Vendée Globe: Isabelle Joschke nach knapp 108 Tagen sicher in Les Sables d’Olonne

"Es ist so riesig"

Die Deutsch-Französin Isabelle Joschke hat ihre Weltumsegelung im Rahmen der Vendée-Globe außer Konkurrenz beendet. Zwölf Tage lang reparierte sie ihr Boot in Salvador de Bahia. Jean Le Cam begrüßt sie im Hafen.

Isabelle Joschke jubelt. Sie lacht, freut sich, winkt. Die Ufer des Kanals von Les Sables d’Olonne sind von Menschen gesäumt. Es ist der triumphale Empfang eines Siegers. Nur die fehlenden Fackeln in ihren Händen deuten darauf hin, dass die Rückehr der 44-Jährigen doch einen Makel hat. Sie musste ihre Vendée Globe außer Konkurrenz beenden.

Isabelle Joschke bei der Ankunft. © Vincent Curutchet / Alea

Es hätte wahrlich ein ganz großer Triumpf werden können. Die in München geborene Skipperin lag noch kurz vor Kap Hoorn bestens im Rennen. Und ähnlich wie Boris Herrmann hatte sie beste Karten, im Atlantik noch einen harten Angriff auf die Spitze zu starten. Denn wie “Seaexplorer” war auch “MACSCF” mit der neuesten Flügel-Generation nachgerüstet worden und auf dem Papier mit das schnellste Boot der Spitzengruppe.

Aber Anfang Januar verhinderte dann ein Schaden am Kiel den schnellen Aufstieg im Atlantik. Schließlich wurde sie von dem sich verschlimmernden Problem zur Aufgabe gezwungen. Nach schwierigem Beginn hatte Joschke längst, das große Potenzial ihres mit der aktuellen Foil-Generation nachgerüsteten Vintage-IMOCA bewiesen. Sie holte einen nahezu 1000 Meilen großen Rückstand zur Spitze auf, drückte ihn unter 240 Meilen und rückte von Rang 23 auf 5 vor. Aber schließlich kam doch das Aus verbunden mit einem zehntägigen Reparatur-Stopp in Salvador de Bahia, Brasilien.

Ziel Top Ten

Sie war mit dem durchaus anspruchsvollen Ziel gestartet, in den Top Ten zu landen. Dafür hatte sie ähnlich wie Boris Herrmann vor, anfangs eher vorsichtig “mit dem eigenen Tempo zu segeln”, wie sie vor dem Start bekundete. “Sich nicht vom Tempo der anderen beirren zu lassen und dadurch Fehler zu machen”.

MACSF ex Safran von 2007 ist für Isabelle Joschke mit langen Foils bestückt worden. © CHRISTOPHE FAVREAU-DÉFI AZIMUT

Aber schon unterwegs bereut sie ein wenig diese Taktik. “Meine Vorsicht kam mich teuer zu stehen”, sagt sie am 17. November als sie nach der Umgehung der ersten Stürme in einer Flaute landet und schließlich weit hinter der Spitze hersegelt. Sie nimmt sich vor: “Ab jetzt gebe ich alles und nutze jede Möglichkeit, wieder ins Spiel zu kommen.” Schließlich gelingt es ihr, einen besseren Kompromiss zwischen Leistung und Sicherheit zu finden und macht immer mehr Druck.

Nach einer klugen Routenwahl im Hochdruckgebiet des Südatlantiks segelt sie zurück in die Spitzengruppe und rundet das am Kap der Guten Hoffnung als Zwölfte. Im Southern Ocean schließlich ist es mental eine harte Belastungsprobe.

Das hautnahe Miterleben der Rettung von Kevin Escoffier aus seiner Rettungsinsel hat sie schwer getroffen. Schließlich ist ihre MACSF ein Schwesterschiff von PRB. Nicht schön, wenn dieses in zwei Teile bricht. Nach dem Unfall schloss sie gewissenhaft alle Schotten und befürchtete wohl ein ähnliches Schicksal. Projektleiter Alain Gautier verriet, dass das Team kurz davor war, Joschke wegen ihrer Bedenken zu einem Stopp in Kapstadt zu bewegen.

Schaden 48 Stunden vor Kap Hoorn

Aber danach traute sich Joschke im Südmeer immer mehr zu, erreichte hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten und bereitete sich auf einen fulminanten Endspurt vor, der sie bis auf das Podium hätte bringen können. Aber am 3. Januar, nur 48 Stunden vor ihrer ersten von Kap Hoorn Passage passiert Ausfall ihrer Kielramme.

