Vendée Globe: Japan gibt im Segeln Gas – Olympia, Sail GP und nun Vendée

Rückkehr der Samurai

Der Segelsport in Japan nimmt eine erstaunlich positive Entwicklung. Olympia spielt eine Rolle, der America’s Cup, aber nun auch das Hochseesegeln. Kojiro Shiraishi lässt für die Vendée Globe “Charal” nachbauen.

Japan wird immer mehr zu einer Macht im Segelsport. Vor den Olympischen Spielen im eigenen Land haben sich die Asiaten besonders im 470er zur führenden Nation entwickelt. Bei den Frauen sind sie Weltmeisterinnen, die Männer weisen vier Teams unter den Top 14 der Welt auf. In allen weiteren Olympia-Disziplinen verstärken sie die Bemühungen, und 49er-Segler Leo Takahashi gilt sogar als kommender Mann für den Sail GP, wo er jetzt schon mit Nathan Outteridge segelt.

Ai Kondo Yoshida

Ai Kondo Yoshida und Miho Yoshida holen 2018 den 470er WM-Titel in Aarhus. © Sailing Energy

Der America’s Cup hat einen Push gegeben, als das Softbank Team Japan von Milliardär Masayoshi Son finanziert wurde und eine neue Generation japanischer Segler Profi-Luft schnuppern ließ. Ellison-Freund Son wird auch hinter den Bemühungen des Sail GP vermutet.

Sail GP

Das japanische Boot vor der Sydney Oper. © Beau Outteridge / SailGP

Die neue Aufmerksamkeit für den Segelsport in Japan hilft auch Kojiro Shiraishi. Der 51-Jährige gehört nicht gerade zum Nachwuchs des asiatischen Segelsports. Schon 2006 machte er Schlagzeilen, als er beim VELUX 5 Oceans Race nach 118 Tagen einhand um die Welt auf Rang zwei hinter Bernard Stamm landete.

2016 war er dann der erste Asiate, der an der Vendée Globe teilnahm. Er hatte mit altem Boot eher einen Abenteuer-Status und musste nach 29 Tagen mit gebrochenem Mast aufgeben.

Auf dem Weg zum Vendée Globe-Start 2016 stellte sich Kojiro Shiraishi stilecht als Samurai auf sein Vorschiff. © Vendée Globe

Nun gibt Shiraishi aber noch einmal richtig Gas. Er kündigte an, für die nächste Vendée Globe 2020 eine ernsthafte Kampagne mit einem der inzwischen sieben IMOCA-Neubauten gestartet zu haben. Das Schiff soll im September die Werft von Multiplast verlassen.

Es wird ein Schwesterschiff von “Charal”, dem ersten Foiler der neuen Generation sein. Der Japaner sagt, die Aufmerksamkeit seiner vergangenen Vendée Vorbereitung habe dazu beigetragen, dass er den deutsch-japanischen Werkzeugmaschinen-Hersteller DMG Mori als Sponsor gewinnen konnte.

Frisches Sushi mit Stäbchen gibt es schon mal an Bord des Japaners Shiraishi. © Shiraishi

“Es war eine große Ehre, als erster Asiate im Vendée Globe dabei zu sein”, erklärt Shiraishi. “Jetzt will ich der Erste sein, der diese Regatta beendet.”  Er hoffe, mit seiner Kampagne, auch die Entwicklung des Hochseesports in Japan vorantreiben zu können. Zu seinem Vorbereitungsteam gehören zwei junge Landsleute, die am Youth America’s Cup in Bermuda teilgenommen haben. Es unterstütze auch einen Japaner, der sich auf eine Teilnahme beim nächsten Mini Transat vorbereitet.

Intensives Training mit dem Spezialisten

Shiraishi befindet sich schon voll im Training, auch wenn sein neuer Foiler noch nicht fertig ist. Seit Anfang Februar trainiert er in Cascais/Portugal auf der ehemaligen “Safran” mit Vendée-Legende Roland Jourdain als Coach.

“Charal” hebt ab. © Yvan Zedda

Der neue IMOCA wird schmaler sein und extremere Tragflächen aufweisen, aber Mast und das Kielsystem sind in der Offshore-Klasse als One-Design-Elemente vorgeschrieben. Besonders in diesem Bereich lohnt sich also entsprechendes Training.

Der Japaner hat das Ziel, Ende Oktober beim IMOCA-Höhepunkt des Jahres zu starten, der Atlantik-Zweihand-Regatta Transat Jacques Vabre. Die Teilnahme ist auch als Qualifikation für die Vendée Globe 2020 wichtig. Wenn Shiraishi es schafft, sein Programm konzentriert durchzuziehen, und sein Schiff hält, mag es ihm gelingen im vorderen Feld der nächsten Vendée-Flotte anzukommen. Erfahrung genug dürfte er auf hoher See gesammelt haben. 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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