Vendée Globe: Conrad Colman hungert sich ins Ziel – “Moby Dick” hilft für die Pespektive

Essen und Energie werden knapp

Conrad Colman macht nach seinem Mastbruch gute Fortschritte, die Vendée Globe doch noch zu beenden. Er spricht über die harten Prüfungen in den vergangenen Tagen.

Der Neuseeländer Conrad Colman sorgt bei der sich dem Ende zuneigenden Vendée Globe immer noch für Schlagzeilen in seinem Bemühen, die Weltumsegelung aller Widerstände zum Trotz doch noch abzuschließen.

Colman

So versucht Conrad Colman sein selbst geschneiderters Not-Groß für den Amwind-Kurs zu trimmen. © Colman

Im Gespräch mit dem Vendée Globe Hauptquartier erklärt er ausführlich, wie es ihm nach dem Mastbruch bei 30 bis 35 Knoten Wind ergangen ist. Der Zeitpunkt sei unglaublich niederschmetternd gewesen. Denn gerade habe er gedacht, dass er schon so viel ertragen musste und deshalb einigermaßen gegen weitere Probleme gewappnet sei.

Auge des Sturms passiert

“Ich hatte das Auge des Sturms in einem verrückten Tiefdruckgebiet passiert, surfte bei 30 Knoten Wind, was vergleichsweise entspannt war, und hatte mit zwei Reffs im Groß und der J3 Fock genau die richtige Segelfläche gesetzt. Aber dann fiel mir trotzdem das Rigg auf den Kopf, und ich konnte es nicht glauben. 

Colmans Speed nach dem Mastbruch.

Ich machte mir Vorwürfe, versagt zu haben. Bei der Verantwortung für mein Boot und das Rennen. Es war herzzerreißend. Die Regatta war vorbei.” Die Niedergeschlagenheit verstärkte sich durch die Erkenntnis, dass Segel und Rigg, die da über Bord hingen, mehr als sein Haus kosten. Darauf haber er ohnehin schon eine Hypothek abgeschlossen. “Alles war ziemlich furchteinflößend. Emotional und finanziell.”

Aber die Entscheidung, weiter zu kämpfen, sei sehr schnell gefallen. Nach dem Kontakt mit der Wettfahrtleitung und seiner Frau habe er signalisiert, erst einmal keine Hilfe zu benötigen. Er versuchte, bei immer noch starkem Seegang vom Rigg zu retten, was zu retten war, und fiel er in einen erschöpften Schlaf.

Ärger und Sturheit

Danach machte er sich an die Arbeit. “Mein Antrieb war Ärger und Sturheit. Ich wollte nicht so kurz vor dem Ziel gestoppt werden.” Das Notrigg sei nun sein sichtbares Manifest dessen, was er seit dem Start des Rennens immer wieder hatte leisten müssen. Schon als sich der Hydraulik-Zylinder vom Kiel-Neigemechanismus  gelöst hatte, war sein Rennen so gut wie beendet. “Aber ich habe mit den mir zur Verfügung stehenden Werkzeugen eine Lösung gefunden, die man sonst nur in einer großen Werkstatt hätte erreichen können.”

Colman hat Kap Finisterre passiert.

Nun steht das Notrigg, und er konnte durch seine Kenntnisse als Segelmacher einen funktionierenden Segelplan zaubern. Doch  ist längst nicht sicher, dass Colman auch im Ziel ankommt. Bei leichtem Wind konnte er nur knapp am dicht befahrenen Verkehrstrennungsgebiet vor Spanien entlang manövrieren, und die Energieversorgung für Mensch und Maschine funktioniert nicht mehr.

Umgang mit Hunger-Attacken

Die Verpflegung war nur für 100 Tage eingeplant, nun ist er schon seit 106 Tagen auf See. Der in Frankreich lebende Neuseeländer hat das Essen auf 700 Kalorien rationiert und versorgt sich mit Suppen, angebauten Sojasprossen und Keksen aus der Rettungsinsel. So befürchtet er Zahnverlust, allerdings nicht durch Skorbut sondern die Härte der eingeschweißten Kekse.

Colman

Sojasprossen sollen gegen den Hunger helfen. © Colman

Aber er lese die Geschichte des Walfängers “Essex”, die als Romanvorlage für “Moby Dick” gilt. Die Hungersnot der 21 Schiffbrüchigen, von denen nur 8 überlebten, setze die Hunger-Attacken in das richtige Verhältnis. Im Vergleich gehe es ihm sehr gut.

Problematisch ist die Energieversorgung seines allein auf alternative Energie ausgerichtete Systems. Im Moment stehe allein Solarenergie mit 350 Watt zur Verfügung. Die halte ihn “am Leben”, wenn die Sonne ausreichend scheine. Die Hydrogeneratoren, die am Heck ins Wasser geklappt werden,  funktionieren dagegen erst ab einem Speed von 7 Knoten. Die letzten Meilen muss der Havarist womöglich auf die Hilfe des Autopiloten verzichten.

 

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Vendée Globe: Conrad Colman hungert sich ins Ziel – “Moby Dick” hilft für die Pespektive“

  1. Schön, dass Ihr darüber berichtet – Allerdings hat Conrad keine Hydrogeneratoren wie die anderen Schiffe am Heck sondern eine E-Maschine statt des Diesels die über den normalen Faltprop auch als Generator dient.

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