Vendée Globe: Alex Thomson übermüdet im Ziel – Mit 16 Stunden Rückstand auf Rang zwei

"Endlich schlafen"

Alex Thomson (42) hat am Morgen die Ziellinie der Vendée Globe in Les Sables d’Olonne erreicht. Er erreichte mit “Hugo Boss” auf den 27,636 Meilen nonstop um die Welt einen Schnitt von 15.39 Knoten.

alex thomson, vendee globe

Thomson auf Platz zwei im Ziel der Vendée Globe. © VINCENT CURUTCHET / DPPI / Vendée Glob

Der britische Seeheld Alex Thomson ist im Zielhafen der Vendée Globe von einer jubelnden Menge begrüßt worden, die sich trotz eisiger Minusgrade versammelt hat, um den “Hugo Boss”-Skipper zu empfangen. Die Schlauchboote, die ihn über die Ziellinie begleiteten waren mit Eis bedeckt, und die Fans hüpften auf ihren Booten, um sich warm zu halten.

Thomson strahlt, als er die Ziellinie überquert, aber ein echter Jubel-Tanz gelingt ihm nicht mehr. Zu hart waren die vergangenen Tage. In 32 Stunden sei es ihm gelungen, nur fünf Stunden zu schlafen. An den letzten zwei Tagen habe er die Augen überhaupt nicht mehr zugemacht. Die Probleme mit der Technik, der streikende Autopilot und der Ausfall des Erkennungssystem AIS ließen die Gefahr einer Kollision mit Verkehr im Bereich der französischen Küste immer größer werden.

Sicherheit-Modus

So segelte der Brite die letzten Meilen, als es längst klar war, dass er Armel Le Cleac’h nicht mehr schlagen würde, im Sicherheit-Modus. Dabei ist der Rückstand auf dann doch deutliche 15h 59min 29s angewachsen.

alex thomson, vendee globe

Begrüßung von “Gugo Boss” auf der Ziellinie. © VINCENT CURUTCHET / DPPI / Vendée Glob

Dieses Rennen habe doch sehr viele frustrierende Momente beinhaltet, bekundet Thomson in einer ersten Stellungnahme von Bord, auch wenn er versucht habe, das auf seinen Videos nicht so rüberzubringen. Über das gebrochene Foil möge er gar nicht mehr reden. Es sei auch müßig zu überlegen, wie es ohne den Bruch ausgegangen wäre. So sei eben die Vendée Globe.

Alex Thomson

Immerhin ein kleiner Stunt vom Hugo-Boss-Skipper für die Fans © Vincent Curutchet / DPPI / Vendee Globe

“Ich habe gehofft und gebetet, dass ich Armel noch einhole, aber gut 36 Stunden vor dem Ziel wusste ich, dass es nicht gelingen würde. Ich habe im Rennen viel darüber nachgedacht, was passiert wäre wenn das Foil nicht gebrochen wäre. Aber das ist nun einmal passiert und nun ist es vorbei. Glückwunsch an Armel. Er hat ein großartiges Rennen gesegelt und verdient gewonnen. Ich bin sehr zufrieden mit meinem zweiten Platz.”

Rennen nicht genossen

Auf jeden Fall habe er dieses Rennen nicht so sehr genossen wie das vergangene. Es sei eine große Herausforderung gewesen, sich von dem Frust nicht so sehr herunter ziehen zu lassen. Aber er freue sich nun über den zweiten Platz.

alex thomson, vendee globe

Es ist vollbracht. © VINCENT CURUTCHET / DPPI / Vendée Glob

Über seinen Gegner Armel Le Cléac’h findet er weitere bewundernde Worte. “Er ist eine Maschine. Ein sehr netter Typ, und äußerst zurückhaltend. Das gesamte Banque Populaire-Team hat ausgezeichnet gearbeitet. Einen riesigen Glückwunsch!”

Aber nun wolle er einfach nur schlafen. “Ich will mein Leben zurück!” Ob er noch einmal an den Start gehen will 2020 lässt er noch offen, obwohl sein Team diese Ankündigung schon sehr nahe gelegt hat.

Thomson selber bekundet, dass es  darauf ankomme, ob eine neue Kampagne das nächste Entwicklungslevel erreichen könne. Wenn das so sei, werde er versuchen, beim nächsten Mal einen Platz aufzurücken. Aber er müsse auch seine Frau fragen. Eine auf Sieg ausgerichtete Kampagne kostet rund sechs Millionen Euro.

Kann Thomson gewinnen?

