Vendée Globe: Boris Herrmann wieder Sechster – Bestaven und Dahlin rasen vorne davon

"Vielleicht bin ich ein Softie"

Boris Herrmann steckt mit den Vendée Globe-Verfolgern in der Flaute. Aber er hat sich wieder auf Platz sechs vorgearbeitet und Jean Le Cam überholt. Der hat offenbar ein Problem.

Die Situation an Sylvester. Herrmanns Gruppe steckt in der Flaute. Die ersten beiden ziehen davon.

“Vielleicht bin ich ein Softie. Ich mag es jedenfalls so”, sagt Boris Herrmann und lächelt. Er segelt bei relativ leichtem Wind und hat in den vergangenen 24 Stunden im Vergleich zu den gut 500 Meilen des Schnellsten der Flotte Charlie Dalin nur 275 Meilen geschafft, also deutlich verloren. Aber der Skipper von Seaexplorer Yacht Club de Monaco ist dennoch guter Dinge.

Denn Dalin ist aktuell nicht sein direkter Gegner. Der jagt auf Rang zwei in der endlich schönen langen Pazifik-Dünung mit einem 21-Knoten-Schitt in 24 Stunden vorne weg und zeigt, was sein Foiler noch alles kann. Auch der Führende Yannick Bestaven reizt das Potenzial seines Old-School-Foilers mit einem 18,5-Knoten-Schnitt voll aus. Und beide Skipper scheinen nun wirklich den Absprung schaffen zu können, der ihnen schon seit Tagen prognostiziert wird.

Der 24-Stunden-Speed-Unterschied zwischen dem Schnellsten Dalin (gelb) und Le Cam.

Das Pulk achteraus konnte jedenfalls der Flautenzone doch nicht entgehen. Der Viertplatzierte Thomas Ruyant vermeidet sie gerade noch durch einen nördlichen Kurs. Und er wird den unglaublichen Damien Seguin wohl bald wieder vom dritten Platz verdrängen. Aber die Gruppe dahinter muss auf den stärkeren Südwestwind warten, der sie etwa zum Jahreswechsel erreicht.

Der Veränderung der Distanz zum Führenden zeigt die dramtischen Verluste der Verfolger.

Deshalb haben sie vorerst massiv verloren. Herrmann kommt aber vergleichsweise gut voran. Er liegt nun wieder 70 Meilen vor Isabelle Joschke und hat auch Jean Le Cam überholt. Der hat aber offenbar ein Problem.

Herrmann sagt: “Ich kann sehen, dass Jean in Lee von mir nur eine kleine Besegelung oben hat – ein gerefftes Groß und den kleinen Gennaker. Ich bin mir nicht sicher, warum. Vielleicht hat er ein Problem. Ich habe ein volles Großsegel und den großen Gennaker gesetzt. Auch Benjamin ist nicht weit weg. Wir befinden uns in einer kleinen Hochdruckzelle mit 11 Knoten Wind. Bald haben wir völlige Flaute, bevor wir mit Wind aus Süden wieder loslegen.”

Herrmann freut sich über die angenehme Atmosphäre auf See. Er konnte einen elektrischen Motor auswechseln, der die Neige-Mechanik für den Kiel bewegt und dafür einige Stunden benötigt. Dazu beschäftigten ihn einige Halsen und Segelwechsel sowie Aufräumarbeiten, bevor die nächsten großen Stürme warten und Kap Hoorn.

Zur Belohnung erwischte er einen schönen Sonnenuntergang gönnte sich ein schönes Abendessen sein und drehte die Heizung ein wenig auf. Herrmann Bestätigt: “Meine Strategie war es immer, auf das Boot aufzupassen und nach dem Horn anzugreifen. Wir erwarten in zwei Tagen wieder einen Sturm. Ich werde im Süden bleiben und das Boot schonen. Es ist zu 100 Prozent einsatzfähig. Ich bin ein wenig müde, aber ich will nach dem Hoorn Gas geben können.”

So bricht die Spitzengruppe nun langsam etwas auseinander. Charlie Dalin setzt alles daran Dalin setzt alles daran, mit seinem Tief im immer stärker werdenden Nord-Nordwestwind zu bleiben, der ihn bis Kap Hoorn bringen soll. Er wird in der Nacht zum Sonntag mit nur wenigen Dutzend Seemeilen Rückstand im Kielwasser von Bestaven erwartet. Die beiden Ausreißer sollten dann rund 400 Meilen Vorsprung haben vor Thomas Ruyant (LinkedOut). Dahinter rückt das Feld wieder enger zusammen. 

Damien Seguin segelt aktuell 130 Meilen vor Herrmann. Er sagt: “Die letzten 36 Stunden waren ziemlich hart mit sehr schwerem Seegang und viel Wind. Aber ich habe es geschafft, einigermaßen aus der Flaute herauszukommen. Ich bin sauber gesegelt und habe nicht gezögert, bei dreißig Knoten Wind eine Reihe von Halsen einzulegen. Kap Hoorn ist für Sonntagmorgen angesetzt! Im Moment sieht es mit dem von Norden kommenden Tief hart aus. Ich hätte mein erstes Kap Hoorn gerne anders umrundet als mit diesem Kampf, der mich erwartet”.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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