssen die Ultimes absolvieren, die IMOCA und Ocean Fiftys 5.800 Meilen und die Classe 40 4.600 Meilen.

Die verschiedenen Kurse bei der Transat JAcques Vabre. Die Class40 muss auf dem Weg nach Martinique eine Insel runden.

Dabei steht neben den IMOCAs insbesondere die Ultim Trimarane bei ihrem ersten Zusammentreffen in der neuen Konstellation mit zwei Neubauten (Banque Populaire, SVR-Lazartigue) im Blickpunkt.

Kurz nach dem Start bei stärkerem Wind zeigte sich, dass der älteste 100 Fuß Trimaran “Maxi Edmond de Rothschild” tatsächlich schneller sein kann als die Konkurrenz. Franck Cammas und Charles Caudrelier nahmen den jüngsten Trimaranen bei stärkerem Wind schon zehn Meilen ab. Aber als die Ultime-Flotte die Nordwest-Ecke Frankreichs bei der Insel Ouessant umfahren wollten, trieben sie bei Gegenströmung und Flaute hilflos umher und gingen sogar auf Gegenkurs.

Armel Le Cleac’h und Kevin Escoffier entschieden sich mit ihrem Rothschild-Tri für einen radikalen Angriff unter Land. Aber das ist mächtig schiefgelaufen. Sie liegen aktuell 20 Meilen zurück und es ist nicht klar, ob sie noch eine Chance zum Comeback bekommen.

Der Rotschild-Tri in Führung bei der Passage der Insel Ouessant…

…Aber dann parken die Trimarane im Gegenstrom und drehen um…

…Banque Populaire (dunkelblau) entfernt sich auf einem Kurs gen Osten…

…Der Angriff scheint zu funktionieren…

…geht dann aber mächtig daneben.

Das Live-Replay:

Transat Jacque Vabre Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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