Aber wer weiß, ob er dem Vendée Globe Sieg noch einmal so nahe kommen kann wie in diesem Jahr. Es passiert nicht alle Tage, dass man die Design-Entscheidung so perfekt trifft wie es Thomson und sein Team für diese Regatta geschafft haben. Sie interpretierten die Regeländerungen der IMOCA-Klasse besser als die Franzosen und der Brite hatte ein Schiff zur Verfügung, mit dem er diese Vendée Globe wohl ohne den Foil-Bruch gewonnen hätte.

Aber die Art des längeren schmaleren Flügels exponiert das Schiff eben auch mehr gegenüber den Unbilden der Natur. Und es ist auch längst nicht gesichert, ob der Bruch tatsächlich durch eine Kollision oder durch Überlastung erfolgte.

Fast das Schiff verloren

Dennoch muss man auch bedenken, dass die Vorbereitung des Hugo-Boss-Teams alles andere als perfekt gelaufen ist. Fast genau vor einem Jahr hat Alex Thomson zusammen mit seinem spanischen Co-Skipper Guillermo Altadill bei der Transat Jacques Vabre Transatlantik-Regatta fast das Schiff verloren.

hugo boss abgeborgen

Alex Thomson schwimmt zu seinem Retter, der ihn in den Hubschrauber winscht. © Salvamento Marítimo

Sie hatten das Rennen schon mit Struktur-Problemen abgebrochen, und diese  verschlimmerten sich so weit, dass Wasser einbrach und “Hugo Boss” zu sinken drohte. Schließlich wurden das Schiff auch noch von einer Atlantik-Welle umgeworfen und das Team wurde per Hubschrauber vom Schiff gerettet.

Es war längst nicht klar, ob der nagelneue IMOCA zu retten sein würde.  Aber schließlich war der Zeitverlust für die Vendée Globe Kampagne extrem schmerzhaft. In der Folge musste das Team viele Kompromisse eingehen, und dadurch ist die Konkurrenzfähigkeit von “Hugo Boss” sicher immens beeinträchtigt worden. Vielleicht hat diese Tatsache die französische Konkurrenz auch zu sehr in Sicherheit gewiegt. Es ist jedenfalls umso bemerkenswerter, wie leistungsfähig das Hugo-Boss- Material trotz dieser Schwierigkeiten war.

Beyou auf Rang drei

Sicher auf Rang drei segelt nach wie vor Jérémie Beyou mit Le Cléac’hs ehemaligem Schiff, dass 2013 knapp auf Rang zwei landete. Es wurde mit Tragflächen nachgerüstet. Beyou wird am Montag Morgen im Ziel erwartet.

Der Dreikampf um Rang vier. Das Trio wird noch einmal einen handfesten Sturm erleben.

Der Dreikampf um Rang vier. Das Trio wird noch einmal einen handfesten Sturm erleben.

Besonders spannend ist der Kampf um Rang vier, der hinter ihm tobt. Jean-Pierre Dick mit seinem Foiler der neuesten Generation versucht, sich die Yann Eliés und Jean Le Cam vom Leibe zu halten, die seit Australien Seite an Seite auf Augenhöhe segeln, als hätten sie sich gegen Dick verschworen.

Zurzeit liegt Eliés vorne, aber es sind noch fast 1800 Meilen zu segeln. Das Trio hat noch einmal mit starkem Wind zu kämpfen. Es muss sich zeigen, ob Dick noch einmal seine Foils gewinnbringend einsetzen kann. Im Ziel werden die Boote mit nur wenigen Stunden Abstand erwartet.

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Vendée Globe: Alex Thomson übermüdet im Ziel – Mit 16 Stunden Rückstand auf Rang zwei“

  1. avatar sl sagt:

    Schön das er unverletzt ankam. Alles Gut für ihn, Glückwunsch zum Erfolg nach diesem ungeheuren Kampf. Und eine gute Erholung im Kreis seiner Lieben.

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  2. avatar Kristof sagt:

    Ich habe gelernt, daß nach dem Zieleinlauf sofort eine Jury an Bord kommt und die Sigel am Motor u.ä. prüft.
    Gibt es eigentlich auch Dopingproben? Wie wird das Thema Doping bei solchen Regatten gehandhabt?

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  3. avatar dubblebubble sagt:

    Sehr unterhaltsame und interessante Pressekonferenz von Alex Thompson:

    http://www.dailymotion.com/video/x5940go_d75-alex-thomson-s-press-conference-vendee-globe_sport

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