Vendée Globe: Alex Thomson gibt Rücktritt bekannt – Neuer Skipper

"Mehr um die Kinder kümmern"

Nach fünf Vendée-Globe-Teilnahmen in Folge wird Alex Thomson (47) nicht bei der nächsten Vendée Globe teilnehmen. Der charismatische Brite plant für sich eine neue Rolle.

Alex Thomson. © Alex Thomson / Hugo Boss

Alex Thomson hat bekannt gegeben, dass er 2024 nicht mehr als Skipper bei der Vendée Globe antreten wird. Er schließt zwar nicht aus, dass er 2028 wieder dabei sein könnte, aber in seiner Erklärung deutet viel darauf hin, dass er nach 19 Jahren im IMOCA-Zirkus dauerhaft als Skipper ausscheidet.

Thomson erklärt in einer Pressemitteilung: “Ich habe das Privileg, seit fast 20 Jahren IMOCA 60s zu segeln. Ich liebe diesen Sport, aber jetzt ist es an der Zeit, dass ich mehr Zeit mit meiner jungen Familie an Land verbringe. Meine Frau Kate hat unsere Kinder in den letzten 10 Jahren allein großgezogen, während ich meinen Traum verfolgte. Jetzt möchte ich Kate unterstützen und ihr die gleiche Chance geben, die sie mir gegeben hat. Das bedeutet nicht, dass ich mich zur Ruhe setze, sondern nur, dass ich meine Rolle ändere und nicht mehr die meiste Zeit auf See verbringe, sondern mehr an Land.

Alex Thomson beim Fastnet-Start vor Apivia. © ATR

Abgesehen von meiner Rolle als Skipper habe ich immer geglaubt, dass es meine Aufgabe ist, ein Botschafter für unseren Sport zu sein und einem internationalen Publikum die Geschichten zu erzählen. In den letzten 20 Jahren sind wir in jeden Winkel der Welt gesegelt, von Russland bis Mexiko, Kanada, Australien und Taiwan und sogar den Jangtse hinauf nach Shanghai, China! Es gibt eine riesige weltweite Fangemeinde, die die Vendée Globe verfolgt und liebt. Ich möchte weiterhin für den Sport werben, die Geschichte erzählen und mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben, aber mit einem Schwerpunkt auf der nächsten Generation”.

Das Ziel bleibt: Sieg bei der Vendée Globe

Thomson betont, dass sein Team zusammenbleiben wird. Er nennt es nicht mehr Alex Thomson Racing, sondern 5 WEST LIMITED. Dahinter verbirgt sich eine Firma, der Sir Keith Edward Mills vorsteht, einer der größten Förderer des britischen Segelsportes. Sie ist in Gosport beheimatet und wird mit 22 Mitarbeitern gelistet.

“Unser Ziel war es immer, die Vendée Globe zu gewinnen, die für mich die härteste sportliche Herausforderung ist, die es heute auf der Welt gibt”, so Thomson weiter. “Das haben wir noch nicht geschafft. Dies ist der Beginn eines neuen Kapitels, mit einem neuen Skipper. Und wir werden ihm oder ihr alle Werkzeuge, das Wissen, die Erfahrung und das Umfeld zur Verfügung stellen, um zu gewinnen.”

Die revolutionäre jüngste Hugo Boss hielt mit ihrem runden Flügel-Design nicht, was sie versprach. © Hugo Boss

Wer dieser Skipper sein wird, ist noch nicht klar. Zuletzt machte Thomson Schlagzeilen, weil seine Yacht zum Verkauf steht. Demnach plant der Rennstall offenbar einen Neubau.

Der technische Direktor Ross Daniel, der seit 20 Jahren mit Thomson zusammenarbeitet, sagt: “Nach acht Weltumsegelungen haben wir enorm viel gelernt. Wir haben einige der innovativsten Boote der Klasse entworfen und gebaut, und unser Boot von 2016 wurde als das Referenzboot seiner Generation angesehen. Wir werden auch weiterhin unsere Erfahrung bei der Entwicklung und dem Bau von Booten und der Durchführung erfolgreicher Kampagnen nutzen. Ich freue mich auf die nächste Kampagne, die zur Vendée Globe im Jahr 2024 führt.”

Weiter mit Hugo Boss?

Obe es mit Hugo Boss weitergeht, ist längst nicht klar. Der Brite bedankt sich bei seinem treuen Sponsor: “Natürlich wäre nichts von dem, was wir erreicht haben, ohne unsere Partner möglich gewesen. Ich bin HUGO BOSS unendlich dankbar für die Unterstützung und Loyalität, die sie mir entgegengebracht haben.

Alex Thomson nach seinem Mast-Walk-Stunt. © Mark Lloyd / www.lloydimages.com

Gemeinsam haben wir 18 Jahre lang Menschen auf der ganzen Welt inspiriert und begeistert und uns zu einer führenden Marke im Segelsport entwickelt. Ich bin sehr dankbar, dass ich so eng mit dem Team von HUGO BOSS zusammenarbeiten konnte und mit so vielen kreativen und inspirierenden Menschen zusammenarbeiten durfte, von denen viele Freunde fürs Leben bleiben werden.”

Die Worte hören sich wie ein Abschied an. Das Sponsoring durch Hugo Boss hing schon sehr mit der Person von Alex Thomson zusammen. Der sportliche Erfolg schien selten im Mittelpunkt zu stehen. Die Marke profitierte insbesondere von seinen legendären Stunts, wie zuletzt den Mast Walk.

Thomson wird fehlen

“Ich möchte mich bei allen bedanken, die bisher an dieser Reise teilgenommen haben. Meinem früheren und jetzigen Team danke ich für das Engagement und das Vertrauen, das ihr mir entgegengebracht habt. All unseren Partnern und Lieferanten für ihre Unterstützung und natürlich unseren treuen Fans. Der größte Dank geht natürlich an meine Frau Kate, die bei jedem Schritt an meiner Seite war”, sagte Thomson.

Alex Thomson, Business, Sponsor

Der Herr im engen Schwarzen spaziert über sein Rigg. © alex thomson racing

Der Rückzug von Alex Thomson ist keine große Überraschung. Seine Vendée Globe ist enttäuschend verlaufen. Das Schiff hielt nicht, was sich der Skipper von ihm versprach. Und der Brite musste große Risiken eingehen, um sich im Sturm an die Spitze des Feldes zu setzen. Möglicherweise war das der Grund für die späteren Schäden am Boot. Auch das Fastnet Race verlief unterirdisch.

Der Mann wird der Szene fehlen. Keiner vermochte es so gut, die Fans zu unterhalten und die Dramaturgie der Einhandrennen so nahe zu bringen. Seine Art der Kommunikation ist längst zum Benchmark für die Kollegen geworden. Und der Erfolg der vergangenen Vendée Globe zeigt, wie sehr seine Art der Außendarstellung adaptiert wird. Aber Thomson war schon immer für Überraschungen gut. Irgendetwas Neues wird er sicher wieder aus dem Hut zaubern.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Vendée Globe: Alex Thomson gibt Rücktritt bekannt – Neuer Skipper“

  1. avatar Alex sagt:

    Alex, we love You!
    See You at Silverrudder!
    Alex

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  2. avatar breizh sagt:

    Sehr schade.
    Er konnte zwar segelerisch nicht mit den Franzosen “mithalten” aber er hat den mundfaulen Franzosen gezeigt, wie eine heutige Vermarktung und Kommunikation auszusehen hat. Ich werde seine Berichte sehr vermissen.

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