Vendée Globe aktuell: Alex Thomson wieder auf Kurs – Dalin setzt sich ab – Herrmann 6.

"Nicht auf dem Negativen herumreiten"

Alex Thomson bei der Vendée Globe ist zurück im Rennmodus. Er verliert fast 500 Meilen, sieht es aber positiv. Charlie Dalin (Apivia) an der Spitze hat seinem Verfolger 50 Meilen abgenommen. Boris Herrmann kommt stabil durch die Flaute.

Das Spitzenduo segelt davon. Burton (gelb), Davies (rot) und Thomso (schwarz) versuchen einen Split.

Die ersten beiden Boote sind in der Nacht der Flotte weiter davon gefahren. Dabei hat insbesondere der Führende Charlie Dalin (Apivia) bei leichtem Wind mehr als 300 Meilen in 24 Stunden hinter sich gebracht, während die Verfolgergruppe kaum 230 Meilen schaffte. Erstaunlich sind die 50 Meilen mehr, die er im Vergleich zu Thomas Ruyant (LinkedOut) schaffte. Dies liegt jetzt knapp 40 Meilen zurück. Es wird vermutet, dass Dalin für die leichten Vorwind-Bedingungen einen schnelleren großen Gennaker zur Verfügung hat. Die Segelauswahl

Charlie Dalin begrüßt die Sonne auf dem Weg gen Osten. © Dalin / VG

Beide Führungsboote bewegen sich mit vielen Halsen – Dalin 10, Ruyant 9 – in einem schmalen Windband zwischen einem Hoch- und Tiefdruckgebiet und steuern auf ein perfektes Timing zu, um die Spitze eines sich ostwärts bewegenden Tiefdrucksystems zu erreichen. Sie könnten ihren Vorsprung dann auf bis zu 800 Meilen ausdehnen.

Thomson wieder dabei

Dieses Szenario hätte auch Alex Thomson in die Karten spielen sollen, wenn er denn in der Dreier-Gruppe verblieben wäre. Insofern kam sein Schaden wettterstrategisch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Zwar konnte er auf diese Weise in der Flaute sein Schiff reparieren, aber er hat dadurch auch den Zug nach vorne verpasst. Thomson vermeldet zwar schon am Abend, sich wieder im Rennmodus zu befinden, war in den vergangenen vier Stunden aber mit Abstand langsamstes Schiff der Spitzengruppe.

Alex Thomson berichtet über seine Reparatur-Fortschritte. © ATR

Aber der Hugo-Boss-Skipper ist froh, überhaupt noch dabei zu sein. Er freut sich erstmal über die positiven Dinge. “Ich habe wieder ein Segel gesetzt! Ich segele in die richtige Richtung, und ich bin wieder im Rennen. Darüber bin ich sehr glücklich. Es waren ein paar harte Tage, verdammt viel Arbeit – Schneiden, Schleifen, Schleifen, Kleben, und es bleibt noch viel zu tun. Es ist sicher noch nicht vorbei, aber die Struktur im Bug ist jetzt stabil, sie bewegt sich nicht mehr und so kann ich bei diesen moderaten Bedingungen in die richtige Richtung segeln. Glückliche Tage”.

Die Gesamtsituation sei natürlich enttäuschend, “aber ich werde hier nicht auf den Negativen herumreiten. Es gibt viel mehr Positives. Es ist positiv, dass ich den Schaden gefunden habe, bevor er sich zur Katastrophe entwickelte, es ist positiv, dass es bei dem leichten Wind geschah, und sich die Flotte  nicht mit 500 Meilen pro Tag entfernte. Ich bin also einfach superglücklich, dass ich immer noch im Rennen bin. Es hätte so leicht das Ende  sein können”.

Hugo-Boss-Déjà-vu

Es mag Alex Thomson wie ein Déjà-vu vorkommen. Bei der Vendée Globe vor vier Jahren etwa zur gleichen Zeit am 20.11. erlebte er die Kollision, die ihn den Rennsieg kostete. Er segelte danach noch ein unglaubliches Rennen, kam aber nicht mehr an Armel Le Cleac’h vorbei.

Das hat er im Kopf, wenn er sagt: “Ich war schon einmal hier, und alles, was man tun kann, ist, wieder auf die Beine zu kommen und weiter Gas zu geben. Ich habe wahrscheinlich noch anderthalb Nächte Arbeit vor mir, aber für die nächsten Tage wird der Wind leicht bleiben. Also gute Bedingungen für mich, die Arbeit zu Ende zu bringen”.

Der Brite hat einen südlicheren Kurs eingeschlagen und versucht sich durch die Flaute zu kämpfen, um ein von Westen heran rauschendes Wettersystem zu erreichen – so wie es Louis Burton (Bureau Vallée) tut und offenbar auch Sam Davies (Initiatives – Coeur). Das Ergebnis dieses Splits wird sich erst in einigen Tagen zeigen.

Boris und der Rest

Boris Herrmann hält sich stabil in der Spitzengruppe, musste aber am Morgen Yannick Bestaven (Maitre Coq) passieren lassen, mit dem er seit Tagen gleichauf liegt. Einer der Schnellsten ist zurzeit wieder der unglaubliche Jean Le Cam, der mit seinem Nicht-Foiler bei diesen Bedingungen wieder mehr als konkurrenzfähig ist. Er versucht, sich auch noch südlich am Hoch vorbei zu mogeln und konnte sich jetzt direkt vor Kevin Escoffier (PRB)  platzieren. Wenn es klappt,  spielt er weiterhin ganz vorne mit.

Boris Herrmann erklärt, welche Segel er zur Verfügung hat und wie er sie wechselt:

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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