Vendée Globe: Marc Guillemot vor Gericht; Geldstrafe nach Haftbefehl

Wilder Ritt im dichten Verkehr

Marc Guillemots wilder Ritt auf dem "Safran"-Vorschiff. © FRANCOIS VAN MALLEGHEM / DPPI

Marc Guillemots wilder Ritt auf dem “Safran”-Vorschiff. © FRANCOIS VAN MALLEGHEM / DPPI

Marc Guillemot hat keine leichte Zeit. Erst verlor er 50 Meilen nach dem Start der Vendée Globe den Kiel, nun muss er 11.600 Euro Strafe zahlen und zusätzlich 5.100 Euro Gerichtskosten übernehmen. Der Southampton Magistrates Court bezichtigt ihn eines Verkehrsvergehens, das ihm am 6. Juni in der Straße von Dover passierte.

Damals ist er von der Dover Coastguard dabei erwischt worden, wie er sich auf der Südwest-Spur des Verkehrstrennungsgebietes in in nordöstlicher Richtung  segelte. Guillemot war mit Crew am Lizard Point gestartet, um seinen eigenen Rekord rund England zu brechen.

Während der Open60 “Safran” das Gebiet passierte, sollen zahlreich Frachtschiffe ihren Kurs geändert haben, um eine Kollision zu vermeiden. Die Coastguard habe versucht, mit Guillemot in Verbindung zu treten, konnte es aber erst nach mehreren Versuchen Kontakt aufnehmen.

Der enttäuschte Marc Guillemot nach seinem Ausscheiden bei der Vendée Globe. © JEAN MARIE LIOT / DPPI

Der enttäuschte Marc Guillemot nach seinem Ausscheiden bei der Vendée Globe. © JEAN MARIE LIOT / DPPI

Der Skipper soll geantwortet haben, dass er versuche einen Rekord zu brechen und nicht gewillt sei, den Kurs zu ändern. “Safran” soll insgesamt 28 Meilen in der falschen Richtung gesegelt sein.

Kaimes Beasley von der Dover Coastguard betont, dass das Verkehrstrennungsgebiet in der Straße von Dover das am meisten befahrenste der Welt ist. “Herr Guillemot hat sich rücksichtslos verhalten bei seiner nächtlichen Navigation nicht nur vor Dover sondern auch im Gebiet vor Sunk. Er setzte seine Crew und andere Schiffe einem großen Risiko aus, um seinen Rekord zu brechen.”

Bei der Verhandlung war es besonders schwierig, den Franzosen vor Gericht zu bekommen, da er sich in der Vendée Globe Vorbereitung befand. Aber am 12. Juli wohnte er einem Treffen bei, um sich über die genauen Vorwürfe zu informieren. Er akzeptierte die Darstellung der Fakten, wurde aber im September und Oktober noch einmal zu  Hearings in Southampton geladen.

So einsam konnte "Safran" beim Rekordversuch im Verkehrstrennungsgebiet nicht segeln. Die Küstenwache passte auf.  © FRANCOIS VAN MALLEGHEM / DPPI

So einsam konnte “Safran” beim Rekordversuch im Verkehrstrennungsgebiet nicht segeln. Die Küstenwache passte auf. © FRANCOIS VAN MALLEGHEM / DPPI

Zu diesen Terminen erschien Guillemot nicht persönlich, schickte aber seinen Anwalt. Der Richter duldete die Abwesenheit aber nicht und erließ sogar einen Haftbefehl. Guillemot ging allerdings dagegen vor, und bekam Recht, so dass sein Erscheinen vor Gericht erst nach der Vendée Globe erfolgen durfte.

So musste der enttäuschte Einhandsegler nach seinem unglücklichen Ausscheiden bei der Vendée Globe sofort vor dem britischen Gericht erscheinen. Die Strafe dürfte nicht dazu beigetragen haben, seine Laune und die des Sponsor zu verbessern.

Auch während der Vendée Globe hatte es Probleme mit dem Verkehr auf hoher See gegeben. Fünf Skipper wurden mit einer Stop-and-go-Strafe belegt.

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „Vendée Globe: Marc Guillemot vor Gericht; Geldstrafe nach Haftbefehl“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Hahaha, dass er als Franzose mit den Worten “dass er versuche einen Rekord zu brechen und nicht gewillt sei, den Kurs zu ändern” dran ist, hätte ihm bewußt sein müssen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 17 Daumen runter 0

  2. avatar Tha Sailor sagt:

    Also ich finde, er hat sich komplett richtig verhalten!!
    Die Berufsschiffahrt übertreibt schnell, was die Kursänderung angeht…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 23

    • avatar Heini sagt:

      voll daneben !

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

      • avatar Tha Sailor sagt:

        Schon mal irgendwo gesegelt, wo es viel Berufsschiffahrt gibt?
        dann wüsstest du um dieses sensible Thema…

        Also, wie einst ein Philosoph sagte: Wenn man von einem Thema nichts weiß, soll man schweigen.

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        • avatar Toter Kennedy sagt:

          Gelehrter Unfug, oder irre ich mich?

          Wittgenstein im Tractatus logico-philosophicus im Vorwort: „Man könnte den ganzen Sinn des Buches etwa in die Worte fassen: Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.“ Ganz ähnlich dann der berühmte Satz 7 des Buches. Das ist inhaltlich aber leider etwas ganz was anderes – und übrigens überaus umstritten, wie eigentlich alle philosophischen Theorien.

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