Ultim Trimarane: Die Lehren aus dem Route du Rhum-Desaster – Treffen der Rennställe

"Emotionales Treffen"

Die großen Ultim-Teams haben sich für eine Nachbesprechung der Route du Rhum getroffen. Dabei betonen sie eine neue Marschroute. Für Banque Populaire wird es eng.

Die traurigen Reste des ehemals stolzen 30 Meter langen Banque Populaire Trimarans. © Ultim

Der erste große Schlagabtausch der riesigen 100 Fuß Trimaran-Neubauten – die schnellsten Offshore-“Yachten” der Welt – ist zu einer großen Enttäuschung geworden. Von den fünf Ultim-Multihulls auf Augenhöhe kam nur einer ohne große Probleme durch. Und mit Francis Joyon gewann dann auch der älteste Skipper mit dem am ausgiebigsten gesegelten Boot.

Eine schöne Geschichte für den alten Salzbuckel, aber das Ergebnis bildet nicht die wahre Leistungsfähigkeit der Flotte ab. Vielmehr zeigt das Ergebnis auf erschreckende Weise die Grenzen des modernen Yachtbaus auf. Die Konstrukteure sind auf dem Weg zum Bewältigen der Foil-Technik längst noch nicht so weit, wie sich das die Skipper wünschen.

Seb Josse vor seinem gebrochenen Schwimmer. © Gitana

Wie brisant die Situation  in der Klasse tatsächlich ist, wurde nach den schrecklichen Bildern vom Wrack der “Banque Populaire” deutlich. Der Crash könnte das Ende der Sponsoring-Unterstützung durch die französische Bank einläuten. Entsprechende Gerüchte kursieren in den bretonischen Häfen.

Ultimative Um-die-Welt-Regatta

Damit würde auch die gesamte Entwicklung der Ultim-Klasse in Frage gestellt. Sie wird insbesondere durch die große Konkurrenz der besten Rennställe erst spannend. Neben Banque Populaire verbleiben noch das Rothschild-Team und die Neubauten, die von Macif wie auch Sodebo angekündigt wurden. Ein neuer Ultim Tri soll immerhin gut 12 Millionen Euro kosten.

Sie alle zielten auf die Teilnahme an der ultimativen Um-die-Welt-Regatta Brest Océans einhand nonstop um die Welt mit den 100 Fußern. Jetzt wird aber immer deutlicher, dass der Starttermin Ende Dezember nicht mehr gehalten werden kann.

ORMA 60

Demolition Derby 2002 bei der Route du Rhum. “Groupama” war einer von 15 ORMA60-Tris, die das Ziel nicht erreichten. © Martin-Raget

Wiederholt sich die Geschichte? 2002 erreichte  die Entwicklung der französischen Trimaran-Flotte der ORMA 60 ihren Höhepunkt, als 18 der schnellen 60 Fußer an der Startlinie auftauchten, um einhand über den Atlantik geprügelt zu werden. Aber nur drei kamen durch. Es war der Anfang vom Ende der Klasse. Die Kosten stiegen, Sponsoren zogen sich zurück.

Diese Story mochten die aktuellen Protagonisten der Szene im Kopf haben, als sie sich am Montag in Lorient zum Austausch trafen. Es ging um die Erfahrung mit den ultimativen Riesentrimaranen bei der Route du Rhum, bei der vier der fünf Boote im Rennen mehr oder weniger schwere Schäden erlitten.

Le Cleac’h will weiter machen

Gegenüber dem Figaro berichtet Sodebo-Skipper Thomas Coville, der noch auf seinem alten Tri unterwegs war, von einem “sehr bewegenden Treffen”. Damit bezog er sich auf die Offenheit des Austausches “den ich so noch nie gesehen habe”. Armel Le Cléac’h soll betont haben, den Weg in der Ultim-Klasse fortsetzten zu wollen. Aber es ist längst nicht klar, ob er diese Möglichkeit auch bekommen wird.

Allen Beteiligten sei aber bewusst, dass die Sicherheit der neuen Flug-Konstruktionen massiv verbessert werden müsse. Man sei sich einig gewesen, dass man nun deutlich mehr übergreifend im Kollektiv arbeiten sollte. Schon bei dem Treffen tauschten die konkurrierenden Teams wichtige Daten über Struktur und Design aus, die normalerweise verschlossen wären. Es ist wohl die einzige Möglichkeit, um die ambitionierte Entwicklung der Klasse lebendig zu halten.

Coville glaubt, dass die aktuellen Probleme zwangsläufig zu einer Verschiebung der großen Regatta führen muss. Die Ultim-Foiler können es sich nicht leisten, ihre Trimarane unter Zeitdruck an die Startlinie zu bringen. Armel Le Cleac’h musste nach seiner Kenterung Anfang des Jahres erleben, was passieren kann, wenn mit heißer Nadel gestrickt wird. Der Bruch des Backbord-Schwimmers hat offenbar zur desaströsen Kenterung geführt.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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