Vendée Globe: Herrmanns Yacht steht für 2,7 Mio zum Verkauf – Ein schlechtes Omen?

"Ein guter Partner"

Die Vendée-Globe wird immer mehr zu einer festen Größe im deutschen TV. ZDF und ARD haben Boris Herrmann wieder ausführliche Berichte gewidmet. Der will überraschend sein Boot loswerden.

Boris Herrmann hat die Drone ausgepackt. © BHR

“Mein Schiff – ich habe ihr tatsächlich letztens einen Kuss gegeben, weil alles so gut läuft. Toi, toi, toi – knock on wood – Hier ist alles in bester Ordnung. Das Schiff ist ein guter Partner. Es bringt mich soweit gut durch die Reise.” So berichtet Boris Herrmann von Bord seiner “Malizia” die inzwischen auf das Namenungetüm “Seaexplorer – Yacht Club de Monaco” hört.

Das sagt er beim ZDF in der Sportreportage, die wieder einen guten Beitrag abgeliefert hat, und auch der NDR bleibt am Ball.

Ein gutes Verhältnis zum “Partner” ist unerlässlich für solch einen Abenteuertörn. Nicht wenige Segler sind schließlich davon überzeugt, dass Schiffe eine Seele haben. Und die soll sich umso ausgeprägter zeigen, je mehr diese erleben. Skipper reden gerne mit ihren Booten – meist wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Und das tut auch Boris Herrmann.

Trennung steht bevor

Ob er seinem Partner aber auch erzählt, dass sich ihre Wege möglicherweise bald trennen? “Malizia II”, wie sie offiziell heißt, steht zum Verkauf. 2.7 Millionen Euro soll sie laut Anzeige kosten.

Darin heißt es: “Ex GITANA 16, MALIZIA II hat von einem massiven Refit im Jahr 2020 profitiert. Sie ist eine der besten und schnellsten der Imoca 60 Globe-Series. Vollständig mit Sonnenkollektoren und Wassergeneratoren zum Antrieb des Bootes ausgestattet, verwendet sie keine fossilen Brennstoffe. Verfügbar zum Verkauf nach dem Vendee Globe 2020/21. IRC-Messzertifikat bei RORC-Rennen konkurrenzfähig!”

So weit, so richtig. Danach heißt es aber noch “Bereit, das Ocean Race in seiner derzeitigen Konfiguration zu gewinnen.” Das ist dann doch etwas optimistisch. Es wäre wohl eine riesige Überraschung, wenn dieses Boot das Ocean Race gewinnen könnte. Und deshalb ist es vielleicht eine gute Nachricht, dass „Malizia“ zum Verkauf steht.

Die könnte zwar darauf hindeuten, dass Herrmann doch nicht wie angekündigt das Ocean Race segelt, oder er will tatsächlich ernsthaft bei der Crewregatta um die Welt angreifen. Im Idealfall mit dem Budget für einen Neubau. Der wird nämlich vermutlich nötig sein, um den Anforderungen eines siegfähigen IMOCAs zu entsprechen. Der wird mit Crew mehr gepuscht, muss höhere Lasten aushalten und auf der Etappenroute um die Welt auch bei einem deutlich höheren Kreuzanteil funktionieren.

Favoriten bauen neue IMOCAs

Das sind jedenfalls die Erkenntnisse des für das Ocean Race favorisierte 11th Hour Racing Team, das die alte Hugo Boss gekauft, ausgiebig getestet und einen Neubau in Auftrag gegeben hat.

Dazu kommt, dass Herrmanns Open 60 von 2015 nicht ihm gehört, sondern dem Stuttgarter Immobilienunternehmer Gerhard Senft. Dessen frühe Investition in einen der damals schnellsten IMOCAs war entscheidend dafür, dass Herrmann jetzt auf solch hohem Niveau als erster Deutscher die Vendée Globe bestreiten kann.

Insofern ist es nur professionell, dass “Malizia” nun zum Verkauf angeboten wird. Jetzt zeigt sie schließlich ihr Wert. Am Ende ist so ein IMOCA dann eben doch nur ein Sportgerät.

Eines mit dem Herrmann aktuell auch wieder gut in Fahrt gekommen ist. Er hat sich auf Rang sechs zurückgekämpft und wird beim nächsten Positionsreport wohl vor dem immer noch reparierenden Alex Thomson geführt werden.

Dabei entwickelt sich das Wetter nach wie vor schwierig. Auch Herrmann muss wohl mit der Verfolgergruppe westlich an dem Hoch vorbei, an dem die beiden Führenden noch östlich vorbeirutschen könnten. Sie könnten aber auch stecken bleiben.

Die Situation:

Die Routenoptionen der beiden Führenden im Vergleich zur Verfolgungsgruppe.

Die Wolken zeigen die Front.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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