Vendée Globe Flash: Kevin Escoffier ist gerettet – Jean Le Cam hat ihn aufgenommen

"Er ist mit an Bord"

Um 0118 Uhr UTC wurde das PRB-Team darüber informiert, dass Vendée Globe-Skipper Kevin Escoffier (PRB) von seinem Konkurrenten Jean Le Cam gerettet wurde.

Das Foto, auf das alle gewartet haben: Jen Le Cam hat Kevin Escoffier an Bord. © SAEM Vendee

“Er ist mit an Bord!” Diese kurzen Worte verbunden mit einem Video-Bild von Jean Le Cam mit dem havarierten Vendée Globe-Skipper Kevin Escoffier waren eine große Erleichterung für das gesamte PRB-Team, die Familie und alle Fans rund um die Welt.

Der PRB-Skipper wurde bisher nur per Live-Video an Bord der “YesWeCam” gesehen. Lächelnd saß er in seinem Überlebensanzug neben Jean Le Cam. Sprechen konnte er bisher noch mit niemand, da Jean Le Cam sein Videosystem für die Suche mit den Rettungsorganisationen gekoppelt hatte.

Escoffier hatte seine IMOCA 60 nach einem Wassereinbruch gestern Nachmittag um 1346 Uhr UTC aufgeben müssen.  Etwa 840 Seemeilen südwestlich von Kapstadt war er in seine Rettungsinsel gestiegen.

Kevin Escoffier bei der Arbeit. © Yann Riou/Polaryse

Danach war Rettungsmission wurde von Les Sables d’Olonne aus von der Vendée Globe Race Direction in Zusammenarbeit mit CROSS Griz Nez und dem MRCC Südafrika koordiniert. Der Präsident der PRB, Jean-Jacques Laurent, war im Race HQ, wo Rennleiter Jacques Caraës und die Rennleitung den gesamten Prozess unterstützten.

Jean Le Cam war als nächster Verfolger des Drittplatzierten zur Unglücksstelle gelotst worden. Er fand den Skipper in der Rettungsinsel, aber eine erste Übernahme misslang. Bei einbrechender Dunkelheit verlor er schließlich den Sichtkontakt. Die Suche sollte erst am Morgen fortgesetzt werden.  Doch Le Cam gelang es dann doch in der Dunkelheit, den Job zu erledigen.

Der Rennleiter der Vendée Globe, Jacques Caraës, erklärt, dass Le Cam zu einer Position geschickt wurde, die eine Drift-Simulation von Météo France in Verbindung mit den von CROSS Gris Nez empfangenen letzten Daten des on-Board-EPIRB-Notsignal errechnet  hatte.

Le Cam versuchte um OOh15 UTC (1h15 französische Zeit) diesen Punkt mit reduzierter Geschwindigkeit zu erreichen. Er fand niemanden. Dann setzte er seinen Kurs nach Südosten fort. Als er bei 20-25 Knoten Wind mit reduzierter Segelfläche (3 Reffs im Großsegel) und ohne Motorunterstützung mit 1,5 Knoten vorankam, verschwand er für die Wettfahrtleitung, die ihn auf dem Videoschirm unter Deck sah, plötzlich von der Bildfläche. Dann habe man ihn sprechen gehört, und als er wieder am Kartentisch auftauchte war hinter ihm auch Kevin Escoffier zu sehen. Er habe einen guten Eindruck gemacht.

Mehr ist über die Rettungsaktion bisher nicht bekannt. Die zur Rettung umgeleiteten weiteren Skipper Boris Herrmann, Yannick Bestaven und Sebastien Simon sollten dreiecksförmig ein Gebiet absuchen und segelten bis zu sieben Meilen auseinander. Am Morgen bei besserem Licht sollte der definierten Sektor genauer abgesucht werden.

Am 6. Januar 2009, während der Vendée Globe 2008-2009, war Jean Le Cam von  Vincent Riou, der damalige Skipper der PRB (einer Vorgänger-Yacht) aus seinem durchgekenterten  IMOCA 60 unter dramatischen Umständen am Kap Horn gerettet worden. Nun hat der 61-jährige fünfmalige Vendée Globe-Teilnehmer Le Cam die Rollen getauscht.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

9 Kommentare zu „Vendée Globe Flash: Kevin Escoffier ist gerettet – Jean Le Cam hat ihn aufgenommen“

  1. avatar Marc sagt:

    Gott sei Dank hat er ihn. Wie schnell da was schief gehen kann vergisst man und denkt sich och die segeln da geschützt unter Deck gemütlich um die Welt. Etwas Schlafentzug was ist das schon. Wie schnell was passiert sah man am Wochenende ja in der Formel1.

