Vendée Globe Favorit: “Charal” zeigt die neuen Flügel – Erster stabiler Flug mit dem Update

Sie fliegen wieder

Die Zeit spielt für Jérémy Beyou. Er hatte mit “Charal” mit Abstand den ersten Foiler der neuesten Generation im Wasser und zeigt nun schon die Weiterentwicklung. Die Konkurrenz scheint hinterher zu hinken.

Der Franzose Jérémy Beyou (42) schickt sich an, den Gipfel des Hochseesegelns zu erklimmen. Eben noch gewann er Seite an Seite mit Skipper Charles Caudrelier das Volvo Ocean Race mit Dongfeng, nun kann er ein ähnliches Kunststück bei der Vendée Globe wiederholen.

Dafür scheinen seine Chancen gerade durch die Corona-Zeiten zu steigen. Denn Beyou ist der Skipper, der die meisten Meilen mit seinem IMOCA-Foiler der neuesten Generation sammeln konnte. Sein Neubau “Charal” war schon im März 2018 auf dem Wasser.

Bei der Route du Rhum 2018 musste er zwar noch abdrehen, zeigte dann aber bei der Transat Jacques Vabre 2019 , dass er im Vergleich mit den Foiler Neubauten die Zeit der Optimierung gut genutzt hat. Er führte die Atlantik-Regatta souverän an, bis er schließlich drei Tage in der Doldrum-Flaute lag und das Rennen doch noch verlor.

Charal wurde dennoch seinem Ruf als Vendée Globe-Favorit gerecht. Die Konkurrenten mussten technisch aufholen, Testmeilen sammeln. Aber das war zuletzt durch die Corona-Krise kaum möglich. Insofern hat die Zeit für Beyou gespielt.

Während er schon locker für die Vendée qualifiziert ist, müssen sich einige der wichtigsten Gegner wie Alex Thomson noch strecken. Sie dürfen sich zum Beispiel bei der Quali-Regatta im Juli keinen Ausfall leisten, weil sonst ihr Start bei der Weltregatta auf dem Spiel steht.

Beyou kann dagegen puschen. Aber auch er muss die Modifikationen ausgiebig testen. Fast ein halbes Jahr befand sich sein Schiff in der Werft. Nun sind insbesondere seine Flügel deutlich länger geworden. Sie weisen nur noch zwei statt drei markante Knicke auf.

So sahen die Foils auf Charal bisher aus. Drei statt zwei Knicke.. © Charal

Die neuen langen Flügel im Test. © Charal

Beyou sagt, Ziel sei es gewesen, die Gesamtbalance des Bootes zu verbessern. Dafür wurde die Bugform, die Gewichtsverteilung, das Kielbomben-Gewicht verändert, das Volumen der Ballasttanks erhöht und das Cockpit mehr geschlossen. Die neuen Foils stecken nun in neuen Aufnahmen. Ebenso hat Charal einen neuen Mast und neue Segel bekommen.

Ob die Konkurrenz dagegenhalten kann? Der jüngste Neubau sieht radikal aus. Die Foils sind bei “L’Occitane” runder und kommen weiter oben aus dem Rumpf:

L’Occitaine zeigt eine extreme Flügelform © PIERRE BOURAS

“Die ersten zwei Wochen auf dem Wasser widmen wir nun den Tests der neuen technischen Systeme”, sagt der Skipper. Die Elektronik muss kalibriert werden und das Rigg eingetrimmt. Dann folgen vier Woche Tests mit dem neuen Flügelpaar. Ziel ist es, die richtigen Winkel bei alle Windstärken zu ermitteln.” Am 4. Juli erfolgt dann der Start zur Arktis-Azoren-Regatta. Die erste Flugshow sieht schon mal beeindruckend aus.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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