Vendée Globe: Drittplazierter “Rothschild”-Skipper Sébastien Josse gibt auf

"Ich habe alles gegeben"

Dieser 7.12.2016 dürfte wohl als schwarzer Tag in die Geschichte der Vendée Globe eingehen. Nun ist auch noch der Drittplatzierte Mitfavorit Sébastien Josse mit seiner “Edmond de Rothschild” ausgeschieden.

Sebastien Josse auf seiner "Edmond de Rothschild" © Yann Riou / Gitana SA / Vendée Globe Sebastien Josse (FRA), skipper Edmond de Rothschild, lors d'un entrainement solo pour le Vendée Globe, le 12 Juin 2016 - Photo Yann Riou / Gitana SA / Vendée Globe

Sebastien Josse auf seiner “Edmond de Rothschild” © Yann Riou / Gitana SA / Vendée Globe

Am Montag hatte Sébastien Josse vom Schaden an seinem Backbord-Foil berichtet und war seitdem 48 Stunden lang nur noch mit halber Kraft unterwegs. Er wollte den extremen Bedingungen mit acht Meter hohen Wellen ausweichen und dann die notwendigen Reparaturen ausführen. Aber nun hat er den Abbruch seines Rennens bekanntgegeben.

Gitana Foil

Das System zum Bewegen des Foils beim Gitana-Team. © Gitana

Erst heute sei es ihm möglich gewesen die tatsächlichen Auswirkungen des Schadens zu begutachten. Und nun ist er in Absprache mit dem Team zu dem Schluss gekommen, dass alle Reparaturmöglichkeiten nicht genug Erfolg versprechen, um noch 15.000 Meilen – mehr als die Hälfte des Rennens – zu bewältigen.

Josse hat den Kurs Richtung Australien aufgenommen.

Josse hat den Kurs Richtung Australien aufgenommen.

Josse (Porträt – der schnelle Stille) erklärt noch einmal genauer die Situation: “Ich habe nicht besonders hart gepuscht, als der Vorfall passierte. Der Wind war etwa 35 Knoten stark und die Wellenhöhe betrug vier Meter. Beim Surf auf einer Welle erreichte ich plötzlich 30 Knoten Speed, knallte dann in ein Tal und stoppte auf etwa zehn Knoten ab.

Es dauerte nur einige Sekunden. Als das Boot wieder beschleunigte merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Dann sah ich das Problem mit dem Backbord-Foil.  Es steckte nun im Wasser, obwohl ich mit hochgezogenen Tragflächen gesegelt war.

Als ich das Gehäuse des Schwertkastens öffnete, sah ich den Schaden. Die Karbon-Verbindung des Foil-Endes im Rumpf ist gebrochen. Ich musste sehr schnell reagieren, denn die Tragfläche hing nun alleine an zwei Schrauben, die drohten auszureißen. Wenn das passiert wäre, hätte das Schwert seitlich aus dem Rumpf brechen können und es wäre zu einem starken Wassereinbruch gekommen.

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Sébastien Josse mit seiner “Edmod de Rothschild” im schweren Wellengng. © Riou/Gitana

Ich bin sofort gehalst, aber leider war das Timing für dieses Unglück nicht besonders gut wegen des harten Wetters. Ich musste auf dem Bug bleiben, um das beschädigte Foil zu schützen. Aber der Nordost-Kurs führte in eine extreme Front. Also musste ich wieder auf Südost-Kurs gehen, und das Schwert belasten.”

Es gab einige Beratungen mit dem Team und mehrere Versuche einer Reparatur, aber schließlich waren sie zu kompliziert für die immer noch harten Bedingungen. Sie waren zu schwierig für eine Person und hätten wohl nicht ausgereicht, um weitere 15.000 Meilen zu überstehen.

Nun segelt Sébastien Josse Richtung Australien und geht in Perth oder Adelaide an Land. Nach 31 Tagen immer in der Spitzengruppe der Vendée Globe gibt der Mitfavorit das Rennen auf. “Ich kann nicht verbergen, dass mich diese Entscheidung sehr hart trifft. Diese Boote sind sehr anspruchsvoll zu segeln und nicht besonders komfortabel. Ich habe alles gegeben und ich bedaure nicht, wie ich dieses Rennen gesegelt bin. Es wird Monate dauern, diese Enttäuschung zu verarbeiten.”

Josse äußert auch kritische Töne zur Entwicklung der Foiler. “Diese Einrumpfer auf Tragflächen sind schon sehr verschieden zu den vorherigen Booten. Die großen Teams haben den Boden bereitet und es muss eine ausführliche Besprechung geben, bevor man wirkliche Schlüsse ziehen kann. Dabei darf man niemanden in Frage stellen, aber wir müssen Fortschritte machen.

Ich glaube, wir haben die technologischen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft und diese Revolution als Teil einer normalen Entwicklung von einer Generation zur nächsten gesehen. Aber die Kontrolle der Foils und der dazugehörigen Systeme müssen anders durchdacht werden. Denn die auftretenden Kräfte sind enorm. Wir haben da etwas verpasst, weil wir das Konzept der klassischen Schwert-Aufholvorrichtung übernommen haben. Aber das Boot lastet ja vollkommen auf diesen Anhängen, wenn es foilt.”

Josse hat schon in früheren Stellungnahmen darauf hingewiesen, dass die aktuelle Generation der IMOCAs nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Man müsse und könne die Foil-Technik viel extremer interpretieren. Auch die Rümpfe müssen der neuen Art des Segelns angepasst werden.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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