Transatlantik: Beim Start vor Ort – “Comanche” und “Rambler” in Newport

Das Duell der Giganten

Um 14 Uhr Ortszeit wurde am Sonntag auch die letzte Gruppe der Supermaxi-Yachten „Rambler“ und „Comanche“ vor Newport zum Transatlantic-Race 2015 nach Lizard Point in England angeschossen. Hinnerk Stumm war für Segelreporter vor Ort. Er erlebte eine heiß umkämpfte Vortstartphase zwischen zwei besonderen Booten, die momentan State of the Art im Regattabereich sind.

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Comanche und Rambler starten in Newport zum Run über den Atlantik. © Hinnerk Stumm

Heute ist alles anders: Eine scheinbar endlose Autoschlange verstopft den engen Serpentinenweg hoch zum malerischen Castle Hill vor Newport/Rhode Island. Menschenmengen von Segelenthusiasten tummeln sich auf den felsigen Klippen über dem Rhode Island Sound. Hunderte von Begleitbooten bringen das Wasser zum Brodeln.

Sie alle wollen zum Leuchtturm, an dem die Startlinie auch für den letzten der drei Starts zum Transatlantic-Race 2015 liegt. Es führt von hier aus knapp 3.000 Seemeilen über den Nordatlantik nach Lizard Point zur Südwestküste Englands.

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Der Trimaran “Phadeo” drängt “Paradox” beim Start ab. © Hinnerk Stumm

Aber heute ist der Ansturm deutlich größer als bei den vorherigen Starts, denn um 14 Uhr Ortszeit werden neben den Hochsee-Trimaranen Phaedo ( 70 Fuß) und Paradox (63 Fuß) auch die Supermaxi-Yachten Rambler (88 Fuß) und Comanche, der erst 2014 gebaute 100-Füßer von Eigner Jim Clark, auf den Weg geschickt. Das Duell der beiden Segelmonster wurde im segelbegeisterten Newport, heimliche Hauptstadt des Segelns an der amerikanischen Ostküste, heiß erwartet.

Um das Spektakel zu begreifen, muss man die Dimensionen verstehen: Die über 30 Meter lange Comanche trägt an ihrem 46 Meter langen Karbon-Rigg satte 760 Quadratmeter Segelfläche – am Wind wohlbemerkt! Downwind sind es bis zu 1.510 Quadratmeter, die die 31.000 Kilogramm schwere Yacht dann unter optimalen Bedingungen auf Geschwindigkeiten bis an 40 Knoten bringen soll.

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Mit Vollgas über die Linie. © Hinnerk Stumm

Austariert wird diese gigantische Segelfläche durch einen Canting-Keel von 6,50 m Länge. Die Kielsektion samt Bleibombe wiegt allein schon 12 Tonnen. Um diese Dimensionen händeln zu können, werden 21 Profis, überwiegend aus der Stammcrew des ehemaligen Volvo Ocean Racers „Puma“ an Bord benötigt. Unter ihnen auch der aus Newport stammende Skipper Ken Read, der schon vorherige Projekte wie die J-Class „Hanuman“ betreute, die dem Eigner ebenfalls gehört.

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Schön klassisch. Die Wettfahrtleitung zelebriert den Startschuss. © Hinnerk Stumm

James Clark hat sein Geld gleich mit mehreren Internet Start-ups wie beispielsweise Netscape gemacht, was den circa 40 Millionen €uro teuren Bau der Comanche wohl eher zu den sprichwörtlichen „Peanuts“ macht. „Viele Leute geben ihr Geld für Sport aus. Golf beispielsweise, aber ich spiele kein Golf. Ich hasse es! Ich liebe segeln und den technologischen Aspekt dahinter“, erklärte der 70-jährige der Daily Mail.

Erklärtes Ziel für das Design des französischen VPLP-Hauses (zuvor designte das Büro den ORACLE-Trimaran, Banque Populaire sowie diverse Open 60´s): „Comanche“ soll nicht nur Rennen wie das Transatlanticrace gewinnen, sondern auch Offshore-Rekorde für Monohulls pulverisieren.

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Zuschauer auf den Felsen vor Newport © Hinnerk Stumm

Start 1: Phaedo vs. Paradox

Der wesentliche Unterschied von Trimaranen gegenüber Monohulls ist ihre Trägheit in Manövern. Interessant also, wie unterschiedlich diese Boote in der Vorstartphase agieren. Der kleinere Außenseiter „Paradox“ schafft letztlich Erstaunliches und drängt den Favoriten „Phaedo 3“ von Lee kommend über die Starttonne, was Skipper Brian Thompson zu einer Extrarunde zwingt und beim Publikum auf den felsigen Rängen ein anerkennendes Raunen hervorruft.

Start 2: Rambler vs. Comanche

Keine 15 Minuten später das Duell der Giganten „Rambler“ und „Comanche“, in dem Skipper Ken Read das gleiche Manöver versucht. Aber die erfahrene Crew von „Rambler“ lässt sich auf dieses Spiel nicht ein. Dicht an dicht preschen die beiden Supermaxis bei gut 20 Knoten Up-Wind an der Starttonne vorbei.

Die 12 Fuß größere „Comanche“ hat, von Lee kommend, den höheren Grundspeed und übernimmt gleich vor dem Leuchtturm unter dem Gejohle des Publikums die Führung. Ob das so bleiben wird, müssen die kommenden Tage zeigen. Vorausgesagt ist ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet mit sehr leichten Winden über dem Atlantik.

Rekorde wird „Comanche“ so gewiss nicht brechen. Bereits am Morgen verriet der Boatcaptain der „Comanche“ Kacey Smith Segelreporter, dass die Prognose nicht gut aussieht: „Momentan sagt das Routing für die etwa 2.950 Seemeilen siebeneinhalb bis acht Tage voraus.“ Viel zu langsam: „Unter Idealbedingungen sind auch fünf bis sechs Tage möglich.“

Eventseite Transatlantik 2015

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Hinnerk Stumm

... segelt seit Kindertagen, von Jolle bis Dickschiff. Sein Motto: „Segeln ist letztlich völlig überbewertet!“ Weiteres ...
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