    Kurze Frage eines Inshore Regattateurs: wie verhält sich das nun? Haben die überhaupt genug Vorräte für 2 Personen? Dürfte der Gerettete nun beim segeln helfen? Wie ich gelesen habe gibt es Zeitgutschriften für die Rettungsaktion. Vorteil ist aber ja auch das sie nun zu zweit sind, könnte er ja Tipps geben, Routingaufgaben übernehmen usw.
    Oder muss der Gerettete einfach “dumm” in der Ecke sitzen?

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    • avatar Till sagt:

      Kevin darf ihm jetzt natürlich mithelfen, allerdings muss le Cam ihn auch am nächsten Hafen Abladen. Dafür gibt es dann weitere Zeitgutschriften und er darf den Hafen anlaufen ohne dafür disqualifiziert zu werden. Die Vorräte reichen nicht aus um eine vendee Globe zu zweit zu beenden.

      Als le Cam 2009 von seiner imoca gerettet wurde, wurde an prb der Mast beschädigt, dieser Brauch dann einige Stunden später, trotzdem bekam Vincent Riou damals den dritten Platz zugesprochen (an dieser Stelle musste er seine Regatta beenden), es gab dann eben zwei dritte Plätze.

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      • avatar Harrie Jasses sagt:

        Weiß man schon wie groß die Zeitgutschriften auch für die anderen drei Helfer ausfallen werden oder woran sie sich bemessen?

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        • avatar Till sagt:

          Darüber wird von der Regattaleitung aktuell debattiert, man wartet nun ab bis man weiß wie groß die Realen Verluste gegenüber der Konkurrenz waren und wird im Anschluss eine Zeitgutschrift für alle vier festlegen

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  2. avatar Breizh sagt:

    Erste Videobilder gibt es auf der VG-Seite https://www.vendeeglobe.org/fr/actualites/20696/le-sauvetage-raconte-en-video
    Jean Le Cam ist echt eine wirklich coole Socke! “… Zen Zen, Kevin.” Der Mann gehört in La Base als nächstes an die Wand neben Éric Tabarly. Und keiner hat es sich mehr verdient.
    Ich hoffe, bei Yes we Cam ist alles heile geblieben. Es hieß gestern irgendwo, dass er Motorprobleme hätte. Gut jetzt hat er MacGyver an Bord, der fixt das dann schon.
    Wenn es allerdings stimmt, dass das Boot durch “zwei größeren Wellen” zerlegt wurde, ist abzuwarten, wie die Rennleitung bzw. die anderen Skipper damit umgeht. Die PRB wurde ja vor dem Rennen noch mit Laminat verstärkt. Die Belastungen für die Boote werden erst ja noch kommen.

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  3. avatar Sailon sagt:

    Das kann immer passieren, Boris berichtetet von Kabbelsee und das mit 6m Welle, ein “Volltreffer”,auf ein schon durch durch das ständige Aufschlagen des Rumpfes aufs Wasser, vorgeschädigten Rumpfes und schon ist das Schiff dabei auseinander zu brechen. Genau so hat es Kevin ja beschrieben, das Schiff ist in zwei Teile geborsten.
    Die Neuen IMOCAS mit Folis müssen sich erst bewähren, auch “The Boss” hat Strukturprobleme gehabt, sicherer scheinen immer noch die klassischen IMOCAS zu sein.
    Im Grunde sind die Skipper “Testfahrer” und das wissen sie auch, die vorhanden Rettungsausstattung ist aber auch vom allerfeinsten deshalb ging es wohl auch so glimpflich aus….

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    • avatar Till sagt:

      Es handelt sich hierbei ja irgendwo um eine klassische imoca, das Boot ist von 2009 und war bis nach der letzten VG ohne foils unterwegs, die Kräfte sind einfach völlig andere, andererseits gab es bei der letzten VG auch bei den klassischen imoca mehrere Strukturprobleme, darunter ebenfalls einmal mit Verlust der Yacht. Und cheminée poujoulat von Stamm sollte man auch nicht vergessen, damit scheint der schaden an PRB am ehesten vergleichbar. Strukturschäden gibt es also bei weitem nicht nur bei den neuen foilern.

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      • avatar eku sagt:

        Beziehe mich auf die letzten Sätze .. der Schaden von B.Stamm ist in der Tat der mE vergleichbare. Ich kann hier leider nur über “Glauben” reden, weil nur periphäres Wissen als techniker in einer anderen Sparte.
        Es scheint mir so, das neben Überlastungsproblemen (Ermüdung etc) auch ganz bestimmte Seegangssituationen eine wichtige Rolle spielen.
        Das scheint mir eine seltene “Interferenz” zu sein, bei der das Boot in Kombination mit dem Seegang (ob nun “Freakwave” oder was auch immer) extremen Belastungen ausgesetzt wird, die so zuvor nicht berechnet wurden und einfach zu selten vorkommen.
        Die Boote werden sicherlich nicht so gebaut sein, dass sie als Faltboot durchgehen

        Ich weiß .. alles Spekulation!

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