Vendée Globe: Louis Burton zweites Opfer einer Fischtrawler-Kollision

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Louis Burton kollidierte in der Nacht mit einem Fischer. Der Schaden könnte geringer ausgefallen sein, weil das Schiff ohne Outrigger auskommt.  © Jean-Marie Liot / DPPI

Louis Burton kollidierte in der Nacht mit einem Fischer. Der Schaden könnte geringer ausgefallen sein, weil das Schiff ohne Outrigger auskommt. © Jean-Marie Liot / DPPI

Der junge Franzose Louis Burton (27) ist das nächste Opfer bei der Vendée Globe. Wie Kito de Pavant kollidierte er in der Nacht 400 Meilen westlich von Lissabon mit einem Fischtrawler. Er war auf Standby im Cockpit (edit) mit eingeschaltetem AIS- und Radar-Gerät und segelte mit 18 Knoten Speed bei 32 Knoten Wind. Die Sicht soll sehr schlecht gewesen sein.

Der Fischer traf ihn allerdings nicht mit voller Wucht sondern striff seine Steuerbordseite. Da “Bureau Valley” nicht über Deck-Salinge verfügt, die unweigerlich weggerissen worden wären, hält sich der Schaden möglicherweise in Grenzen.

Aber Burton drehte vor den Wind, um sein Rigg zu retten und entdeckte einen Schaden am Want knapp zwei Meter über Deck. Er wartet auf genug Licht, um den tatsächlichen Ausmaß genau erkennen zu können. Danach will er eine Entscheidung über die Fortsetzung des Rennens treffen. Ein Abbruch ist allerdings sehr wahrscheinlich.

Louis Burton ist mit 27 Jahren der jüngste Skipper im Feld. Das Rennen könnte für ihn zuende sein. © Jean-Marie Liot / DPPI

Louis Burton ist mit 27 Jahren der jüngste Skipper im Feld. Das Rennen könnte für ihn zuende sein. © Jean-Marie Liot / DPPI

Burton lag auf Rang 15 als das Unglück passierte. Mit seinem sechs Jahre alten Farr Design gehörte er alles andere als zum Favoritenkreis, rechnete sich aber einen guten Platz im Mittelfeld aus, nachdem er das alte Schiff von Jeremie Beyou für seine erste Vendée Globe übernommen hatte.

Die Kollision muss ihm wie ein Dejavu vorgekommen sein. Denn schon 2010 war er bei der Atlantik-Regatta Route du Rhum auf seiner Class 40 Yacht von einem Fischer gerammt und verletzt worden. Er konnte das Rennen damals aber beenden.

Le Cléac´h könnte Führung übernehmen

An der Spitze dominiert François Gabart weiterhin das Rennen seit der ersten Nacht. Sein Vorsprung auf den Zweiten Bernhard Stamm beträgt 60 Meilen, ist aber seiner südlichen Position geschuldet. Das Rennen findet zurzeit eigentlich gen Westen statt. Es geht darum, den rechtsgedrehten Starkwind als Erster zu erreichen, um wieder auf Südkurs einschwenken zu können.

Dabei hat Vincent Riou, der sich als erster für diese Strategie entschied, gar nicht so schlechte Karten auch wenn er zurzeit auf Rang zehn geführt wird. Aber besonders der Dritte Armel Le Cléac´h mit “Banque Populaire” scheint sich exzellent zu dem erwarteten Wind positioniert zu haben. Er könnte Gabart die Führung streitig machen.

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Day 4 Highlights – Dienstag, 13. NOV 2012 von VendeeGlobeTV

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Vendée Globe: Louis Burton zweites Opfer einer Fischtrawler-Kollision“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Man man man, diese fahrlässigen Vollidioten. Einfach so schlafen… Wissen die nicht, dass man bei einem Rennen rund um die Uhr das beste aus seinem Boot holen muss?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 15

  2. avatar T.K. sagt:

    Was ich nicht verstehe: Da hat man AIS und Radar an. OK AIS kann schon mal beim Fischer ausgeschaltet sein, wenn er illegal fischt….oder unter 300 BRT hat.
    Warum aber wird so ein Stahldampfer nicht vom Radaralarm erfasst, der gibt ein uper Radarecho?? Stealthfischer kenne ich jedenfalls nicht!

