Ultim-Klasse: Escoffier nach Vendée-Globe-Rettung nun auf wohl schnellster Yacht der Welt

Neue Chance für Bruchpilot

Kevin Escoffier hat nach dem Verlust seiner PRB bei der Vendée Globe einen der begehrtesten Jobs der Hochseeszene ergattert: Co-Skipper von Armel Le Cleac’h auf dem neuen 100 Fuß Trimaran Banque Populaire.

Die neue Banque Populaire läuft im April vom Stapel. © BP

Der Totalverlust von Banque Populaire und die großen Schäden an drei weiteren Trimaranen bei der Route du Rhum 2018 war ein Schock für die Szene der Ultim-Klasse, die schnellsten Hochseesegler der Welt. Regatten wurden abgesagt, Sponsoren stiegen aus. Die Konstrukteure waren bei dem Versuch gescheitert, mit Monster-Multis das Geheimnis des Offshore-Foilings zu knacken.

So war es schon fast eine Überraschung, dass die französische Bank nach langem Zögern vermeldete, das Engagement in der Ultim-Klasse fortzusetzen. Zuletzt machten die schnellsten 100 Fuß Trimarane der Rennställe Gitana und Sodebo Schlagzeilen durch gescheiterte Jules-Verne-Rekordversuche. Nun bekommen sie Ende April Konkurrenz von der neuen “Banque Populaire XI”. Der jüngste und möglicherweise schnellste Maxi-Trimaran der Szene läuft vom Stapel.

Höhepunkt der Saison 2021 ist wie auch für die Vendée-Globe-Szene das Transat Jacques Vabre, das ab dem 7. November für vier Klassen von Le Havre aus über den Atlantik nach Martinique führt. Da es traditionell für Zweihand-Crews ausgeschrieben ist, war mit Spannung erwartet worden, wen Star-Skipper Armel Le Cleac’h an Bord von Banque Populaire mitnehmen würde. Nun hat sich das Team entschieden: Kevin Escoffier.

“Das perfekte Paar”

Der glücklose Vendée Globe Skipper, der die Segelwelt in Atem gehalten und ohne seinen Totalverlust mit PRB beste Chancen für den Sieg gehabt hatte, kann sich nun über diesen neuen prestigeträchtigen und auch gut bezahlten Job freuen.

Kevin Escoffier und Armel Le Cleac’h (r.) rasen gemeinsam über den Atlantik. © BP

“Wir haben uns entschieden, diese Herausforderung mit dem Segler anzunehmen, der am besten zu unseren Ambitionen passt”, erklärt Armel. “Sie sind das perfekte Paar”, glaubt Ronan Lucas, Direktor des Teams Banque Populaire.

Kevin Escoffier macht aus seiner Begeisterung keinen Hehl. Dabei ist das Engagement beim Banque Populaire Team eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Fast zwölf Jahre hat er für den Rennstall gearbeitet. Er segelte an Bord der Maxi “Banque Populaire V” und war Teil der Siegercrew der Jules Verne Trophy im Jahr 2012.

Danach war er als Leiter des Konstruktionsbüros am Bau des IMOCA „Banque Populaire VIII“ beteiligt, mit dem Armel 2017 die Vendée Globe gewann. Er gehörte auch zum Team, das schon 2017 die ersten Entwürfe für den aktuellen Maxi anfertigte.

Lucas betont: “Technisch gesehen ist Kevin Escoffier einer der besten Segler überhaupt. Es gibt nur sehr wenige Skipper, die über diese doppelte Erfahrung auf See und im Konstruktionsbereich haben.” Insbesondere der Sieg beim Volvo Ocean Race 2018 mit Dongfeng brachte Escoffier viel Reputation, bevor er nun mit PRB zum ersten Mal an der Vendée Globe teilnahm.

Escoffier mit BP bei der Vendée Globe?

Das neue Engagement könnte auch ein Hinweis auf ein neues Vendée Globe Projekt von Escoffier in den neuen Farben sein, auch wenn Banque Populaire dazu nichts sagt. Schließlich hatte der Franzose keinen Hehl daraus gemacht 2024 noch einmal an den Start der Weltregatta gehen zu wollen.

Nach dem Sieg bei der Vendée Globe 2017 durch Armel Le Cleac’h hatte die Bank nur Clarisse Cremer mit einem gebrauchten Boot ohne Tragflächen an den Start geschickt. Den Verantwortlichen dürfte aber auch nicht der große Popularität-Schub der jüngsten Regatta-Ausgabe entgangen sein. Es ist nicht unwahrscheinlich, wenn sie erneut eine siegfähige IMOCA-Kampagne an den Start bringen würde. Mit Escoffier wäre nun auch ein passender Skipper dabei, der noch heiß auf einen Vendée Globe-Sieg ist.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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