Ultim 100 Fußer: “Banque Populaire XI” im Wasser – Schnellste Hochsee-“Yacht” aller Zeiten?

Die heißeste Rennmaschine

Haben die Franzosen das Geheimnis des Offshore-Foilings nun geknackt? Die neueste Ultim Rennmaschine von Armel Le Cleac’h soll den Fortschritt zeigen. Was “Banque Populaire XI” von den Vorgängern unterscheidet.

Banque Populaire drohte nach dem dramatischen Totalverlust 2018 bei der Route du Rhum als einer der weltweit größten Segelsport-Sponsoren auszufallen. Es schien, als seien die schlauesten Köpfe des Segelsports an der Aufgabe gescheitert, die schnellsten Hochsee-Segler der Welt auf Tragflächen an einem Stück um den Globus schicken zu können. Auch Sponsor Macif zog sich zuletzt nach zehn Jahren aus der Szene der 100 Fuß Maxi-Trimarane zurück und überließ Star-Skipper Francois Gabart einen halbfertigen Neubau. Die Ultim-Szene schien sich aufzulösen, nachdem auch die Um-die-Welt-Regatta für Ende 2019 war abgesagt worden war.

Banque Populaire

Die traurigen Reste der “Banque Populaire” in Vigo nach dem Crash 2018. © Ultim

Aber dann gab Banque Populaire, die zweitgrößte Bankengruppe Frankreichs, doch überraschend die nötigen Gelderfür einen Neubau frei. Dabei dürfte das Schiffchen nicht gerade günstig sein. Es wird in einer Preisklasse von mindestens 15 Millionen Euro gehandelt.

Banque Populaire XI in der Draufsicht. © BP

X-förmig angeordnete Beams. © BP

Das Cockpit von Sodebo liegt direkt hinter dem vorderen Beam und vor dem Mast. © Sodebo

Nun ist der Maxi “Banque Populaire XI” nach zwei Jahren Bauzeit in Lorient der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Der 16 Tonnen schwere, 32 Meter lange und 23 Meter breite Gigant, wird wieder von Armel Le Cléac’h als Skipper gesteuert, der 2017 die Vendée Globe in Rekordzeit gewann. Er musste lange auf diesen Moment warten und bewies im vergangenen Jahr fast so nebenbei mit seinem dritten Sieg bei der Solitaire du Figaro, dass er immer noch zu den besten Einhandseglern gehört.

Jetzt hat er eine Rennmaschine zur Verfügung, die zumindest auf dem Papier die schnellste Hochsee-“Yacht” der Welt sein sollte. Denn in “Banque Populaire XI” sind die aktuellsten Erkenntnisse der Foiling-Technik auch bei extremem Seegang etwa im Southern Ocean eingeflossen.

Der schmale Hauptrumpf. © BP

Die gescheiterten jüngsten Jules-Verne-Trophy-Rekordversuche der Konkurrenten Sodebo und Gitana haben gezeigt, wie anfällig die Ultim-Tris noch sind. So könnte nun Banque Populaire das Maß der Dinge sein. Armel Le Cléac’h erklärt, dass der Bau bei der CDK-Werft eine Zusammenarbeit von mehr als 150 Firmen im Westen Frankreichs erfordert hätte.

Er betont, dass man insbesondere an der Verlässlichkeit des Trimarans gearbeitet hätte. Dafür sei etwa der vordere Beam deutlich stärker gebaut worden, der 2018 nach einer Kollision mit Treibgut gebrochen war und für den Totalschaden gesorgt hatte. Er ist mit einer Art Stoßdämpfer konstruiert und soll im Fall einer Kollision keine großen strukturellen Schäden mehr erleiden.

Im Vergleich zur aktuell jüngsten Ultim-Konstruktion “Sodebo”, die auch schon zwei Jahre alt ist, fällt besonders der Verzicht auf die als revolutionär geltende Cockpit-Kapsel vor dem Mast auf. Bisher hat Thomas Coville mit seinem Renner aber nicht zeigen können, dass er etwa deutlich schneller ist als der erste konsequente Foiler-Ultim “Gitana”. Und so war dieses Design für die BanquePop-Macher offenbar kein Muss.

Sodebo jagt der Jules Verne Trophy hinterher © stichelbault/sodebo

Der Crewbereich ist sogar deutlich weiter nach hinten verlagert, was insbesondere aerodynamische Gründe haben soll. Wenn diese Boote mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 30 Knoten unterwegs sind, spielt der Windwiderstand eine besondere Rolle. So wurde der Cockpitboden im Verhältnis zum Deck des Mittelrumpfes abgesenkt – allerdings nicht so tief wie bei dem noch im Bau befindlichen Ultim von François Gabart. “Wir wollen noch die Welt um uns herum sehen können”, erklärt Le Cleac’h.

Eine der Vorgaben für die Konstruktion war die Möglichkeit, im Crewmodus aber auch alleine auf hohem Niveau segeln zu können. Der erste große Leistungstest wird bei der Zweihand-Atlantik-Regatta Transat Jacques-Vabre im November abgeliefert, die Le Cleac’h gemeinsam mit dem neuen Co-Skipper Kévin Escoffier gewinnen will. 2022 ist dann die Einhandregatta Route du Rhum das große Ziel.

Im Vergleich zum Vorgänger-Trimaran weist die neue BanquePop deutlich größere Tragflächen auf. Dadurch soll die Stabilität im Flugmodus deutlich verbessert werden. Auch von der neuesten Sensor-Technik erhoffen sich die Techniker deutliche Fortschritte bei der Zuverlässigkeit. Die enorme Lautstärke der pfeifenden Foils verhindere laut dem Skipper die Wahrnehmung gefährlicher Geräusche im Strukturbereich. Ein Alarmsystem wie bei den IMOCA soll nun eher auf Überlastungen hinweisen.

Mit der neuen 100-Fußer ist die Ultim-Klasse wieder auf derzeit sechs Boote angewachsen, die im November bei der Transat Jacques Vabre starten können. Ungeklärt ist das Schicksal von Francois Gabarts kurz vor der Vollendung stehendem Neubau, dem aber nach dem Ausstieg des Sponsors das Geld für den Betrieb fehlt.

Aber Gabart segelt zurzeit auf seiner alten Macif, die vom Arbeitsvermittler Actual für Yves Le Blevec gekauft wurde. Und er hofft, mit seinem eigenen Projekt wieder Fahrt aufnehmen zu können.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Ultim 100 Fußer: “Banque Populaire XI” im Wasser – Schnellste Hochsee-“Yacht” aller Zeiten?“

  1. avatar Alois Pingitzer sagt:

    Das ist schon großartig und beneidenswert, was die französischen Segler da mit geduldigen und frustrationstoleranten Sponsoren auf die Beine stellen können, von der Tour de France à la voile über die Vendée Globe bis zu den ganz wilden Geschossen. Tolle Typen, tolles Publikum und ich freu’ mich schon auf den November.

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