Joschkes Freude über die abgeschlossene Weltumsegelung. © Jean-Marie Liot / Alea

Erst fixiert sie den Kiel aber fünf Tage später versagt das System mitten in einem großen Tiefdruckgebiet östlich von Argentinien. Der Kiel pendelt unter dem Rumpf. Sie muss endgültig aufgeben. Nach 16 Tagen vorsichtiger Fahrt mit reduzierter Geschwindigkeit erreicht sie Salvador de Bahia in Brasilien.

Am 5. Februar sticht sie wieder in See als ihre Freundin Sam Davies auf gleicher Höhe ist. Diese muss aber wegen eigener Probleme langsamer segeln und wird erst am Donnerstag oder Freitag in Les Sables erwartet.

Joschke sagt im Ziel: “Ich bin stolz, dass ich noch einmal auslaufen und meine Passage beenden konnte. Dies war eine echte Begegnung mit mir selbst, eine Reise der Selbstentdeckung, eine Chance, mehr über mich selbst zu erfahren. Es war so hart, unglaublich schwierig, am Ende viel härter, als ich erwartet hatte. Und deshalb bin ich unglaublich stolz auf mich, weil ich bis zum Maximum gegangen bin und mein Bestes gegeben habe. Es ist mental und auch körperlich sehr hart.

Jean Le Cam begrüßt sie mit einem Freudentänzchen vor der Presse. © Olivier Blanchet / Alea

An manchen Stellen habe ich gemerkt, dass ich an der Grenze dessen war, was ich geben konnte. Es gab aber auch einige magische Momente, nicht so viele, aber sie waren dennoch sehr wertvoll. Jetzt muss ich einfach ausruhen und mich daran erfreuen, was ich es geschafft habe. Es ist so riesig, dass man sich Zeit nehmen muss, um das alles zu realisieren.

Für mich war es sehr wichtig, diese Geschichte abzuschließen, ihr einen Sinn zu geben und auch wieder auf die Beine zu kommen. Denn es ist sicher, dass die Vendée Globe nicht immer Spaß macht. Es gibt Momente, in denen man gut drauf ist und Momente der Verzweiflung. Ich wollte zeigen, dass ich zurückkehren kann.”

Sponsor plötzlich ausgestiegen

Teamchef Alain Gautier (58), selber 1993 ein Vendée-Globe-Sieger, erklärt die Hintergründe des Projektes. Ursprünglich sei ein Vier-Jahres-Projekt mit Sponsor Generali vereinbart gewesen und parallel mit Louis Burton sein sie das erste Team mit einem Projekt für die Vendée Globe gewesen. Aber das Versicherungsunternehmen stieg aus und die Pläne drohten zu scheitern. Schließlich sprang der Getränke-Unternehmer Olivier Monin als Geldgeber ein. “So konnten wir bis 2018 überleben”, sagt Gautier “Sonst hätten wir das Boot verkaufen müssen”.

Isabell Joschke

Isabell Joschkes IMOCA als “Monin” bei der Route du Rhum 2018 vor dem Riggverlust noch ohne Foils. © RdR

Die ehemaligen “Safran” von Marc Guillemot, die 2016 von Yann Eliés bei der Vendée Globe auf Rang fünf gesegelt wurde, hieß nun “Monin” und Joschke konnte sich 2018 nach zweiten Plätzen bei zwei kleineren IMOCA-Regatten, wie dem Dhream-Cup, Hoffnungen  auf eine gute Route du Rhum-Platzierung machen. Dabei verlor sie aber das Rigg.

“Glücklicherweise hatten wir etwa zur gleichen Zeit einen Vertrag mit MACSF unterzeichnet“, sagt Gautier und so habe man weiter mit der Vendée Globe planen können. MACSF nickte sogar den ehrgeizigen Umbau zum Foiler mit Flügelmast und Tragflächen der neuen 2019er Generation ab.

“Diese Modifikationen am Boot dauerten lange und kosteten Isabelle Segelzeit.” Dazu kam ein Kielschaden bei der Transat Jacques Vabre nach einer Grundberührung am Start und so hatte Joschke vor dem Start der Vendée Globe längst nicht so viel gesegelt, wie geplant. Auch deshalb konnte sie anfangs ihrem Schiff nicht so vertrauen, wie geplant.

Wie geht es nun weiter? Der Vertrag mit MACSF reicht bis zur Jacques Vabre 2021. Und es gibt eine Verlängerungsoption für die Route du Rhum 2022. Aber die Entscheidung dafür soll erst im nächsten Monat fallen. Ob Joschke noch einmal die Vendée Globe segelt, ist noch nicht klar. “Wir müssen wir Isa fragen, was sie will”.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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