Vendée Globe: Jéremie Beyou im Ziel – Platz drei trotz großer Schwierigkeiten

"Ich habe das Schiff geschlagen"

Jéremie Beyou (40) hat seine erste Weltumsegelung bewältigt. Er belegt bei seinem dritten Vendée-Globe-Versuch Rang drei. Er spricht über seine Probleme.

Der Franzose Jéremie Beyou aus Carantec in der Bretagnehat nie ein Hehl daraus gemacht, dass es ihm bei dieser Vendée Globe darum geht, einen Platz ganz vorne zu belegen. „Für mich zählt bei der  wichtigsten Hochseeregatta der Welt nur das Podium. Und sonst nichts! Dafür lasse ich mich dann auch gerne feiern“, sagte er vor dem Start (Porträt)

Jéremie Beyou mit der Faust. © Jean-Marie Liot / DPPI / VENDEE GLOBE

Jéremie Beyou mit der Faust. © Jean-Marie Liot / DPPI / VENDEE GLOBE

Viele Beobachter hielten das für vermessen. Schließlich hat der 40-Jährige noch keine um-die-Welt-Regatta beendet. Zweimal scheiterte er bei der Vendée Globe, einmal beim Barcelona World Race und auch bei einem Jules Verne Trophy Rekordversuch erreichte er nicht Kap Hoorn.

Aber Beyou weiß eben auch, wie Siege schmecken. Dreimal war er beim La Solitaire du Figaro erfolgreich (2005, 2011, 2014), und das macht einen zum ernsthaften Vendée-Globe-Favoriten. Er bestätigte diesen Anspruch mit seinem Sieg bei der Generalprobe 2016 über den Atlantik. Das Rennen „New York – Les Sables“ beendete er ganz oben auf dem Treppchen und besiegte dabei auch Alex Thomson.

Bei der Vendée Globe zeigte er dann, dass er mit seiner zum Foiler umgebauten “Maitre CoQ”, der ehemaligen “Banque Poupulaire” von Armel Le Cleac’h, durchaus mit den Besten mithalten kann. Aber mehr auch nicht.

Gegner fallen aus

Als noch alle Spitzenboote im Rennen waren segelte er auf Rang sieben und hatte am Kap der Guten Hoffnung schon über 800 Meilen Rückstand auf “Hugo Boss”. Schließlich brachten ihn die Ausfälle der Kollegen in die Podiumsposition.

Das Podium der Vendée Globe 2016/17. © Jean-Marie Liot / DPPI / VENDEE GLOBE

Das Podium der Vendée Globe 2016/17. © Jean-Marie Liot / DPPI / VENDEE GLOBE

Lange Zeit segelte er Seite an Seite mit dem Schwesterschiff “SMA”, mit dem Francois Gabart die Vendée Globe 2013 gewonnen hatte. Dabei zeigte sich, dass seine Foiler Nachrüstung im Vergleich zum Nicht-Foiler wenig gebracht hat.

Aber Beyou wurde auch früh von Elektronik-Problemen gebeutelt. Es begann schon in der zweiten Rennwoche, dass der Autopilot, die Windanzeigen und die Satelliten-Verbindungen ausetzten. Beyou segelte eine Zeitlang ohne Wetterinformationen und hängte sich auch deshalb so lange an Paul Meilhat (SMA), der ihm den Kurs wies.

Schließlich fiel auch Meilhat im Pazifik aus, und Beyou musste alleine zurechtkommen. Ohne korrekte Windanzeigen musste der Autopilot dem Kompasskurs hinterher steuern und konnte nicht auf den Windwinkel ausgerichtet werden. Nur eine kleine Antenne half noch beim Kontakt mit der Außenwelt.

Geschlagen und geweint

“Es gab Momente, da habe ich mein Boot geschlagen und geweint”, sagt Beyou. “Aber man kann ja nichts machen. Man ist alleine.” Es sei so frustrierend gewesen, ohne echte Planung den Kurs bestimmen zu müssen. Aber im Rennen ist ihm dennoch niemand von hinten so richtig nahe gekommen. Das Wetter war auf seiner Seite. “Diese Regatta hat meine Art des Segelns verändert”, sagt er französischen Medien nach dem Zieleinlauf. “Man muss geduldig sein, und das ist sicher nicht meine Stärke.”

Maitre Coq, Jeremie Beyou, Vendée Globe,

Beyou auf seiner IMOCA der vorletzten Generation, mit nachgerüsteten Foils © maitre coq

Beyou lässt wenig Zweifel daran, dass er bei der nächsten Vendée Globe erneut dabei sein will. Sein Vertrag mit Maitre CoQ läuft aus, aber er hofft, ihn zu verlängern. “Mein nächstes Boot wird ein echter Foiler sein. Die sind einfacher und viel komfortabler zu segeln.”

Beyous Freude über die erste geglückte Weltumseglung. © Jean-Marie Liot / DPPI / VENDEE GLOBE

Beyous Freude über die erste geglückte Weltumseglung. © Jean-Marie Liot / DPPI / VENDEE GLOBE

Über seine Gegner hat er nur lobende Worte. “Armel ist phänomenal. Zweimal zweiter und nun der Sieg, das entspricht der Leistung von Michel Desjoyeaux.” Es sei unglaublich, dass sie nur wenige Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen sind. “Wir kennen uns, seit wir Kinder waren.”

Aber auch von Thomson ist er begeistert: “Ich bin ein echter Fan. Ich mag seinen Charakter. Er bringt Spaß mit aber auch Aggressivität. Er tut der Welt des Hochseesegelns gut. Er muss auch nächstes Mal wieder dabei sein.”

 

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Carsten Kemmling

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