Ultim Trimarane: “Gitana” vor der 14.000 Meilen Regatta – Cammas, Caudrelier sammeln Daten

Auf dem Sprung

Die letzte Atlantik-Regatta war für die Ultim-Klasse ein Desaster. Nach der Bruch-Serie bei der Route du Rhum 2018 schien das Ende der 100 Fußer besiegelt. Aber in einer Woche geht’s wieder raus auf den Atlantik. “Gitana” ist schon mal los.

Der 100 Fuß Maxi Edmond de Rothschild (Gitana) hat die Basis in Lorient verlassen, um nach Brest zu segeln, wo am 3. November die 14.000 Meilen Regatta Brest Atlantiques (Vorschau) startet. Vorher kann der Riese dort im Hafen wie seine drei Kollegen eine Woche lang von den Fans bestaunt werden.

Die Route © brest atlantiques

Der vergangene Auftritt des Trimarans bei der Route du Rhum 2018 war ein Desaster. Skipper Sebastien Josse verlor erst ein Drittel seines Steuerbord-Schwimmers auf “Gitana” allein durch Wellenschlag und danach seinen Job. Inzwischen hat das Duo Charles Caudrelier und Franck Cammas übernommen und damit auch die vornehmliche Aufgabe, den Tri in einem Stück ins Ziel bringen. Das würde helfen, bei den Geldgebern verlorenes Vertrauen wiederzuerlangen.

Die Nachrichten aus dem Team – wie das jüngste “Big Data” Video (oben) – sollen zeigen, dass diesmal nichts dem Zufall überlassen wird. Das hieße allerdings im Umkehrschluss, dass man zuvor allzu fahrlässig die zu erwartenden Lastspitzen berechnet hätte.

“Gitana” auf dem Sprung. © Eloi Stichelbaut

Diesmal sollen mehr als 500 Sensoren an Bord, Rückmeldungen bei Überbelastungen geben. Und die Lernkurve bei der Interpretation der Daten soll sehr steil gewesen sein. 

Ob es wirklich so ist, und ob es tatsächlich zu einem Rennen auf Augenhöhe kommt, bevor wieder die ersten 32 Meter-Geschosse  auseinanderfallen, muss sich noch zeigen. Viel wird sicher von den Bedingungen abhängen, die beim Start herrschen.

Gitana mit seiner neuen aerodynamischen Verkleidung. © Eloi Stichelbaut

Wenn die rasenden Tris erst einmal auf hoher See sind, können sie die schlimmsten Wetter-Unbilden relativ leichtfüßig umgehen. Der Speed ist ihr Schutz. Wer die Tiefdruckgebiete sauber attackiert und den extremsten Wellengebieten geschickt ausweicht, hat die größten Chancen, den Kurs zu absolvieren.

“Wir befinden uns auf der Zielgeraden vor unserem großen Start in diesem Jahr”, sagt Franck Cammas. “Wir haben alle wichtigen Aspekte für die Rennvorbereitung erledigt, und nun bleiben nur noch die Details. Ich glaube, dass es unserem Team wirklich gelungen ist, unsere technischen Möglichkeiten im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Zeit zur Verbesserung des Bootes voll auszuschöpfen. Wir sind genau da, wo wir technisch sein wollten! Sechs Monate haben auf dieses Rennen gewartet.”

Franck Cammas und Charles Caudrelier mit ihrem neuen Spielzeug. © Yann Riou / Gitana S.A.

Die Ungeduld ist Cammas anzuhören. Alles andere als ein Sieg für “Gitana” wäre eine Enttäuschung. Die neue “Sodebo” sollte eigentlich zu neu sein, um schon maximale Leistung abzuliefern, “Macif” sollte zu alt sein und die “Actual” (ex “Sodebo”) ohnehin chancenlos.

Dabei gehen die beiden Skipper die Tage vor dem Start äußerst unterschiedlich an. Cammas sagt: “Ich mag die Tage vor dem Start nicht besonders. Man kann viel Energie damit verschwenden, das Wetter zu analysieren und verschiedene Szenarien zu erstellen. Erst beim Rennen selbst bin ich wirklich in meinem Element. Wenn die Konkurrenz um mich herum ist. Deshalb werde ich nächste Woche vor dem Start noch ein paar Tage in den Bergen Sauerstoff tanken! Das mache ich so schon seit einigen Jahren.”

Caudrelier, der Volvo Ocean Race Sieger mit Dongfeng dagegen sagt, er liebe die letzten Tage vor dem Ablegen. “Ich mag es, wenn die Intensität langsam ansteigt und es langsam ernst wird. Wenn man sich so langfristig auf solche Rennen vorbereitet, bleibt es monatelang ziemlich abstrakt. Aber sobald man im Starthafen liegt,  wird es endlich konkreter. Der Stress kommt später, in den allerletzten Tagen, wenn das Wetter genauer betrachtet werden kann. Vorher empfinde ich die Phase ziemlich Vorfeld ziemlich gelassen.”

SR Reporter und Frankreich-Spezialist Michael Kunst ist auch wieder “auf dem Sprung” um vom Start der Brest – Atlantiques zu berichten.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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