Vendee Globe: Hugo Boss gibt wieder Gas – Herrmanns’ Option zahlt sich nicht aus

"The Boss is back!"

Bei der Vendée Globe entscheidet sich der Split zugunsten der West-Gruppe. Alex Thomson ist wieder voll mit dabei. Boris Herrmann könnte den Rückstand in Grenzen halten.

Es ist so schön, Alex Thomson wieder lachen zu sehen. “The Boss is back” schreit er euphorisch ins Mikrofon. Was für ein Drama der Hugo-Boss-Skipper wieder mal abliefert. Es ist so typisch, als wenn er das Drehbuch schon vorher geschrieben hätte. Es fehlt nur noch das ganz große Happy End. Ob es noch möglich ist? Kann Thomson noch gewinnen?

Für den Briten ist es schon ein Sieg, überhaupt noch mitsegeln zu dürfen. Und offenbar muss er sich auch nicht zurückhalten. Das Schiff soll nun stärker sein denn je. Er wurde nach seiner Bastelpause auf den Westkurs rund um das Hoch herum gespült und es scheint die richtige Strategie zu sein.
Für Charlie Dalin an der Spitze dagegen sieht die Prognose längst nicht so rosig aus, wie noch vor einigen Tagen. Er liegt immer noch in der Flaute und soll auch noch eineinhalb Tage damit zu tun haben. Der prognostizierte Vorsprung von mehr als 1000 Meilen am Kap der Guten Hoffnung dürfte sich nicht einmal halb so groß gestalten.

Denn die Gruppe mit Thomson angeführt von der Britin Sam Davies (Initiatives Coeur), die ihr Timing bei der Ansteuerung des Hochs perfekt gewählt hat, gibt schon jetzt mächtig Gas auf dem Weg zu den Roaring Fourties im Süden, wo es oberhalb der virtuell festgelegten Eisgrenze ordentlich weht. Davies und auch Louis Burton (Bureau Vallée), der mit dem Siegerschiff der vergangenen Vendée Globe eigentlich als Erster der Spitzengruppe auf die West-Option gesetzt hatte, sind die großen Gewinner der vergangenen Tage. Ihr Umweg macht sich durch höhere Geschwindigkeit bezahlt.

Louis Burton (gelb oben) überraschte schon vor fünf Tagen mit eine Halse gen Westen weg von Boris Herrmann (grau). Er schien ein Problem zu haben…

…Aber es war offenbar ein im Nachhinein genialer Positionierungswechsel bei der Ansteuerung des Hochs…

… Drei Tage später arbeitete er sich weiter nach Westen…

…kam dann aber schlecht durch die Kaltfront und Sam Davies rauschte heran…

…Nun sind beide in der Spitzengruppe die Schnellsten und könnten auf Platz drei und vier vorsegeln.

Es muss sich noch zeigen, wie sehr sich der Südkurs wirklich auszahlt. Aber inzwischen hat auch die Nordgruppe den Bug herunter gedreht. Nur Jean Le Cam steuert stur weiter Richtung Osten. Weiß er etwas, das die anderen nicht wissen?

Sam Davies (rot) und Louis Burton (gelb) sind die schnellsten der Spitzengruppe wie auch Seb Simon (Arkea Paprec)

Boris Herrmann hat nicht die beste Option gewählt. Die Türe zwischen den Hochs ist längst geschlossen. Er muss darauf hoffen, dass sich das Hoch im Süden möglichst schnell Richtung Osten bewegt, um dann ebenfalls mit gutem Speed an seiner Westseite vorbei zur rutschen. Will Harris, Herrmanns Teammitglied an Land, glaubt, dass sich sein Chef etwa sechs Stunden hinter Samantha Davies einreiht. Damit wäre er noch voll dabei.

Positiv aus der Sicht des Deutschen ist seine Leistung im Kampf gegen die direkten Gegner. Kevin Escoffier (PRB) lag vor zwei Tagen noch 90 Meilen voraus, nun sind es bei dem Rennen nach Süden nur noch zehn Meilen. Und bei dem tagelangen Zweikampf mit Yannick Bestaven (Maitre Coq) behauptet er sechs Meilen Vorsprung.

Boris Herrmanns Speed im Vergleich zu Kevin Escoffier. Er hat viel Boden gut gemacht.

Sébastien Simon liegt mit seinem schnellen Neubau-Foiler Arkea Paprec zwischen den beiden Gruppen. Er bekräftigt die Strategie: “Sobald wir südlich des Hochdruckgebietes angekommen sind, werden wir in den südlichen Tiefdruckgebieten schnell unterwegs sein. Sie könnten uns weit bringen. Vielleicht bis zu den Kerguelen-Inseln Mitten im Indischen Ozean. In der Zwischenzeit müssen wir konzentriert bleiben, um diesen Zug nicht zu verpassen. Ansonsten droht uns das nächste Hochdrucksystem wieder auszubremsen”.

Simon bedauert schon jetzt offen, strategisch zu konservativ gewesen zu sein, und nur die mittlere Route zwischen Davies/Burton- und der Escoffier/Herrmann-Gruppe gewählt zu haben. “Sam und Louis werden vor mir vorbeifahren, aber ich hoffe, dass ich vor der Gruppe im Osten in den Zug einsteige. ”

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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