Vendée Globe: Herrmann lauert auf seine Chance – Dalin repariert wieder am Foil

Pralympics-Sieger gibt Gas

Boris Herrmann geht es bei der Vendée Globe wieder besser. Er segelt noch auf Rang sieben, hält die Verluste aber in Grenzen. Nur einem Gegner ist der Absprung gelungen.

Die Situation am 29.12. Insbesondere Damien Seguin (4.) ist sehr schnell unterwegs.

Boris Herrmann hat bessere Laune. Sein jüngstes Video zeigt ihn mal wieder lächelnd. Und es geht flott voran. Der kleine Gennaker passe gerade gut zu den Bedingungen und lasse ihn etwas entspannen. “Im Tracking liegen wir auch nicht schlecht. Tatsächlich waren wir nie so nah dran am Führenden.”

Herrmanns Rückstand betrug zuletzt auf Rang sieben 288 Meilen. Isabelle Joschke liegt nur acht Meilen voraus, Jean Le Cam 23 Meilen. Der Rest der Gruppe segelt noch eng beisammen.

Damien Seguin bei einer Schlafpause. © Damien Seguin / Groupe APICIL

Nur Paralympics-Sieger Damien Seguin ist ein kleiner Durchbruch gelungen. Er war in den vergangenen Tagen schnellster Skipper aus der Spitzengruppe. Nachdem er vor zwei Tagen etwa Boris Herrmann überholt hat, zog er auf jetzt fast 70 Meilen davon. Es fehlen ihm auch nur noch 13 Meilen zu Thomas Ruyant auf Rang drei.

Seguins (rot) Speed im Vergleich zu Herrmann.

Wieder einmal haben die alten Nicht-Foiler wie der von Seguin bei den achterlichen Windbedingungen Vorteile gegenüber ihren moderneren Kollegen. Sie steuern tiefere, direktere Kurse.

Seguin beim Kurbeln mit seiner Spezial-Manschette für die fehlende linke Hand. © Jean-Louis CARLI

Fehlkonstrukion oder Wetterpech?

Dass dafür überwiegend Wetterpech und nicht etwa Fehlkonstruktionen eine Rolle spielen, zeigt Armel Tripon. Seit Tagen lässt er seine neue L’Occitaine bei vorteilhaften Raumschotsbedingungen fliegen.

2135 Meilen lag er nach seinem Problem mit dem gebrochenen Fock-Fallenschloss schon zurück, nachdem er erst umgedreht war und schließlich in einer Flaute bei den Kanaren die Reparatur bewerkstelligt hatte. Er lag auf dem 32. und letzten Platz. Inzwischen hat der Franzose gezeigt, dass seine wenig getestete, revolutionäre Plattbug-Konstruktion dauerhaft funktioniert.

Besonders im Southern Ocean, wo die anderen Neubau-Foiler Probleme haben, läuft er besser. Tripon ist nun schon 13. und hat nun schon 1241 Meilen auf die Spitze aufgeholt. Ob er tatsächlich noch einmal in die Top Ten vorstoßen kann? Es wäre auch viel Wetterglück dabei. Vorerst wird die wilde Aufholjagd aber erst einmal durch eine Flaute gestoppt.

Armel Tripons Aufholjagd: Die schwarze Linie nähert sich immer weiter der Spitze.

An der Spitze ist Yannick Bestaven bis auf 144 Meilen Charlie Dalin davongezogen. Mit der zehneinhalbstündigen Zeitgutschrift ist das schon ein satter Vorsprung. Aber er fällt immer noch nicht so groß aus, wie es zahlreiche Szenarien prognostiziert haben. Nach der Kap-Hoorn-Rundung soll die Spitze zusammenrücken. Dalin hat nach wie vor beste Chancen, den Führenden einzuholen.

Seguin auf seiner 13 Jahre alten Groupe Apicil © Jean-Marie LIOT

Dafür muss allerdings seine Reparatur an der Tragflächen-Aufnahme halten. Der Sieg-Favorit bekundet, dass er einen kleinen Rückschlag zu verkraften hatte. Er musste noch einmal am reparierten Lager basteln und habe dafür etwas gebremst. Die Situation sei jetzt aber unter Kontrolle. Nun warte er darauf, endlich auf dem umversehrten Foil-Bug Kap Hoorn ansteuern zu können.

Zuletzt seien die Bedingungen sehr rau gewesen – so hohe Wellen, wie er sie seit dem Start noch nicht gesehen habe. Einige Male wurde Apivia von brechenden Wellen getroffen und das Schiff lief aus dem Ruder.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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