Vendée Globe aktuell: Alex Thomson in Führung aber Ruyant und Dalin machen Druck

Der Vorsprung schmilzt

Alex Thomson hat bei der Vendée Globe als Erster den Äquator passiert, fünf Stunden und 47 Minuten vor Thomas Ruyant (LinkedOut). 1:45 danach erreichte Charlie Dalin (Apivia) den Süden. Beide Verfolger holen weiter auf.

Alex Thomson wählt einen westlichern Kurs als die beiden Verfolger, die eine Abkürzung versuchen.

Alsex Thomson hat sich erleichtert über seine erfolgreiche Äquator-Passage geäußert. “Ich bin immer sehr besorgt, in den Doldrums viel zu verlieren. Daher bin ich sehr froh, es schnell geschafft habe, rein und raus zu kommen. Jetzt liege ich an der Spitze, und das ist genau da, wo ich sein möchte. Diese Position am Äquator gibt mir viel Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Bootes aber auch in meine eigenen Fähigkeiten und meine Entscheidungsfindungen.”

Seine Bilanz zum ersten Abschnitt des Rennens: “Ich habe schon erwartet, dass der Start des Rennens hart sein würde, aber es ist nicht normal, dass es so intensiv sein würde, das ist sicher.“ Diese vielen wechselnden Wettersysteme und dann sogar noch einen Tropensturm, das sei so zuvor noch nicht wirklich passiert. „Es war sehr hart. Ich habe sehr wenig geschlafen.“

Wie sich der Abstand von Hugo Boss zu LinkedOut (blau) und Apivia (gelb) verändert hat.

Der momentane Erfolg macht die Mühen wert. Aber ganz zu sicher kann er sich nicht sein. Denn die beiden Verfolger mit ihren Verdier- Konstruktionen sind noch besser durch die Doldrums gekommen und weiterhin schneller unterwegs. Thomsons Vorsprung auf Ruyant ist auf 22 Meilen geschrumpft. Dalin hat noch mehr aufgeholt und liegt nur noch 51 Meilen zurück.

Die jüngsten 24 Stunden-Werte

Die Zahlen täuschen allerdings ein wenig, weil Hugo Boss bezogen auf die Ideallinie und den Wegepunkt Kapstadt einen westlicheren Kurs steuert. Die beiden Gegner versuchen sich gerade mit der Innenkurve eine Abkürzung zu nehmen.

Die 24 Stunden Meilen-Unterschiede der drei führenden Boote. Thomson (schwarz) war zuletzt langsamer.

Ihre Speed-Daten zeigen an, dass sie immer noch schneller sind als das schwarze Boot. Sie holen immer weiter auf. Aber Alex Thomson steuert eben auch einen stumpferen Winkel, um näher an die brasilianische Küste zu gelangen. Das ist eine strategische Entscheidung. Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob sich die Routing-Differenzen weiter bestätigen und ob der Brite weiter in der Lage ist, die Angriffe zu parieren.

Boris Herrmann hat inzwischen auch den Äquator passiert. Im direkten Vergleich mit der schnellen Samantha Davies, die ihn zuletzt oft besiegt hatte, sieht er momentan sehr gut aus und behauptet 20 Meilen voraus Rang sieben. Aber auch Davies steuert einen westlicheren Kurs.

Die beiden Gegner voraus PRB und Bureau Vallée waren allerdings zuletzt schneller unterwegs. Und von hinten rauscht auch Maitre Coq zuletzt erstaunlich schnell heran. Der Rückstand beträgt nur noch 25 Meilen. Der Vierkampf um Rang vier ist zu einem Fünfkampf geworden. Jean Le Cam hält sich mit seinem Nicht-Foiler weiterhin sensationell auf Platz vier, es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis er die direkten Gegner vorbeifliegen sieht.

So geht es weiter. Die Umfahrung des St. Helena Hochs wird kompliziert. Es wird für die Skipper wichtig, möglichst lange mit den besten zu ihrem Boot passenden Windwinkeln steuern zu können.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

4 Kommentare zu „Vendée Globe aktuell: Alex Thomson in Führung aber Ruyant und Dalin machen Druck“

  1. avatar Harrie Jasses sagt:

    Bin ich der einzige, der sich fragt, warum Alex das Risiko mit der westlichen Route auf sich nimmt und einen solchen Split als Führender zulässt?

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    • avatar Till sagt:

      Frage ich mich ebenfalls, allerdings erschien es so als sein Hugo Boss bei weniger raumen Kursen nicht so Leistungsfähig wie LinkedOut und apivia und er erhofft sich durch die westlichere Position den idealen Kurs für Hugo Boss zu erwischen und somit den (möglicherweise) doch vorhanden Speedvorteil seiner Konstruktion zu nutzen. Wie von VPLP gesagt ist Hugo Boss eben für sehr Raume Kurse ausgelegt, im southern ocean sollte sie ihre Stärke als ausspielen können, allerdings nur dann wenn Alex bis dahin im selben Wettersystem wie apivia und LinkedOut ist. So erkläre ich mir den Split zumindest… ansonsten macht das ganze absolut keinen Sinn.

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  2. avatar Fastnetwinner sagt:

    Man hat ja so seine 3 bis 4 Szenarien die gut funktionieren könnten. Oftmals bedingen die Szenarien aber, dass man zwischen Ihnen nicht einfach so hinunter tauschen kann, weil da dann mal eine Flaute zwischen den Szenarien liegt, oder man schneller an das Wettersystem weiter im Süden drankommt.

    Deshalb macht er den Split nicht zu. Sea Wolfe auf YouTube erklärt dies gut:
    https://www.youtube.com/watch?v=jbIzMjuUO1w

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  3. avatar Harrie Jasses sagt:

    Interessante Einschätzungen!

    Auf Boris Kanal hat Will Harris auch eine nette Zusammenfassung der Optionen erstellt:

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