Vendée Globe: “Hugo Boss” übernimmt die Führung – Le Cleac’h zeigt Schwächen

Alex neue Stärke

Alex Thomson hat bei der Vendée Globe eindrucksvoll seine Stärke gezeigt. Nach der Halse auf seinen bevorzugten Bug mit Wind von Steuerbord bestätigt er Vorteile. Überraschend nicht nur beim Speed.

Hugo Boss Kerguelen

“Hugo Boss” im Push-Modus vor den Kerguelen © Marine Nationale / Nefertiti / Vendée Globe

Darauf hat Alex Thomson lange gewartet: “Backbord-Bug” ,Wind von Steuerbord, wie er in seinem letzten Video von Bord genüsslich wiederholt. Und tatsächlich, nach der Halse hat “Hugo Boss” merklich beschleunigt und segelt dem blauweißen Boot deutlich davon.

Offenbar hat Armel Le Cleac’h tatsächlich Probleme, auf dem maximal tiefen Kurs einen zu Thomson konkurrenzfähigen Speed abzuliefern. Das zeigte sich schon in den vergangenen Tagen, als er gegen den ohne Foil gehandicapten Gegner nicht schneller segeln konnte. Auf dem neuen Bug ist er nun deutlich unterlegen.

Hugo Boss Kerguelen

Alex Thomson beim Posing für die Fans. © Marine Nationale / Nefertiti / Vendée Globe

Le Cleac'h, Kerguelen

Armel Le Cleac’h hält sich eher zurück beim unerwarteten Heli-Shooting. © Marine Nationale / Nefertiti / Vendée Globe

Stolz dürfte der Hugo Boss Skipper allerdings besonders über einen erfolgreichen Taktik-Move in den vergangenen Stunden sein. Bisher war der Brite immer als der im Vergleich zum Figaro-gestählten Franzosen taktisch schwächere Segler eingestuft worden. Und diese Einschätzung hatte er bestätigt mit seinem desaströsen Schlag unter die Küste von Portugal, der ihn schon zu einem frühen Zeitpunkt fast der Siegchancen berauben hätte können.

Taktisches Selbstbewusstsein

Aber kurz nach der Kerguelen Passage, als seit längerer Zeit einmal wieder eine taktische Halse anstand, ergriff Thomson erneut die Initiative, indem er als zurückliegendes Boot zuerst das Manöver einleitete. Man mochte den Atem anhalten. Es schien, als wolle “Hugo Boss” mit Gewalt auf den anderen Bug wechseln.

Es ging darum, wie man die Winddrehung am besten aussegelt. Le Cleac’h segelte noch einige Stunden weiter und schien den Vorsprung von knapp 16 Meilen noch vergrößern zu können. Aber als die beiden Boote wieder zusammenkamen, hatte der Brite die fehlenden Meilen aufgeholt. Er segelte in der Drehung einen direkteren Kurs.

Thomson (schwarz) hat ein besseres Timing bei der Halse. Der stumpfere Winkel des Schlenkers ist einen Raumgewinn von fast 16 Meilen wert.

Thomson (schwarz) hat ein besseres Timing bei der Halse. Der stumpfere Winkel des Schlenkers ist einen Raumgewinn von fast 16 Meilen wert.

Die Speedkurve von Thomson (grau) mit Wind von Steuerbord zeigt im Vergleich mit Le Cleac'h zuletzt (rechts) deutlich nach oben.

Die Speedkurve von Thomson (grau) mit Wind von Steuerbord zeigt im Vergleich mit Le Cleac’h zuletzt (rechts) deutlich nach oben.

Danach zeigte er dann, dass seine “Hugo Boss” bei leichterem achterlichen Wind  das schnellere Boot ist. Der Einfluss des Foils wird einem Speed von 14 Knoten noch nicht gravierend gewesen sein. Aber vielleicht bremst seine Konstruktion einfach weniger als der Flügel von Le Clac’h.

Nach einer Serie von Halsen entlang der Eisgrenze liegt der Brite jetzt jedenfalls 15 Meilen in Führung. Das Duo an der Spitze wartet jetzt auf ein erneutes Tiefdrucksystem von hinten.

Entscheidende Windwinkel

Die taktischen Möglichkeiten für einen Ausbruch sind durch die von der Wettfahrtleitung künstlich festgelegte Südgrenze des Regattagebiets begrenzt. Der Speed bei den verschiedenen Windwinkeln spielt eine große Rolle und da scheint “Hugo Boss” eine größere Bandbreite abzudecken.

Immer an der Eiswand entlang. Thomson ist besser als Le Cleac'h unterwegs.

Immer an der Eiswand entlang. Thomson ist besser als Le Cleac’h unterwegs.

Das gute Händchen bei der Taktik dürfte das Selbstbewusstsein des Briten stärken. Denn er wird noch einige wichtige Entscheidungen treffen müssen insbesondere nach der Rundung von Kap Hoorn, wenn wieder der Aufstieg gen Norden beginnt. Dann ist das Spielfeld deutlich vergrößert und Amwindkurse kommen mit ins Spiel. Dort wird das Rennen wohl entschieden. Und es muss sich zeigen, wie sich das Handicap des verlorenen Flügels dann auswirkt.

Ob sich Le Cleac’h für diese Phase des Rennens bewusst zurückhält, um sein Pulver noch nicht zu verschießen? Zuzutrauen wäre es dem Mann mit dem Spitznamen “Schakal”, der seine Gegner gerne hetzt, um sie dann zum Schluss zur Strecke zu bringen.

Die Nummer drei Seb Josse ist deutlich schneller und hat in einem Tag 135 Meilen aufgeholt.

Die Nummer drei Seb Josse ist deutlich schneller und hat in einem Tag 135 Meilen aufgeholt.

Josse holt deutlich auf

 

Nutznießer der etwas flaueren Lage an der Spitze ist seit langer Zeit einmal wieder Sébastien Josse, der auf Position drei immer noch auf seine Chance lauert. Er hatte zuletzt wenig falsch gemacht und einfach Pech mit dem Wetter gehabt, nachdem ihn eine kurze Ruder-Reparatur vom Starkwind-System der Führenden getrennt hatte.

Der Rückstand vergrößerte sich permanent auf zuletzt fast 700 Meilen. Aber nun konnte er mit einem neuen Tiefdruckgebiet an einem Tag gleich 135 Meilen aufholen. Josse hofft, dass sich das Wetterglück ändert und er vielleicht noch eine Chance bekommt, in den Kampf an der Spitze einzugreifen.

Vendée Globe Tracker

Die Situation der Flotte.

Die Situation der Flotte.

Le Cleac'h, Kerguelen

“Banque Populaire” neben der französischen Marine. © Marine Nationale / Nefertiti / Vendée Globe

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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