Vendée Globe: Boris Herrmanns’ Gegner – Platz sechs ist drin – Auf 32 Knoten beschleunigt

Auf dem Vormarsch

Boris Herrmann hat sich mit seiner “Seaexplorer” nach einer komplizierten ersten Woche eine gute Angriffsposition erarbeitet.  Bei dem Speed-Rennen Richtung Süden kann er nun auf seine Flügel vertrauen.

“Ich habe gerade auf 32 Knoten beschleunigt”, sagt Boris Herrmann auf seiner “Seaexplorer – Yacht Club de Monaco”. Er ist bei dem Ritt gen Süden bestens in einer Gruppe alter Bekannter positioniert, mit denen er bei den Testregatten der vergangenen vier Jahre schon so manchen Strauß ausgefochten hat.

Platz zwölf hört sich aktuell zwar noch nicht so gut an, aber sein Schiff sollte im Vergleich zur direkten Konkurrenz technisch auf einem besseren Niveau sein. Es ist auf der Autobahn gen Süden aktuell schneller. Das liegt vor allem an einem späten Flügel-Update.

Boris Herrmann (grau) im Vergleich zu seinen relevanten Gegnern. Nur Samantha Davies (rot) ist minimal schneller. Bestaven (orange) und Burton (gelb) kommen nicht mit.

Nachdem es für Herrmann im November bei der Generalprobe zur Vendée Globe, der Transat Jacques Vabre (TJV), noch nicht so gelaufen war, wie er es sich erhofft hatte. Die Wetterstrategie passte nicht, und “Malizia” – bei der vergangenen Vendée Globe einer der schnellsten IMOCAs – war auch technisch von der Konkurrenz überholt worden.

Boris hat gute Laune. © BorisHerrmannRacing

Die Generation der Neubauten spielte in einer anderen Liga, und auch einige alte 60-Fußer wurden so radikal modifiziert, dass der Deutsche nach de Kauf eines der schnellsten IMOCAs seine aussichtsreiche Position in der Einhand-Profi-Hierarchie verlor. Bei der TJV segelte er auf Platz 12. Ursprünglich hatte der beste deutsche Hochsee-Profi einmal einen Top-Fünf-Platz angepeilt.

Aber Anfang des Jahres konnte er wieder Hoffnung schöpfen. Das Hamburger Logistikunternehmen Kühne + Nagel war als Sponsor eingestiegen – Herrmanns neue Popularität nach dem Greta-Coup mag bei den Verhandlungen geholfen haben. Mit der damit verbundenen Finanzspritze konnte “Malizia” überholt und mit der neue Tragflächen-Generation ausgerüstet werden.

Kurs Süd liegt an. Seine neuen Foils laufen gut. © BorisHerrmannRacing

Damit konnte er sein Boot etwa auf das Niveau von Samantha Davies (Initiatives – Coeur) bringen, mit der er gerade gleichauf segelt. Die anderen beiden Gegner mit Booten der vergangenen Foiler-Generation “Bureau Vallée 2” und “Maitre Coq IV” sind im Schnitt etwas langsamer. Sie verfügen auch beide über kein Flügel-Update. Wenn Herrmann 100 Prozent geben kann, mag er im Foiling-Modus nun seine Vorteile ausspielen. Die drei Nicht-Foiler voraus sollten bald zurückfallen. Raumschots können sie den Speed nicht halten.

Was Herrmann an Speed im Vergleich zu Hugo Boss und den neuen Foilern fehlt.

Allerdings handelt es sich bei “Bureau Vallée” um das Siegerschiff der vergangenen Vendée Globe (ex “Banque Populaire”). Und “Maitre Coq” ist das Schwesterschiff (ex “Safran”), das damals nach einer Kollision allerdings nicht ins Ziel kam.

In den Sonnenuntergang. © BorisHerrmannRacing

Nach dem Ausfall von Beyou (Charal),  von Troussel, und den Problemen von Tripon lichtet sich nun auch das Feld der Neubauten, die eigentlich schneller sind als “Seaexplorer”. Von hinten kann eigentlich nur noch Sebastian Simon (Arkea Paprec) mit dem neuen Juan K. Foiler kommen.

Innenansichten. © BorisHerrmannRacing

Voraus gehört Kevin Escoffier (PRB) zu den schnellsten nachgerüsteten Foilern. Und er segelt nach wie vor auf Augenhöhe mit den Besten. Momentan könnte Herrmann also einen sechsten Patz anpeilen. Wenn jemand voraus ernsthafte technische Probleme hat, ist sogar noch mehr drin. Kein Wunder, dass seine gute Laune bei jedem neuen Video von Bord zu spüren ist.

Vendée Globe Tracker

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *