Vendée Globe: Thomson kollidiert, Gabart rast mit 545 Meilen Rekord-Etmal in Führung

"Ein lauter Knall"


Day 31 highlights – Monday, December 10, 2012 

Der Brite Alex Thomson ist bei der Vendée Globe mit einem unbekannten Objekt kollidiert. Er beschädigte dabei auf seiner “Hugo Boss” die Ruderaufhängung und einen der am Heck hängenden Hydrogeneratoren. Die vorläufige Reparatur ließ seinen Rückstand auf 160 Meilen anwachsen.

Alex Thomson war die Überraschung der Vendée Globe bisher. Jetzt wurde er durch eine Kollision gebremst. © Hugo Boss

Alex Thomson war die Überraschung der Vendée Globe bisher. Jetzt wurde er durch eine Kollision gebremst. © Hugo Boss

Thomson, der nach dem ersten Eistor den Anschluss zur Spitzengruppe verloren hatte und gut 200 Meilen zurückgefallen war, feierte am zweiten Tor ein Comeback und überholte sogar Bernhard Stamm und Jean-Pierre Dick.  Aber am Sonntag verlor er plötzlich in vier Stunden gut 30 Meilen und rutschte auf Rang fünf zurück.

Jetzt erklärte Thomson die Probleme der letzten Tage. “Als ich bei 28 Knoten Wind unter zwei Reffs und der Solent Fock mit 22 Knoten unterwegs war, hörte ich einen lauten Knall. Irgendetwas war gegen Kiel oder Schwert gestoßen. Es rumpelte den Rumpf entlang und traf schließlich das Ruder und den Hydrogenerator. Als ich aus dem Niedergang stürzte war das Ruderblatt in der Luft und der Generator schleppte hinterher. Das Schiff drehte sofort in den Wind. Ich rollte das Vorsegel ein und begutachtete den Schaden.”

Demnach ist zwar die Rudersicherung  gebrochen, die das Blatt unten hält, aber es ist wie bei solchen Fällen vorgesehen ohne großen Schaden hochgeklappt. Allerdings brach die Verbindung zwischen Ruder und Pinne in drei Teile. Diese Stange auf der anderen Seite hatte Thomson schon vor drei Wochen geflickt.

Reparatur halb unter Wasser

Am Heck sind die beiden Queverbindungsstangen zu sehen und die beiden hochgeklappten Hydrogeneratoren. Eine Stange ist gebrochen. © Hugo Boss

Am Heck sind die beiden Queverbindungsstangen zu sehen und die beiden hochgeklappten Hydrogeneratoren. Eine Stange ist gebrochen. © Hugo Boss

Der Brite musste also die reparierte Stange aus der Halterung lösen und sie für die gebrochene Verbindung einsetzen, um weitersegeln zu können. Dabei lässt sich nur erahnen, wie er bei starkem Wellengang arbeitete. “Es war ziemlich gefährlich. Die Brecher krachten über das Heck und den Traveller während ich teilweise unter Wasser am Spiegel hantierte.”

Einige Wellen trafen von hinten  die hochgestellten Ruderblätter und ließen sie querschlagen. Die Kassetten-Aufhängungen wurden beschädigt. Nach der Rücksprache mit dem Team repariert Thomson nun erneut die gebrochene Ruderstange und erklärt, dass er deshalb nicht in der Lage sei, mit 100 Prozent zu segeln.

“Die Reparatur ist schwieriger als beim letzten Mal weil es keine sauberen Bruchstellen sind. Die äußeren Bedingungen sind auch heftiger. So kann ich den Schaden an der Ruder-Kassette erst beheben, wenn das Deck trocken ist. Aber das Team glaubt, diese Repararatur sei im Moment nicht so wichtig.”

Stromsparmodus

Die Situation bei der Vendée Globe am 11.12. Thomson (l.) ist auf 160 Meilen zurückgefallen, Gabart hat kurz vor dem dritten Eistor die Führung übernommen.

Die Situation bei der Vendée Globe am 11.12. Thomson (l.) ist auf 160 Meilen zurückgefallen, Gabart hat kurz vor dem dritten Eistor die Führung übernommen.

Problematischer könnte der Verlust des Hydrogenerators sein, dessen Schaft abgebrochen ist. Thomson bleibt nur noch ein Generator für die Stromerzeugung. “Ich muss deshalb Strom sparen und  Computer, GPS, Telephon abschalten, wenn ich es bis zum Ziel schaffen will.”

Thomson berichtet über eine weitere Schrecksekunde in der vergangenen Nacht als der Autopilot Alarm ausgelöst wurde. “Ich schlief, als sich das Schiff plötzlich aufrichtete und wendete. Das Ruder war hochgeklappt und die Sicherung wieder gebrochen. Ich suchte nach einem Schaden, konnte aber nichts finden. Weiter gings. Wieder ein paar Meilen verloren, aber nicht so viele.

Das Vendée Globe Feld nähert sich Australien.

Das Vendée Globe Feld nähert sich Australien.

Im ganzen Jahr ist es mir nur dreimal passiert, dass das Ruder hochklappte, weil es etwas im Wasser traf. Da scheint es etwas heftig, dass es nun zweimal an einem Tag passiert. Gott sei Dank funktioniert die Sicherung mit der Sollbruchstelle und das Blatt wurde nicht beschädigt.”

Gabart mit neuem Rekord

Der Ärger für Thomson droht allen Vendée Globe Teilnehmern. Jeden Moment kann solch ein Rückschlag drohen oder das Rennen sogar ganz beendet sein. Aber niemand denkt daran, deshalb vom Gas zu gehen. Besonders nicht Francois Gabart, der extrem hart puscht und den 24 Stunden Einhand Rekord noch einmal verbesserte auf unglaubliche 545 Meilen.

Fracois Gabart katapultiert seine "Macif" mit dem 24 Stunden Rekord in die Führungsposition. © Jean-Marie Liot / DPPI

Fracois Gabart katapultiert seine “Macif” mit dem 24 Stunden Rekord in die Führungsposition. © Jean-Marie Liot / DPPI

Nicht unbedeutdender Nebeneffekt ist die Tatsache, dass sich der junge Franzose dabei in die Führungsposition schob. Er schoss geradezu an Armel Le Cléac’h vorbei und nahm ihm im gleichen Windfeld in zwei Tagen gut 40 Meilen ab. Bei der Passage des dritten Eistores liegt Gabart mit “Macif” 8 Meilen in Führung.

“Ich weiß auch nicht, warum ich so schnell bin bei den gleichen Wetterbedingungen”, sagt Gabart. “Vielleicht habe ich die Segel anders eingestellt als Armel. Es ist sehr laut, wenn ich konstant mit 22 bis 26 Knoten segele, aber man gewöhnt sich daran. Der Autopilot funktioniert gut, das Schiff ist perfekt ausbalanciert.”

Le Cléac’h sagt: “Glückwunsch zum 24 Stunden Rekord! Ein 23 Knoten Schnitt ist schon etwas. Vielleicht geht er ein größeres Risiko. Aber ich konzentriere mich auf mein eigenes Rennen, und wir müssen noch eine Weile segeln.”

Aber psychologisch dürfte es schon ein schwerer Schlag sein, vom Kollegen auf dem Schwesterschiff auf direktem Kurs so düpiert zu werden. Es mag nur eine Frage der Zeit sein, bis Le Cléac’h wieder versucht, durch einen taktischen Ausbruch zu punkten.

Vendée Globe Tracker

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *