Vendée Globe IMOCA : “Malizias” neues Gewand – Käufer sieht sich in neuer Liga

"Dieses Boot ist außergewöhnlich"

Romain Attanasio hat seine neue IMOCA von Boris Herrmann übernommen und ist völlig begeistert. Mit dem neuen Look verliert er zwar im Style- aber wohl nicht beim Speed-Ranking. Nun hat der Franzose auch eine Chance gegen seine Frau.

Der neue Malizia-Look, bezahlt von den Sponsoren Fortinet und Best Western für Romain Attanasio. © FORTINET – BEST WESTERN

Für Boris Herrmann stand schon vor der Vendée Globe fest, dass er seine Malizia verlieren würde. Der IMOCA stand für 2,7 Millionen Euro zum Verkauf und das hätte für ihn einen immensen Druck aufbauen können, diese Regatta erfolgreich zu beenden. Aber entweder hat er das nicht so empfunden, oder er konnte bestens mit der Situation umgehen. Jedenfalls nutzte der Hamburger die Bühne nach allen Regeln der Kunst – generierte Aufmerksamkeit durch sportlichen Erfolg und mediales Talent – und legte damit die Basis für die Sponsorenverträge, die ihm nun für die nächsten Jahre ein gutes Auskommen und neue Wettbewerbsfähigkeit bescheren.

Bei den jüngsten Verhandlungen sollte Herrmann in die Hände gespielt haben, dass nun selbst die frühen Partner, die durch ihr Investment in den Vendée Globe Newcomer ein großes Risiko eingegangen sind, nicht enttäuscht wurden. Die Marke Herrmann ist durch belohntes Vertrauen gestärkt.

Das zeigt sich insbesondere durch den Wert des Sportgeräts. Der schlaue und schnelle Kauf der Vendée Globe Mit-Favoriten-Yacht für 2016/17 “Edmond de Rothschild” nach ihrem Ausfall auf Rang drei liegend mit Skipper Sebastian Josse war die Basis für Herrmanns Erfolg vier Jahre später. Möglich machte ihn der Stuttgarter Immobilien-Unternehmer Gerhard Senft, der das Schiff erwarb. Umso besser, dass es nach dem Rennen sicher nicht an Wert verloren haben sollte, auch wenn es nach der Kollision mit dem Fischerboot erst noch repariert werden musste.

Plötzlich in einer höheren Liga

Der neue Eigner Romain Attanasio ist jedenfalls begeistert. Er preist nun sein neues Schiff. “Es ist einfach außergewöhnlich”, sagt er beim ersten Einwassern im Hafen von Lorient. Seine Begeisterung ist verständlich, weil es ihn auf Anhieb in eine höhere Liga katapultiert. Schließlich segelte er bei der jüngsten Vendée Globe einen 13 Jahre alten ehemals für Loïck Peyron gebauten Nicht-Foiler ohne Chancen auf vordere Plätze um die Welt – auch wenn Rang 14 den Umständen entsprechend als sehr gut zu bewerten war.

IMOCA Gitana

So segelte Herrmanns Malizia 2015 als “Gitana” als einer der ersten neuen Foiler. © Martinez/Gitana

Aber nun kann er mit der ex Malizia einen neuen Gang einlegen. Diesmal geht es für ihn nicht nur ums Teilnehmen, er spricht sogar schon vom Gewinnen. Das sechs Jahre alte Schiff sei immer noch eines der leistungsstärksten und spektakulärsten IMOCAs auf dem Planeten, heißt es in seiner Pressemitteilung. Nun könne er sogar mit seiner Frau, Samantha Davies konkurrieren. Deren Yacht Initiatives-Cœur ist zwar sogar schon elf Jahre alt, sie wurde aber besonders effektiv zu einem Foiler der neuesten Generation umgebaut und galt bei der Vendée Globe als genauso schnell wie Malizia.

Attanasio hält sein Schiff allerdings für “das beste Boot seiner Generation” und vergleicht es demnach mit der alten “Safran”, die Yannick Bestaven als “Maitre Coq” immerhin zum aktuellen Sieg getragen hat und der drittplatzierten “Bureau Vallée” von Louis Burton mit der Armel Le Cleac’h vor vier Jahren gewann. Beide Boote sind nicht mit den modernen großen Tragflächen nachgerüstet worden wie Malizia. Sie konnten von ihren Skippern allerdings näher an das 100 Prozent-Potenzial gebracht werden, weil sie in dieser Konfiguration schon deutlich mehr Meilen absolviert haben.

Optisch verloren

Herrmann selber äußerte schon, dass der Umbau im Nachhinein gesehen nicht so zielführend gewesen sein. Er musste öfter auf die Bremse treten, als ihm lieb war. Mit den alten Tragflächen hätte er mehr puschen können. Aber wer hätte vorher schon sagen können, dass sich das Rennen so entwickelt – dass zwei Schiffe der alten Generation auf dem Podium landen – dass die neuen Foiler durch Schäden verlangsamt wurden.

Boris Herrmann 2018 mit Malizia noch in der alten Foil-Konfiguration. © Jean-Marie LIOT

Umso mehr verborgenes Potenzial mag aber auch noch in Attanasios neuer Waffe stecken. Und das könnte ihm die Chance eröffnen, eine neue Rolle im IMOCA-Feld zu spielen. Möglich haben das seine Sponsoren gemacht. Fortinet, ein Unternehmen, das sich um Cybersicherheit kümmert und Best Western Hotels & Resorts, eine der weltweit größten Hotelketten. Mit ihren Firmennamen auf der Rumpfseite hat das Schiff vielleicht optisch verloren, aber der Speed dürfte darunter nicht leiden.

Bei den ersten Test-Meilen wird Boris Herrmann dem neuen Besitzer noch zur Seite stehen. Es geht darum, die Funktionsweise der Technik zu vermitteln. So können etwa über zahlreiche Sensoren die Belastungsgrenzen vieler tragenden Teile ermittelt werden.

“Es ist ein sehr technisches Boot”, sagt Attanasio. “Wir werden ersteinmal sehr vorsichtig sein und uns schrittweise eingewöhnen”. Aber allzu lange wird es nicht dauern, bis er auf das Gaspedal tritt. Sein Rennplan sieht im Sommer die Zweihandrennen Rolex Fastnet Race und Défi Azimut vor bevor am 7. November der Saisonhöhepunkt ansteht: die Transat Jacques Vabre von Le Havre nach Martinique über den Atlantik.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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