    Bei den auf diesen Rennyachten verbauten Autopiloten muss es doch auch möglich sein um ein kleines Hindernis einen automatischen kleinen Schlenker zu segeln ohne dass der schnachende Skipper geweckt werden muss. Kann mir nicht vorstellen, dass das nicht geht.

    Selbst mein kleines 2KW Radarradom hat mich bislang immer zuverlässig auf Gefahren hingewiesen. Selbst normale unbeleuchtete Tonnen habe ich problemlos sehen können. OK- der Seegang kann ein Problem sein, allerdings dürften die Radargeräte ausreichend hoch bei den Rennyachten liegen, immerhin sollen die ja auch vor Eisbergen warnen, welche bekanntlich nicht mit AIS rumtreiben.

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    • avatar Stumpf sagt:

      Ich kenne mich da leider auch nicht aus. Warum funktioniert das nicht mit dem Radar? Könnte uns nicht mal ein kompetenter Mitleser erhellen…

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    • avatar Metazentriker sagt:

      Prinzipiell ist ein automatisches Ausweichsystem möglich. Es gibt auch automatische Steuerugssysteme für Schiffe, die sind jedoch nicht an das Radar oder AIS gekoppelt sondern an einen digitalen Kompass. Die Kopplung an Radar oder AIS würde regelungstechnisch und von der Programmierung her deutlich komplexer und damit teurer. Außerdem hat die Berufsschiffahrt für ein Ausweichsystem aus verschiedenen Gründen keine Verwendung.
      Wenn das AIS abgeschaltet ist und das Radar keine Antwort gibt, dann nützt ein solches System auch nichts mehr.

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    • avatar 123 sagt:

      Und dann soll der Autopilot die Segel einfach ignorieren, und unter großem gennaker einfach mal so 20° anluven?

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      • avatar T.K. sagt:

        Es müssen gar keine 20 Grad seinn. Es reicht schon um 5 Grad den Kurs zu variieren wenn man noch 1 sm vom Target entfernt ist. Dann ändert das immerhin den Kurs um rund 160m nach 1 sm! D.h. Keine Änderung der Segelstellung für eine knappe Meile, aber man dampft am Trawler sicher vorbei- OK wenn der länger als 160m ist, dann muss man eben früher ausweichen.

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    • avatar Janni sagt:

      Na ja, ein 2kW Radar mit einer Radomantenne ist nicht unbedingt für die Open 60 Bedingungen designt.
      Die Berufsschifffahrt nutzt 10kW oder 25kW Transceiver mit 7 – 9 Fuß Antennen.
      Die Antennenlänge ist entscheidend für die Auflösung der Ziele, je länger die Antenne, desto feiner ist die horizontale Auflösung.
      Bei den Bedingungen der Open 60 mit 30 Knoten Wind und mehreren Metern Welle ist ein kleines Fischerboot schlecht zu erfassen. Wenn es dann auch noch aus Holz ist oder der Aufbau aus Holz gebaut ist, ergibt das in den Wellen kaum Radarrückstrahlfläche. Da spricht dann keine automatische Zielerfassung mehr drauf an.
      Die Herausforderung ist es, zwischen Ziel und nicht Ziel zu unterscheiden, d.h. ist das nun eine brechende Welle oder ein Fischerboot???

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  3. avatar enzo sagt:

    Liebes SR-Team,

    Herzlichen dank für die zeitnahe und intensive Berichterstattung der Vendee!
    Vor Allem auch für die Einschätzungen von z.B. Jörg Riechers oder HintergrundInfos von Michael Kunst.

    Macht Spass, weiter so!

    En Gruess, enzo

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  4. avatar Seven sagt:

    Erinnert sich noch jemand an die gute alte Zeit als man noch mit Walen oder Containern kollidiert ist?
    …nun ja, Louis Burton und Kito de Pavant können demnächst evtl. für Sea Shephard tätig werden…

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  5. avatar Klaus sagt:

    Also ich als bekennender “Nichtfischesser” finde sowieso schon sehr lange, daß die Weltmeere dramatisch überfischt sind. Von mir aus sollten die Fangquoten drastisch reduziert werden. Gegen Null.

    Wie man sieht nimmt die Überfischung gerade solch bedrohter Arten wie z.B. die der Opensus-sixticus langsam artgefährdende Ausmaße an.

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