Vendée Globe: Endgültiges Aus für Meilhat – Schock für den “Hugo Boss”-Skipper

Alptraum für Thomson

Alex Thomson ist bei der Vendée Globe auf die Seite geworfen worden. Es hat ihm einen Schock versetzt. Meilhat ist endgültig raus. Auch Beyou hat Probleme.

Alex thomson

Alex Thomson bei seinem Video-Blog. © Hugo Boss

Die Hoffnungen von Alex Thomson auf sein Comeback in Reichweite zum Rivalen an der Spitze haben sich erst einmal zerschlagen. Die erhofften Beschleunigung durch ein Tief ist für ihn ausgeblieben. Stattdessen segelte er mit einem Speed von 10 Knoten am Wind und Le Cleac’h ist immer noch etwas schneller. Der Franzose hat in 24 Stunden wieder fast 50 Meilen mehr im Kielwasser gesammelt und liegt nun 567 Meilen voraus. Er wird morgen am Kap Hoorn erwartet gut zwei Tage vor dem Briten.

Fieser Traum

Die Situation mag dann auch damit zusammenhängen, dass Thomson von schlechten Träumen gequält wird. In seinem Video-Blog von Bord erinnert er daran, dass er vor etwas mehr als einem Jahr nahe der spanischen Küste von seiner “Hugo Boss” gerettet wurde. In der vergangenen Nacht dachte er, es sei wieder so weit.

© Hugo Boss

Davon träumt Alex Thomson. Im November 2015 schwimmt er zu seinem Retter, der ihn in den Hubschrauber winscht. © Salvamento Marítimo

“Ich schlief tief und wachte auf, als das Boot seitlich von einer Welle getroffen wurde. Das Boot krängte stark und mein Kopf sagte mir wir gehen wieder kopfüber. Ich konnte nicht glauben, was passiert. Ich erwartete, dass sich meine ganze Welt auf den Kopf stellt, aber Gott sei Dank ist es nicht so gekommen. Danach fühlte ich mich etwas albern, und ich ging an Deck. Aber alles sah in Ordnung aus. Das Boot richtete sich wieder auf. Also alles Okay. Das Leben hier spielt mir seltsame Streiche.”

Gut vorstellbar, wie fies ein solcher Traum gewesen sein muss. Ähnlich wird es allen Einhandseglern da draußen bei der Vendée Globe gehen. Jedes Geräusch, jede Bewegung kann ein Zeichen für das nächste Desaster sein. Und falls das ein Skipper verdrängt oder vergessen hat, wurde er in den vergangenen Tagen durch die zahlreichen Ausfälle der Kollegen permanent daran erinnert.

Höchste Gefahr

Hart hat es Paul Meilhat getroffen, der nach dem 40 Zentimeter langen Riss in seinem Hydraulik-Zylinder den Kiel nicht mehr neigen kann. Die Finne sei in der Mittelstellung fixiert, es sei aber nicht sicher, auf diese Weise um das Kap Hoorn zu segeln. Wenn der Kiel frei bis zu 45 Grad unter dem Schiff schwinge sei die Struktur in höchster Gefahr.

Paul Meilhat

Paul Meilhat mit seiner “SMA” zu besseren Zeiten. © SMA

Meilhat segelt erst einmal Richung Norden und will später entscheiden, wohin ihn das Wetter treibt. Neuseeland sei das nächste Land in einer Entfernung von 1900 Meilen. Aber dahin müsste er wohl lange Strecken am Wind segeln, und das könne bei starkem Wind gefährlich sein.  Vielleicht müsse er nach Polynesien segeln.

Derweil versuche er sich zu beschäftigen, um den Frust nicht zu stark werden zu lassen. “Es ist hart und wird eine Zeit dauern, bis ich es begriffen haben”, sagt Meilhat, der seine erste Vendée Globe segelt. “Ich habe mich in eine Welt begeben, die ich zuvor nicht kannte. Es ist eine andere Mentalität nötig als bei anderen Regatten, und ich werde wohl meine Zeit brauchen um in die Normalität zurückzufinden.”

Beyou nicht bei 100 Prozent

Seinen Platz auf dem Podium nun sein Freund und Trainingspartner Jérémy Beyou mit “Maitre CoQ” eingenommen, mit dem er Wochen lang Seite an Seite segelte. Beyou war zuletzt wieder das schnellste Schiff der Spitzengruppe und hält den seit einer Woche permanent aufholenden Jean-Pierre Dick erst einmal wieder in Schach. Sein Vorsprung ist wieder auf beruhigende 485 Meilen angewachsen, aber euphorisch klingt er nicht.

Le Cleac'h braucht nur noch einen Tag bis Kap Hoorn. Meilhat ist nach Norden abgedreht.

Le Cleac’h braucht nur noch einen Tag bis Kap Hoorn. Meilhat ist nach Norden abgedreht.

“Ich habe immer noch einige Probleme. Das Boot ist nicht zu 100 Prozent in Schuss. Aber ich tue, was ich kann. Einige der anderen leiden mehr. Ich bin immer noch in der Spitzengruppe dabei und setze mir ein Ziel nach dem anderen. Das nächste ist Kap Hoorn. Dort will ich ankommen, ohne die Probleme mit dem Schiff zu verschlimmern.”

Vendée Globe Tracker

Jean-Pierre Dick mit netter Begleitung:

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Vendée Globe: Endgültiges Aus für Meilhat – Schock für den “Hugo Boss”-Skipper“

  1. avatar wolfsun sagt:

    .x

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  2. avatar wolfsun sagt:

    Hat Meilhat nun einen fixierten oder einen pendelnden Kiel. ..Und ist es nicht mòglich eine IMOCA mit mittigem Kiel zumindest gerefft zu segeln?

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    • avatar Stefan sagt:

      Er hat den Kiel in einer Mittelposition fixiert. Das heisst aber nicht dass diese Fixierung die Kräfte auffangen kann, die auftreten, wenn man eine Yacht unter race-Bedingungen betreibt.

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