Vendée Globe aktuell: Ruyants 508 Meilen – “Hugo Boss” langsamer – Herrmann überholt

Ziehharmonika-Effekt

Die beiden Jäger Ruyant und Dalin machen bei der Vendée Globe gut 30 Meilen auf Thomson gut. Der hat aber noch 100 Meilen Vorsprung. Boris Herrmann surft als viertschnellstes Schiff der Flotte schon auf Platz acht vor.

Die Situation am 9. Renntag der Vendée Globe. Dalin (gelb) und Ruyant (blau) machen Druck auf Thomson. Herrmann (grau) passiert Davies (rot) und ist bald 7.

Alex Thomson will nicht glauben, dass ihn die notorische Flautenzone der Doldrums-Passage diesmal unbehelligt durchlassen soll. “Alle sagen das, aber ich bereite mich auf das Schlimmste vor.” Tatsächlich spricht aber viel dafür, dass die Spitzengruppe bei der Vendée Globe perfekte Bedingungen erlebt. “Hugo Boss” wird zwar schon jetzt etwas eingebremst, sollte aber nach dem sich abschwächenden Nordost- zuerst in den stärkeren Südost-Wind kommen und den Ziehharmonika-Effekt erleben. Nach dem Einbremsen kann Thomson zuerst wieder Gas geben. Die sonst in den Doldrums möglichen Überholmanöver sind unwahrscheinlich.

Nach dem Nordost- kommt der Südost-Passat. Die grünen Windfelder sind beim Übergang im Süden verbunden.

Das Sattellitenbild zeigt kaum Wolken über einer schmalen Doldrum-Passage nd damit wenig Aktivität.

Bis dahin geben aber Thomas Ruyant (LinkedOut) und Charlie Dalin (Apivia) mit ihren beiden Verdier-Designs (SR-Interview mit Guillaume Verdier) mächtig Gas. Und die Tatsache, dass sie bessere 24-Stunden-Wert erzielten, könnte ihm Sorgen machen. Thomson schaffte bei dieser Vendée Globe bisher 483,6 Meilen, Dalin 487,7 aber Ruyant sogar 508,2. Die Werte wurden alle am Montag erreicht. Ruyant war kurz davor den bon Thomson im Januar 2017 bei der Vendée Globe aufgestellten Rekord von 536.81 zu knacken, wurde dann aber auch langsamer.

Beide Franzosen haben gut 30 Meilen auf den Führenden gutgemacht. Sie segeln jetzt bei perfekten Foiler-Bedingungen im Schnitt drei Knoten schneller als Nicht-Foiler Jean Le Cam und Ruyant hat ihn schon auf Rang drei verwiesen.

Der mit PRB fünftplatzierte Kevin Escoffier preist die “perfekten Surfbedingungen” und erklärt: “Im Moment wehen die Passatwinde auf der Südhalbkugel eher östlich als normalerweise südöstlich. Je paralleler die Passatwinde in den beiden Hemisphären wehen, umso leichter sind die Doldrums zu queren. Das sind gute Bedingungen, aber trotz allem ist der Wind ziemlich instabil. Ich glaube, ich bin vielleicht etwas zu weit östlich.

Es gibt gerade viel Seegras im Wasser. Deck und Cockpit sind voll davon. Es verklemmt auch meine Hydrogenerator. Ich kann mich nicht erinnern, so etwas je in dieser Zone gesehen zu haben. Normalerweise ist es näher an den karibischen Inseln.”

Nicolas Troussel motort mit seinem gebrochenen Rigg  zu den Kapverden und wird dort in drei Tagen erwartet. Der Japaner Kojiro Shiraishi versucht auf DMG-Mori sein Großsegel zu flicken, und Jérémie Beyou ist in Les Sables d’Olonne erneut gestartet.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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