Vendée Globe: “Hugo Boss” nur noch 70 Meilen vorne – Herrmann verliert einen Platz

Wie vor vier Jahren

Alex Thomson hat in der Nacht seine Führung bei der Vendée Globe auf 70 Meilen schrumpfen sehen, hat nun aber die Doldrums passiert. Seine beiden Verfolger machen mächtig Druck. Herrmann auf Platz acht.

Die Situation um 9h am 11 Renntag. Hugo Boss ist mit einem Vorsprung von 70 Meilen durch die Doldrums und hat nun stabileren Wind.

Alex Thomson hat eine nahezu reibungslose Passage durch die 300-350 Meilen breite innertropische Konvergenzzone erlebt und überquert heute Morgen als erster den Äquator. Dabei ist er etwa einen Tag langsamer als bei seinem eigenen vor vier Jahren. Damals lag er 50 Meilen vorne, nun sind es 7o Meilen. Damals brach dann ein paar Tage später auch sein Foil. Auf dieses Szenario kann er diesmal sicher gut verzichten.

Aber die beiden härtesten Verfolger Thomas Ruyant (LinkedOut) und Charlie Dalin (Apivia) machen wie damals Armal Le Cleac’h mächtig Druck. In den vergangenen Tagen waren sie bei der Doldrums-Annäherung schneller als Hugo Boss und besonders Ruyant verkürzte den Vorsprung des britischen Skippers um 50 Meilen – auch als Thomson noch mit gutem Wind unterwegs war.

In der Nacht hatte der Brite mit instabilem Wind zu kämpfen, nun segelt er aber im Südost-Passat und die Geschwindigkeit ist wieder auf 14 Knoten angestiegen.

Apivia (gelb) und LinkedOut (blau) sind die Schnellsten im Feld. Hugo Boss (schwarz)

Ruyant und Dalin befinden sich auch in der Konvergenzzone und scheinen bisher sogar noch weniger abgebremst zu werden. Dalin ist bis auf 103 Meilen an den Führenden herangekommen und hat nun auch Jean Le Cam auf Rang drei verwiesen. 

Der Apivia Skipper, der es fünfmal auf das Podium der Solitaire du Figaro geschafft hat, macht weiter Druck auf die Spitze. Wenn der Abstand zu Hugo Boss zu groß ist, besteht die Gefahr, dass sich der Brite in der südlichen Hemisphäre mit einem der von Westen heran rauschenden Tiefdruckgebiete entscheidend absetzen kann. Dalin gibt deshalb gerade wie auch sein Trainingspartner Ruyant alles, um im selben Wettersystem zu bleiben. Und die beiden Verdier-Designs scheinen technisch bestens in der Lage mit Thomson mithalten zu können.

Thomas Ruyant gibt weiter mächtig Gas. © Pierre Bouras

Dennoch ist Dalin nervös: “Ich habe zu Beginn der Nacht eine Sturmböe mit ein paar Blitzen erlebt, bin aber immer noch schnell unterwegs mit etwa 20 Knoten Ostwind.” Er sucht seinen Weg mithilfe von Infrarotbildern um Wolkenmassen und Sturmböen zu identifizieren. So könne man die Ausdehnung und Intensität erkennen und versuchen den Kurs anzupassen. “Wir werden sehen, ob es so gut weitergeht bis ich durch bin. Aber es sind immer noch 150 Meilen bis zum Äquator. Und es kann alles passieren”.

Boris Herrmann (Seaexplorer-Yacht Club de Monaco) ist wieder von Sam Davies (Initiatives Coeur) überholt worden und auf den achten Platz zurückgefallen. Aber die Gruppe der IMOCA-Foiler der ersten Generation zu der auch Louis Burton (Bureau Vallée 2) und Kevin Escoffier (PRB) gehören, rückt immer weiter zusammen. Sie liegt nun knapp 45 Meilen auseinander und segelt ähnlich schnell.
Die Skipper könnten einen Vierkampf um Platz vier ausfechten, nachdem Escoffier zur Spitze hat abreißen lassen müssen. Allerdings lauert achteraus noch Sebstien Simon (Arkea Paprec) mit seinem Foiler der neuesten Generation. Er war mit seinem Juan K-Design zuletzt zweitschnellstes Boot im Feld und hat den Rückstand zu Herrmann auf 60 Meilen verkürzt.

Boris Herrmann (grau) im Vergleich zu Alex Thomson

Unterdessen hat Havarist Nicolas Troussel am Morgen noch rund 180 Meilen bis Mindelo auf den Kapverden vor sich. Er berichter, dass er dass er geschlafen hat, als sein Mast kurz vor Sonnenaufgang bei den böigen Passatwinden fiel. Eine Erklärung für den Schaden hat er noch nicht.

Jérémy Beyou hat die erste Nacht nach seinem Neustart überstanden. Er segelt dem Feld 2800 Meilen hinterher. Er nennt die Situation, keinen Konkurrenten um sich herum zu haben, “sehr seltsam”. Als Rennen könne man das nicht bezeichnen. “Aber ich will es gut machen. Der Enthusiasmus und die Nachrichten von all den Menschen, die mich unterstützen, haben mich ermutigt. Jetzt muss ich meinen Weg allein gehen. Ich muss es für mich tun.” Er werde viel über sich lernen.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée Globe: “Hugo Boss” nur noch 70 Meilen vorne – Herrmann verliert einen Platz“

  1. avatar PL_cornelia.lohmann sagt:

    soweit ich erkennen kann, ist Boris Herrmann unverändert auf Platz 7

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